Ukraine-Krieg

Selenski trifft Trump in New York: Speed-Dating gespickt mit Hürden

Am Rande der UNO-Vollversammlung sprachen die ukrainische und die US-Delegation über neue Ansätze im Friedensprozess.

Das Verhältnis von Wolodimir Selenski zu Donald Trump ist eines konstanter Schadensbegrenzung: Die Sympathie des US-Präsidenten liegt ohne Zweifel näher beim Autokraten im Kreml als beim ukrainischen Präsidenten.

Bräuchte es dazu eines weiteren Belegs, wirkte Trumps jüngste öffentliche Mitteilung entlarvend: Auf Truth Social beklagte sich der Republikaner, dass Russland «leider» die Kontrolle über seine Dieselproduktion verloren habe. Dagegen gab er der Ukraine die Schuld an den hohen Energiepreisen.

Also muss Selenski in den raren Treffen mit dem US-Präsidenten jeweils wieder geradebiegen, was eine Mehrheit der Amerikaner und selbst viele von Trumps Parteigenossen anerkennen: Selenski würde lieber heute als morgen den Krieg und die verheerenden Luftangriffe gegen sein Land beenden, wenn der Kreml-Herrscher nicht jeglichen Verhandlungsansatz mit seinen Maximalforderungen für einen russischen Siegfrieden sabotierte.

Die Leitlinie von Selenskis diesjähriger UNO-Reisemission nach New York ist daher gegeben. Bei den geneigten europäischen Verbündeten geht es um Vereinbarungen für mehr Luftabwehrsysteme vor der anstehenden russischen Winter-Bombenoffensive gegen die ukrainische Grundversorgung.

Einen ersten Schritt bewerkstelligte Selenski im Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron in der Nacht auf Dienstag: Eine neue Lieferung französischer SAMP/T-Luftabwehrsysteme und Raketen, finanziert durch den bestehenden EU-Kredit, sei in Vorbereitung, schrieb Selenski anschliessend auf X. Zudem suche man weiterhin Partner für die inländische Produktion eines Patriot-Ersatzes, des ukrainischen Freya-Programms.

Macron berichtete seinerseits nach einem Vorbereitungstreffen mit Donald Trump von «gebündelten Kräften, um ein Moratorium für Angriffe auf die Energieinfrastruktur und auf zivile Infrastrukturen in der Ukraine zu erreichen».

Folglich drehte sich Selenskis Gespräch mit dem US-Präsidenten am Dienstagabend Schweizer Zeit vor allem um das Ausloten neuer Ansätze für den Verhandlungsprozess – und eben darum, den ukrainischen Standpunkten Nachdruck zu verleihen.

Sein Land sei zu «ernsthaften Schritten» bereit, um mit Russland einen «Deeskalations-Deal» abzuschliessen, schrieb Selenski vorgängig zum Treffen mit Trump. Nach der Verabschiedung des neuen US-Sanktionspakets gegen Russland bestehe jetzt ein «diplomatisches Momentum».

Wie weit die beiden Staatschefs bei ihrem New Yorker «Speed-Date» am UNO-Sitz tatsächlich vorankamen, liess sich aufgrund der einleitenden formelhaften Statements vor dem Treffen nicht bewerten. Trump hatte den Ukraine-Friedensprozess in seiner UNO-Grundsatzrede zuvor nur kurz erwähnt. Danach traf er zuerst die dänische Delegation, dann den britischen Premier und die japanische Premierministerin, ehe er verspätet mit Selenski und der ukrainischen Delegation zusammensass.

Der Frage nach einem möglichen Dreier-Gipfel mit Putin am G20-Treffen in Miami wich Trump gegenüber den Reportern aus. Ebenso der möglichen US-Freigabe für die Patriot-Lizenzherstellung in der Ukraine. Dafür mahnte er gegenüber Selenski erneut die «ernsthaften Schläge» der Ukraine «gegen den Diesel-Preis» an. Darüber werde man noch reden. Der «schädliche» Krieg, so der US-Präsident, müsse aufhören. Die Frage wie, blieb zunächst offen.

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