
Dutzende von Nachrichten und SMS zeigen: Børge Brende, der Chef des Davoser Weltwirtschaftsforums (WEF), steckte tiefer im Epstein-Sumpf als bisher bekannt. Das WEF leitete daraufhin eine Untersuchung ein. Diese von einer externen Anwaltskanzlei durchgeführte Prüfung sei abgeschlossen, heisst es beim WEF. «Die Ergebnisse halten fest, dass es über die bereits zuvor offengelegten Sachverhalte hinaus keine weiteren Bedenken gibt.»
Doch das hat Brende nichts genutzt, sein Ruf war zu stark angeschlagen. Nun tritt er zurück.
Er habe sich «nach sorgfältiger Überlegung» zu diesem Schritt entschieden, lässt Brende ausrichten. «Meine Zeit hier, die sich über achteinhalb Jahre erstreckt, war ausserordentlich bereichernd.» Die beiden WEF-Präsidenten, der Roche-Vize André Hoffmann und der Blackrock-Lenker Larry Fink, sprechen Brende «ihren aufrichtigen Dank für seine bedeutenden Beiträge zum Weltwirtschaftsforum» aus.
Über 100 Nachrichten mit Epstein dokumentiert
Brendes Position war unhaltbar geworden. Noch im November 2025 sagte er gegenüber der norwegischen Zeitung «Aftenposten»: «Ich hatte nichts mit Jeffrey Epstein zu tun». Dann kam heraus, dass er den verurteilten Sexualstraftäter mehrmals zum Essen getroffen hatte – worauf er die drei Abendessen zugab sowie den Austausch «einiger E-Mails und SMS-Nachrichten». Und er beteuerte: Er habe nichts gewusst «über Epsteins Vergangenheit und seine kriminellen Aktivitäten». Hätte er «von seinem Hintergrund» gewusst, hätte er die Einladungen sowie die anderen Kontakte abgelehnt. Nun stellt sich heraus: Es waren nicht «einige» Mails und SMS. In den jüngst veröffentlichten Epstein-Files sind über 100 Nachrichten dokumentiert.
So versuchten sich die beiden Männer zu treffen. Immer wieder schrieben sie sich Mails und SMS darüber, wo sie sich gerade befanden. «I'm in London, Geneva, Trondheim and Helsinki». «Best regards from Moscow and Riyadh.» Später klappte es dann endlich mal wieder – in New York.

17 Tage vor Epsteins Verhaftung vom 6. Juli 2019 nahm der SMS-Verkehr ein letztes Mal Tempo auf – und hier könnte die politisch brisanteste Äusserung liegen. Vermehrt schickten sich Brende und Epstein auch Bilder zu. So auch eines von Sara Netanyahu, der Frau von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu. Es ist in den Unterlagen des Justizministeriums geschwärzt, offenbar handelt es sich um ein unvorteilhaftes Foto.
Epstein stellte das Foto in den Chat und bezeichnete Sara Netanyahu als «Miss Piggy», eine abwertende Anspielung auf die Schweinchen-Figur aus der Muppet-Show. Brende fand das Foto «hilarious» – «sehr lustig».

Brende hatte nach der jüngsten Veröffentlichung der Files zu seiner Verteidigung betont, dass er den WEF-Gründer Klaus Schwab 2019 nach Epsteins Verhaftung über die Treffen informiert habe. Dem wiederum widersprach Schwab. «Ich erkläre erneut, klar und unmissverständlich, dass ich zu keinem Zeitpunkt – weder formell noch informell – informiert wurde», hielt er in einem Brief an Brende fest, der CH Media vorliegt. «Ebenso erkläre ich unmissverständlich, dass ich in keiner Form und zu keinem Zeitpunkt Unterstützung geleistet habe, nachdem die Angelegenheit bekannt geworden war.»
Ad interim übernimmt nun der langjährige WEF-Mitarbeiter Alois Zwinggi Brendes Posten, wie die Organisation am Donnerstag mitteilt. Gleichzeitig will das Forum ein «ordnungsgemässes Verfahren» starten, um die Nachfolge dauerhaft zu klären.




