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Drohung

Zwischenfall mit Waffe bei Kurdistan-Demo in Zürich: Strafverfahren gegen 60-jährigen Schweizer eröffnet

Am Rande einer Kundgebung für die kurdische Autonomieverwaltung «Rojava» drohte ein Mann in Zürich mit einer Waffe. Nun gibt die Justiz erste Details zum Fall bekannt.
Demonstranten auf dem Helvetiaplatz in Zürich schwenken kurdische Fahnen (Samstag, 24. Januar).
Bild: Keystone

Rund 25'000 Personen zogen laut Veranstaltern am vorletzten Samstag bei einer unbewilligten, aber friedlichen Spontandemo durch die Zürcher Innenstadt. Sie protestierten gegen die Angriffe der syrischen Übergangsregierung und ihrer Verbündeten auf das kurdische Selbstverwaltungsgebiet in Nord- und Ostsyrien, auch als Rojava bekannt.

Nach dem Ende der Schlusskundgebung auf dem Helvetiaplatz kam es jedoch in der Nähe zu einem Zwischenfall. Bei der Stadtpolizei Zürich war die Meldung eingegangen, dass ein Mann einen anderen Mann mit einer Faustfeuerwaffe bedroht habe und anschliessend in eine Liegenschaft geflüchtet sei. Rasch ausgerückte Einsatzkräfte konnten den Tatverdächtigen ausfindig machen und kontrollieren. Die Stadtpolizei kündigte weitere Ermittlungen zum Tathergang an.

Diese haben nun erste Erkenntnisse ergeben. Wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich auf Anfrage mitteilt, ist gegen einen 60-jährigen Schweizer ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Schreckung der Bevölkerung sowie wegen des Vergehens gegen das Waffengesetz eröffnet worden. Die genaue rechtliche Qualifikation des Delikts sei Gegenstand weiterer Untersuchungen. Wie die Staatsanwaltschaft präzisiert, handelte es sich bei der verwendeten Waffe nicht um eine Faustfeuerwaffe, sondern um eine Luftdruckpistole. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

«Keine Hinweise auf politischen Hintergrund»

In der Vergangenheit kam es in der Schweiz mehrmals zu Konflikten zwischen Kurden und türkischen Nationalisten. So hält der Nachrichtendienst des Bundes in seinem jüngsten Lagebericht fest, dass es auch hierzulande «gewaltsame Zusammenstösse zwischen PKK-Anhängerschaft und türkischen Nationalisten und Nationalistinnen beziehungsweise Anhängern und Anhängerinnen des türkischen Staatspräsidenten» gebe. Nach dem aktuellen Ermittlungsstand gibt es beim Vorfall vom vorletzten Samstag in Zürich laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund.

Dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan ist die ab 2012 im Kontext des syrischen Bürgerkriegs entstandene kurdische Selbstverwaltung schon lange ein Dorn im Auge. Er betrachtet sie als verlängerten Arm der als Terrororganisation verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die türkische Luftwaffe unterstützte die jüngste Offensive der syrischen Übergangsregierung gegen die kurdische Selbstverwaltung. Diese stimmte letzte Woche unter dem Druck der Angriffe einer weitgehenden Eingliederung in den syrischen Zentralstaat zu.

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