Bei Skandalen ist derjenige, der mittendrin steckt, oft der Letzte, der realisiert: Es ist vorbei. So verhielt es sich auch bei Børge Brende, dem Chef des Weltwirtschaftsforums. Anfang Februar wurden seine Kontakte mit Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt. Da war klar, dass ein Rücktritt unvermeidbar sein würde. Noch am vergangenen Freitag, als CH Media mit ihm telefonierte, sah er keinen Grund, zurückzutreten.

Brende stellte sich auf den Standpunkt, er habe nur «wenige Kontakte» mit Epstein gehabt – obwohl ihm unsere Redaktion darlegte, dass über 100 Nachrichten ausgetauscht worden waren. Nach der Publikation in der «Schweiz am Wochenende» wurde der Druck aus dem Stiftungsrat zu gross. Das Lenkungsgremium des WEF ist mit honorablen Persönlichkeiten besetzt. Sie wollten sich nicht vorwerfen lassen, einen CEO von zweifelhafter Integrität zu decken. Diese Dynamik war ebenso absehbar wie nun die Art der Kommunikation: Dass man so tut, als wäre Brende freiwillig abgetreten.

Der Sturz des Norwegers, der kurzzeitig vom Putsch gegen WEF-Gründer Klaus Schwab profitiert hat, führt zu einer bemerkenswerten Premiere: Ein Schweizer übernimmt interimistisch den CEO-Posten. Alois Zwinggi und Schwab waren über 15 Jahre ein eingespieltes Duo. Der Luzerner gilt als starker Verfechter eines «Schweizer WEF». Andere hohe WEF-Vertreter flirteten noch im letzten Monat mit anderen Standorten als Davos, in Amerika oder Asien. Jetzt ist diese Diskussion beendet.




