Super League

Neuer Trainer, alte Probleme: Dem FC Basel droht schon die nächste Krise

Nach dem Trainerwechsel vor zwei Wochen bleibt der FC Basel in der Super League im selben Fahrwasser, gibt in Vaduz ein bedenkliches Bild ab. Unter dem neuen Chefcoach Slavisa Jokanovic stellen sich viele Fragen.

Ziemlich bedient sassen sie nebeneinander auf der Haupttribüne im Rheinpark: Valentin Stocker, der sportliche Leiter des FC Basel, daneben Andreas Herrmann, der Technische Direktor, und Chefscout Marko Filipovic. Viel zu reden gab es wenige Minuten nach Abpfiff einer fürchterlich schlechten Vorstellung gegen den FC Vaduz nicht. Die Drei schauten schweigend ins sich leerende Stadion.

Zwei Wochen ist es her, dass der FC Basel (einmal mehr) den Trainer gewechselt hat. Und wenn man sich davon einen unmittelbaren Effekt versprochen hat, dann ist dieser verpufft. Einer 3:7-Blamage im Testspiel gegen das zweitklassige Winterthur folgt bei der Pflichtspielpremiere für den neuen Cheftrainer Slavisa Jokanovic eine 0:3-Packung beim Aufsteiger aus dem Ländle. Der spielte wie so oft schon in dieser Saison eine höchst respektable Partie, kontrollierte das Geschehen und belohnte sich anders als bei vorgehenden Gelegenheiten mit drei Punkten.

Jokanovic fiel es nicht einmal schwer, dem Gegner als dem besseren Team zu gratulieren. Es gab auch wenig bis nichts, was er zur Verteidigung seiner Spieler hätte vorbringen können. Im Gegenteil. Der FCB zerbröselte erneut in seine Einzelteile und gibt viele Rätsel auf.

Leistungsträger ausser Form

Von Jonas Omlin abgesehen, der nach Verletzungsproblemen ins Tor zurückkehrte und in der ersten Halbzeit Schlimmeres verhinderte, erreicht derzeit kein Spieler das Niveau, das er in der Vergangenheit schon einmal im FCB-Dress gezeigt oder zumindest angedeutet hat. Stellvertretend standen in Vaduz: der fehlerhafte Innenverteidiger Flavius Daniliuc, Metinho, der im Zentrum keinen Zugriff fand, der völlig abgemeldete Mittelstürmer Zan Celar oder Xherdan Shaqiri. Der hat am Samstag seinen 35. Geburtstag gefeiert, wie es mit ihm nach Vertragsende im Juni 2027 weitergeht, ist weiterhin ungeklärt und in Vaduz blieb auch der Captain ohne jeden positiven Einfluss aufs Spiel.

Sinnbildlich war auch der Vortrag von Philip Otele, der ein Schatten seiner selbst ist. Mit der Attitüde des Einzelkämpfers stürzt er sich in Dribblings, die im Nirgendwo enden. «Momentan funktioniert nichts», sagt der Nigerianer, entschuldigte sich bei den vielen mitgereisten Fans und stellte fest: «Es ist ein Realitätscheck für alle Spieler in einer schwierigen Situation.»

Appelle an die Arbeitsmoral

In der Basler Konsternation kommt nun die Mentalitätsfrage auf den Tisch. Verteidiger Becir Omeragic stellt sie, Shaqiri auch, und der Captain rät: «Jeder sollte bei sich selbst beginnen.»

Vielleicht ist die Mentalitätsfrage auch eine Qualitätsfrage an einen im Sommer ordentlich durchgemischten Kader. Jokanovic wird nun seine Attribute einbringen müssen, die ihn bei der Trainerauswahl für den FCB interessant gemacht haben. «Wir wollten auf Erfahrung und Krisenresilienz setzen», hat Direktor Herrmann bei Blue skizziert.

Der 58-jährige Serbe hat in Vaduz erklärt, dass er nach dem Spiel ruhig geblieben sei und es nach 13 Tagen im Amt nichts bringe, in der Garderobe alles kurz und klein zu hauen. Er hat aber auch seine Enttäuschung erkennen lassen («Hatte mehr von der Mannschaft erwartet»). Er sagt, dass man Zeit brauche, «Zeit, die im Fussball nicht existiert», und er appelliert mit eindeutigen Worten an die Arbeitsmoral. Er fordert Mut und Kampf ein und fügt mit leiser Ironie an: «Dafür muss man nicht besonders talentiert sein».

Krisenszenario wie bereits im Februar

Wie weit Anspruch und Wirklichkeit voneinander entfernt sind, zeigt die Tabelle, in der Basel unter den Strich gerutscht ist: 15 Punkte hinter Leader Lugano verbietet es sich für Stocker, derzeit noch vom Titel zu reden. Sechs Punkte sind es bis zu Europacupplatz 3.

Was ist eine faire Bewertung der Mannschaft? Diese Frage hat sich Stocker letzte Woche bei «Blue» selbst gestellt. Und sie mit weiteren Fragen zu beantworten versucht: «Ist mehr Potenzial vorhanden und müssen wir mehr Gas geben? Oder müssten wir die Erwartungen herunterschrauben?» Versagt der FC Basel auch am Freitag im Schweizer Cup in Nyon, ist das Krisenszenario dem im Februar nach dem Trainerwechsel von Ludovic Magnin zu Stephan Lichtsteiner schon wieder sehr ähnlich. Damals wurden innert Wochenfrist drei Wettbewerbe in den Sand gesetzt.

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