
Sechs Mal hat Roger Federer die Australian Open gewonnen (2004, 2006, 2007, 2010, 2017 und 2018), wo er vor acht Jahren auch seinen 20. und letzten Grand-Slam-Titel feiern konnte. Letztmals spielte der Baselbieter 2020 dort. Nun ist der inzwischen 44-Jährige zurück in Melbourne, wo er am Samstag im Rahmen einer Eröffungszeremonie auf dem Platz steht.
Bereits am Donnerstag sprach er mit Medien...
...über den Begriff «Happy Slam» für das Turnier, den er erfand:
Für mich fühlte es sich ganz normal an, das zu sagen, weil viele Spieler froh sind, dem europäischen Winter zu entfliehen. Das Jahr über ist es so: Okay, wir sehen uns in ein paar Tagen. In Australien kann an sich dagegen darüber austauschen, wie man Weihnachten und Neujahr verbracht hat. Es herrscht einfach eine tolle Stimmung, unglaublich positiv. Das Wetter hier ist super. Niemand ist erschöpft oder müde. Vielleicht von der Reise, aber das hält nur zwei, drei Tage an, dann ist es vorbei. Für mich ist das deshalb der Happy Slam. Der Name hat sich eingebürgert. Ich bin froh, dass es immer noch so ist.

...seine schönste Erinnerung
Vermutlich 2017 mit dem Final gegen Rafael Nadal. Es war surreal. Nach meiner halbjährigen Pause bin ich ohne grosse Erwartungen hergekommen. Ich wäre vielleicht mit dem Viertelfinale zufrieden gewesen. Und dann gewinne ich das Turnier. Ich glaube, allein die Art und Weise, wie der Final verlaufen ist, macht es vielleicht zu einem der besten und bedeutsamsten Finals meiner Karriere.
...wie er über seine Erfolge denkt.
Ich trage das nicht mein ganzes Leben lang mit mir herum. Ich gebe nicht mehr viele Interviews. Ich werde nicht mehr so oft durch das, was passiert ist und was gerade passiert, getriggert. Es ist schön, in meinen Erinnerungen zu kramen und zu sehen, wie viel ich erlebt habe. Selbst wenn ich nur die Hälfte von dem erreicht hätte, was ich erreicht habe, wäre ich genauso stolz. Ich habe weit mehr erreicht, als ich es je für möglich gehalten, oder mir erträumt hätte. Ich habe das mit der Familie genossen. Ja, das alles war wirklich ein Traum.
...über Jannik Sinner und Carlos Alcaraz
Diese Rivalität ist grossartig. Sie spielen unglaubliches Tennis. Der French-Open-Final im vergangenen Jahr war einfach phänomenal. Ich hatte das Gefühl, die ganze Sportwelt hielt für einen Moment den Atem an und blickte gebannt nach Paris. Vielleicht war das eines der grossartigsten Spiele, die unser Sport je gesehen hat. Beide sind unglaubliche Spieler. Da ist offensichtlich noch mehr drin.

...wie er gegen Sinner und Alcaraz aussehen würde
In Wimbledon spielte Grigor Dimitrov gegen Jannik. Ich sass dort im Publikum und es war eines der ersten Male, dass ich darüber nachgedacht habe, wie es gewesen wäre, gegen Jannik zu spielen. Als ich ihn in Shanghai gegen Novak Djokovic spielen sah, hatte ich nicht dieses Gefühl. Ich habe einfach grossartiges Tennis gesehen. Wenn ich Carlos sehe, merke ich, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben, was unsere Spielweise angeht: wann wir einen Stoppball spielen, wann wir ans Netz gehen und wie wir offensiv oder defensiv agieren. Ich kann mich besser in Carlos hineinversetzen, wenn ich ihm zuschaue

…darüber, wie oft er heute noch Tennis spielt
Ich schaue Tennis sehr gerne, einfach als Fan. Das war schon immer so, auch als ich noch aktiv war. Ich fand es wichtig, auch mal Fan zu sein und nicht immer nur Konkurrent. Heute bin ich entspannt. Ich bin völlig von allem abgekoppelt. Aber meine Kinder spielen immer besser und immer öfter. Ich gehe oft mit ihnen auf den Platz. Ab und zu buche ich auch einen Platz und spiele dann selbst. Es ist schwierig, dem Sport Priorität einzuräumen, wenn man vier Kinder hat und so viele andere Dinge zu tun sind. Ich habe aber das Gefühl, ich halte den Schläger ständig in der Hand. Trainiere ich selbst viel? Nein, überhaupt nicht. Ich spiele aber trotzdem ziemlich viel Tennis.»
...ob er Trainer werden will
Sag niemals nie! Ich bin aber, wie gesagt, sehr beschäftigt. Ich habe vier Kinder. Im Moment also keine Chance (lächelt).

...seine Tennisrente
Ich war bestens darauf vorbereitet. Als es dann soweit war, war es für mich vor allem eine Erleichterung, mir nicht mehr die Fragen stellen zu müssen, wann ich in aufhöre, wie ich aufhöre und wie es sich anfühlen wird. Ich muss nicht mit den Medien spielen, keine Lügen mehr erzählen. ‹Wie fühlen sie sich?› – ‹Ich fühle mich grossartig.› Oh mein Gott, ich fühle mich furchtbar. Das Leben war aber grossartig. Ich habe mich langsam an daran gewöhnt. Jetzt, nach zwei Jahren, habe ich das Gefühl, meine Zeit sehr gut im Griff zu haben. Ich geniesse die Zeit mit den Kindern und mit Mirka sehr.
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