Andrea Epp-Ellenberger beendet ihre Karriere im alpinen Ski-Weltcup mit sofortiger Wirkung. Dies gab die 32-jährige Nidwaldner Riesenslalom-Spezialistin am Sonntag bekannt.
Gänzlich unerwartet kommt diese Nachricht nicht. Denn nach dem jüngsten gesundheitlichen Rückschlag im Dezember 2024 (Bruch des Schien- und Wadenbeins im rechten Unterschenkel) in Kombination mit dem Verlust des Kaderstatus bei Swiss Ski am Ende des Winters 2023/24 lagen die Indizien für diesen möglichen Schritt auf der Hand. Andrea Epp-Ellenberger aber zeichnet sich durch Zielstrebigkeit und ihr grosses Kämpferherz aus. Deshalb wollte sie, als im Spätsommer 2025 festgestanden hatte, dass das Metall (Marknagel, Platten) zur Stabilisierung der Knochen im rechten Bein vorerst verbleiben wird und sie deshalb in der Saison 2025/26 keine Skirennen bestreiten kann, keine voreilige Entscheidung treffen.
Jetzt aber ist es so weit: die Hergiswilerin hat entschieden, dass zu den 53 Weltcup- und 52 Europacup-Rennen, einer WM-Goldmedaille, einer Olympia-Teilnahme und zwei WM-Teilnahmen keine weiteren Einträge in den Leistungsausweis als Skirennfahrerin kommen werden. Rational habe sie nach der jüngsten Verletzung und dem (unerwarteten) Ergebnis einer medizinischen Untersuchung, dass im linken Knie das Kreuzband gerissen und der Meniskus beschädigt sind, den Gedanken an einen Rücktritt schnell zulassen können, schreibt Ellenberger in einer Mitteilung. «Doch mein Sportlerinnenherz brauchte länger, um ihn mitzutragen. Ich habe mir Zeit genommen, um diesen Entscheid nicht aus Enttäuschung oder Schmerz, sondern aus innerer Klarheit zu treffen. Heute weiss ich: es ist der richtige Moment, meine Karriere als Skirennfahrerin zu beenden.»
Skifahren sei stets mehr als einfach ein Beruf für sie gewesen. «Sportlerin zu sein, war ein grosses Privileg. Es schmerzt, meine Laufbahn verletzungsbedingt abschliessen zu müssen», hält Andrea Ellenberger fest. «Gleichzeitig blicke ich mit Dankbarkeit und Demut zurück. Ich durfte vieles erreichen, wovon die kleine Andrea vor zwanzig Jahren geträumt hat.» Unter anderem die WM-Goldmedaille beim Team-Event in Are und die Tatsache, dass sie trotz gesundheitlicher Rückschläge während fünf Jahren zu den besten 30 Riesenslalom-Fahrerinnen der Welt gezählt hat.
Vor kurzer Zeit hat Andrea Ellenberger ihr Masterstudium in Psychologie abgeschlossen. Derzeit absolviert sie ein weiterführendes Studium mit der Spezialisierung auf Sportpsychologie. Dazu arbeitet sie als Heilpädagogin an der Primarschule in Hergiswil. «Jetzt, mit 32 Jahren, öffnet sich ein neues Kapitel. Mit Ungewissheit, aber auch mit Zuversicht und Vorfreude. Vielleicht beginnt damit eine Reise, die genauso erfüllend wird wie die vergangenen zwanzig Jahre im Skirennsport.» Andrea Epp-Ellenberger, der «Chrampfcheib» (in Anlehnung an ihren Kopfsponsor), sagt nun also wirklich tschüss.


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