
Vorhang auf für Slavisa Jokanovic, dem neuen Chef an der Seitenlinie beim FC Basel nach dem zehnten Trainerwechsel in der Ära David Degen. 13 Tage nach seinem Dienstantritt betritt der 58-jährige Serbe das ausverkaufte Rheinpark Stadion chic in einem dunkelblauen Zwirn. Von der ersten Spielminute an steht er in seiner Coachingzone, gibt Anweisungen, schüttelt bald einmal den Kopf und sein Gesichtsausdruck verrät mehr und mehr Bestürzung, je länger die Partie dauert.
Am Ende ist der hoch aufgeschossene Trainer die einzige elegante Erscheinung bei den Rotblauen. Die Mannschaft geht eine Woche nach einer 3:7-Testspielpleite in Winterthur, von der man sich den Effekt eines Hallo-Wach versprochen hatte, erneut sang- und klanglos unter. Dieses Mal gegen einen Liga-Neuling, der zwar häufig verloren, mit seiner gepflegten Spielkultur jedoch auf sich aufmerksam gemacht hat. Und der dem FC Basel quasi in allen Belangen überlegen ist.
Drei Änderungen im Vergleich zum letzten Super-League-Match vor drei Wochen nimmt Jokanovic vor. Jonas Omlin kehrt ins Tor zurück, Becir Omeragic spielt in der Innenverteidigung für den zuletzt angeschlagenen Akpe Victory und der formschwache Keigo Tsunemoto muss Moussa Cissé Platz machen. An der gewohnten Grundordnung nimmt der Trainer keine Veränderungen vor.
Entsprechend ändert sich auch an der Ausstrahlung dieses FC Basel im Herbst 2026 nichts. «Es war ein frustrierendes Spiel», sagt Jokanovic, «wir sind die ersten zehn Minuten gut reingekommen, dann wurde es schlechter und schlechter.»
Das Telegramm
Rheinpark Stadion. – 5405 Zuschauende (ausverkauft). – SR: Alessandro Dudic. – Tore: 26. Monsberger (Dalipi) 1:0, 36. Monsberger (Schwizer) 2:0, 68. Dalipi (Cocic) 3:0.
Vaduz: Schaffran; Hasler, Simani, Berisha, Schwizer (90. Beeli); Stark, Mack, Cabrera (86. Walker); Cocic (70. Djokic); Dalipi (90. Sawadogo), Monsberger (90. Lang).
Basel: Omlin; Michelin, Omeragic, Daniliuc, Cissé (71. Tsunemoto); Harder (71. Malachowski), Metinho (85. Victory); Otele, Shaqiri, Olaigbe (55. Malouda); Celar (71. Koloto).
Bemerkungen: Vaduz ohne Akhalaia, Eberhard, Neelakandan, Öhri, Seiler, Sorgic (verletzt); Basel ohne Bacanin, Hoch, Kaio Eduardo, Louis, Sigua, Sow (verletzt), Renato, Kakor (ohne Aufgebot). – Verwarnungen: 48. Simani (Foul). 50. Cabrera (Foul), 51. Olaigbe (Foul), 52. Schwizer (Foul). – 19. Omlin lenkt Cabrera-Abschluss an den Pfosten.
Nur 35 Sekunden sind verstrichen, als Zan Celar vor dem Vaduzer Tor auftaucht, aber sein Abschluss gerät schlapp und landet im Aussennetz. Eine zweite Halbchance bietet sich dem eingewechselten Aaron Malouda in der 68. Minute – mehr nennenswerte Offensivszenen bringt der FCB nicht zustande.
Bevor die Liechtensteiner in Führung gehen, findet Juan Cabrera dreimal in Omlin seinen Meister. Als die Vaduzer längst das Diktat an sich gezogen haben, lässt der herausragende Lutfi Dalipi Flavius Daniliuc alt aussehen und legt Marcel Monsberger zum 1:0 auf (26.). Zehn Minuten später erhöht der Österreicher mit einem Kopfball sein Konto auf sechs Tore. Diesmal kommt Cissé zu spät.

Schon zur Pause muss man feststellen: Da steht ein FC Basel völlig neben der Spur. Kein Tempo, kein Biss, keine Bindung. Der Spielaufbau ist stereotyp und zusammenhanglos. Eine Viertelstunde lang nach Seitenwechsel verwaltet Vaduz seinen Vorsprung, dann schwingt sich der erst 20-jährige Dalipi, eine Leihgabe von YB, mit seinem vierten Saisontreffer und dazu neun Torvorbereitungen zum aktuellen Topskorer der Liga auf.
Omeragic stellt die Mentalitätsfrage
Reaktion des FCB in den verbleibenden 20 Minuten? Keine. Die Körpersprache der Spieler verdeutlicht, dass da eine Mannschaft, die den Namen nicht verdient, völlig neben der Spur steht. Das 0:3 markiert die erste Auswärtsniederlage der Saison und ist die vierte Niederlage in den letzten fünf Partien, mit der Basel unter den Strich fällt.

«Das ist nicht das Level, das dieses Trikot verdient hat und die mitgereisten Fans», sagt Jokanovic nach seiner missratenen Premiere. Omeragic äussert vollstes Verständnis für die Pfiffe aus dem Gästesektor, stellt fest, dass «gegen uns jeder zwei, drei Tore erzielen kann» und sagt klipp und klar, dass die Verfassung des Teams eine Frage der Mentalität sei: «Im Training geben alle Gas, aber im Spiel kommt bis jetzt nichts.»
Um Fassung bemüht ist Jokanovic. «Ich war eigentlich sehr ruhig», sagte er unmittelbar nach Spielschluss bei Blue, «ich bin erst seit ein paar Tagen hier, und es ist nicht der Moment, in der Garderobe herumzuschreien und alles kurz und klein zu hauen.» Auch dem Trainer dürfte jedoch klar geworden sein: In diesem Zustand wird für den FCB auch das Cupspiel nächsten Freitag in Nyon gegen das Schlusslicht der Challenge League zu einer veritablen Hürde.
Der Vorhang zu - und alle Fragen offen.
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