Er hatte ein Nazi-Tattoo. Er war untreu. Er sagte im Internet unter seinem Code-Namen «P-Hustle» abscheuliche Dinge über seine Mitmenschen. Alles egal. Die Demokraten im US-Bundesstaat Maine haben am Dienstag den 41 Jahre alten Graham Platner zu ihrem Kandidaten für die nächste Senatswahl nominiert. Der politische Quereinsteiger, über dessen chaotisches Privatleben die amerikanischen Medien seit Wochen atemlos berichten, gewann rund 72 Prozent der Stimmen.
Platner verschwendete in der Wahlnacht keine Sekunde und ging zum Angriff über. Er kritisierte seine Kontrahentin, die seit fast 30 Jahren amtierende Senatorin Susan Collins, in scharfen Worten. Die Republikanerin behaupte, sie sei eine Mitte-Politikerin, sagte Platner. Das stimme aber nicht, teile sie doch in 95 Prozent der Fälle die Meinung von Donald Trump. So unterstütze Collins die abenteuerliche Aussenpolitik des Präsidenten.
Im Gegensatz zur Senatorin sei er kein Berufspolitiker, sagte Platner weiter. Er stehe vielmehr an der Spitze einer Bewegung von Menschen, «die viel zu hart arbeiten müssen und dennoch ständig kämpfen».
2003 meldete sich Platner zum Kriegsdienst
Das sind kämpferische Töne, die unter linken Wählerinnen und Wählern gut ankommen. Und auf dem Papier stehen die Chancen für einen authentischen Populisten, im November die Senatswahl in Maine zu gewinnen, nicht schlecht. Der Ostküstenstaat, in dem viele Amerikaner ihre Ferien verbringen, ist eine Hochburg der Demokraten. Und die nun 73 Jahre alte Susan Collins steht schon lange auf der politischen Abschussliste der Partei.
Aber Platner ist dennoch eine hochriskante Wahl. Denn erstens verfügt der ehemalige Berufsmilitär und Austernzüchter über keinerlei politische Erfahrung. Er kam aus dem Nichts, als er im Spätsommer 2025 seine Senatskandidatur verkündete. Und zweitens ist da eben sein Privatleben.
Die kurze Version dieser unappetitlichen Geschichte. Platner, der in stabilen Verhältnissen aufwuchs, meldete sich 2003 freiwillig zum Kriegsdienst. Unter den Präsidenten George W. Bush und Barack Obama diente er insgesamt acht Jahre lang in der Marineinfanterie und der Maryland Army National Guard. Dreimal kam er im Irak zum Einsatz, einmal in Afghanistan. Später heuerte er bei einer privaten Sicherheitsfirma an und leistete erneut Dienst im Kriegsgebiet.
Er nannte sein Tattoo «My Totenkopf»
Diese Zeit prägte Platner ungemein. Er trank zu viel Alkohol, war psychisch krank, behandelte seine zahlreichen Freundinnen mit Verachtung und nahm online kein Blatt vor den Mund.
Aus dieser Zeit stammt auch eine Tätowierung auf seiner rechten Brust. Sie erinnert an den Totenkopf der gleichnamigen SS-Division im «Dritten Reich». Platner sagt, das Tattoo habe er sich 2007 stechen lassen, während eines Aufenthalts in Kroatien. Er sei betrunken gewesen, und sich der Bedeutung von Nazi-Symbolen nicht bewusst gewesen.
Eine ehemalige Freundin allerdings widersprach in den vergangenen Tagen und wies im Gespräch mit der «New York Times» darauf hin, dass Platner die Tätowierung in den Jahren 2013 bis 2015 «My Totenkopf» genannt habe – als existiere kein englisches Wort für Totenschädel. Als die Tätowierung im Herbst 2025 zum Thema wurde, liess Platner sie überdecken.
Am Dienstag, in seiner Siegesrede, sagte Platner einmal mehr: Er habe in der Vergangenheit viele Fehler gemacht. Er versuche nun, sich jeden Tag etwas zu bessern.
Entschuldigen für sein früheres Fehlverhalten, das mochte sich der Senatskandidat aber nicht. Seine zahlreichen Fans können damit leben. Sie verweisen darauf, dass auch Trump nie «Sorry» sagt, wenn er einen Fehler macht. Und Trump hat es ja zum Präsidenten gebracht.



