Schweiz Tourismus hat den gesetzlichen Auftrag, Gäste ins Land zu locken. Aufgrund der Wachstumsskepsis in der Bevölkerung – Stichwort Overtourism – ist dieser Auftrag aber zunehmend umstritten. Schweiz Tourismus hat die Strategie und die Kommunikation deshalb angepasst. Anfang 2024 verkündete die Marketing- und Verkaufsorganisation, dass neu die geografische und zeitliche Verteilung der Besuchermassen im Vordergrund stehen soll.
Das Ziel: eine Entlastung der touristischen Hotspots. In der Leistungsvereinbarung mit dem Bund wird verlangt, dass kleinere und mittlere Destinationen gegenüber den 50 grössten Destinationen Marktanteile gewinnen oder zumindest halten. Dieses Ziel wurde bisher klar verfehlt. Eine Analyse der «NZZ am Sonntag» zeigt: In der Logiernächte-Statistik sind keine Hinweise auf eine bessere Verteilung erkennbar – weder räumlich noch zeitlich.
Im Gegenteil: Seit der Einführung der neuen Strategie haben die Grossen ihren Vorsprung gar weiter ausgebaut. Sie steigerten die Übernachtungen gegenüber 2023 um 1,7 Millionen Logiernächte, ein Plus von über 6 Prozent. Die rund 130 kleineren Destinationen verzeichneten dagegen weniger als 2 Prozent Wachstum. Schweiz Tourismus räumt ein, dass sich die Besucherströme bisher nicht verlagert haben. Die Organisation ist jedoch der Meinung, dass es noch zu früh sei für eine Bilanz.
Nach Todesfall: Erstes Schweizer Spital gibt Eltern mehr Macht, wenn sie sich von Ärzten nicht ernst genommen fühlen
Das Zentralschweizer Kinderspital in Luzern führt als erste Schweizer Klinik die sogenannte «Martha’s Rule» aus England ein, wie es auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» bekanntgibt. Die Regel ermöglicht es Eltern, eine ärztliche Entscheidung zu übersteuern, wenn sie sich vom medizinischen Personal abgewimmelt oder ignoriert fühlen. Mit diesem Modell bricht das Spital mit den starren Hierarchien der Medizin.
Auslöser für den Schritt war der tragische Tod eines einjährigen Buben im vergangenen Jahr. Die Mutter warf dem Innerschweizer Spital vor, sie sei als hysterisch abgestempelt und nach Hause geschickt worden, weshalb jede Hilfe für ihren Sohn zu spät gekommen sei. Wie Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen, handelt es sich dabei nicht um ein Einzelphänomen: Die Schweizerische Patientenorganisation erhält pro Jahr Hunderte von Anrufen von Patienten und Angehörigen, die davon erzählen, dass ihre Sorgen von medizinischem Personal nicht gehört würden – teils mit fatalen Folgen.
Nationalrätin erzählt ihre Geschichte mit häuslicher Gewalt
Häusliche Gewalt kommt gemäss offiziellen Statistiken so häufig vor, dass wir eigentlich alle Personen kennen müssten, die Gewalt erlebt haben – und auch solche, die zuschlagen. Dennoch wird das Thema häufig kleingeredet und verdrängt. Die Aargauer Mitte-Nationalrätin Maya Bally möchte das ändern. Sie hat sich entschieden, öffentlich darüber zu reden, was ihr als junge Frau widerfahren ist.
Wie sie der SonntagsZeitung im Interview sagt, war sie 20 Jahre alt, als sie sich in einen Mann verliebte, der sie schlug. Und der es nicht akzeptieren konnte, als sie ihn verliess und darauf begann, sie zu stalken. Das alles ist über 40 Jahre her, die Erschütterungen seien über die Jahre schwächer geworden und heute überwunden, sagt Maya Bally. «Aber sowas geht einem sehr lange sehr nah.» Trotz ihres liebevollen Umfelds konnte sie zuerst nicht über das Erlebte sprechen. «Auch ich habe aus Scham gelogen», sagt die Politikerin.
Und obwohl die Menschen um sie herum nicht glaubten, dass ihre Verletzungen von einem Sturz über die eigene Katze stammten, wie Bally es behauptete, trauten sie sich nicht, sie darauf anzusprechen. «Dabei wäre das eigentlich etwas sehr Wichtiges, um die Scham zu durchbrechen», sagt die Nationalrätin heute. Das ist ein Grund dafür, dass Maya Bally jetzt den Schritt in die Öffentlichkeit wagt. Sie möchte Mut machen: «Einerseits den Betroffenen, sich an jemanden zu wenden, aber auch an Menschen im Umfeld, Personen direkt anzusprechen und sie zu ermutigen, Hilfe zu holen.»
Zollstreit: Parlamentarier wollen Parmelin stoppen
Bundespräsident Guy Parmelin steht in der Kritik, weil er bei seinem Besuch in Washington im Zollstreit keinerlei Zugeständnisse abringen konnte und gleichzeitig den USA einseitig entgegenkommen will. «Ich stelle fest, dass die Messlatte bei Karin Keller-Sutter vor einem Jahr deutlich höher angesetzt wurde», sagt FDP-Ständerat Damian Müller in der SonntagsZeitung. Seine Parteikollegin wurde damals, nach einem missratenen Telefonat mit Donald Trump, persönlich für den Strafzoll von 39 Prozent verantwortlich gemacht.
SP-Ständerätin Franziska Roth will nun dafür sorgen, dass die geplanten Lockerungen bei der Zulassung amerikanischer Autos und Medizinprodukte den zuständigen Kommissionen zur Konsultation vorgelegt werden. Dazu hat sie einen Antrag eingereicht. Der Bundesrat hingegen plant, die Änderungen auf dem Verordnungsweg ohne Mitsprache des Parlaments durchzudrücken. «Das geht gar nicht», sagt auch Mitte-Ständerat Pirmin Bischof. Widerstand gibt es auch von den Autoimporteuren: Die Branche warnt vor Sicherheitsrisiken, wenn US-Autos erleichtert zugelassen werden.
Das Freikirchen-Netzwerk hinter Nati-Star Rubén Vargas
Strenggläubige Gruppen nutzen die WM für evangelikale Missionierungskampagnen. Dazu gehört laut SonntagsBlick auch Nati-Stürmer Rubén Vargas, der in Zürich jeweils Predigten der Freikirche ICF besucht. Laut der Zeitung sind manche der christlichen Jubelszenen und der Gebetskreise auf dem WM-Rasen von freikirchlichen Spielernetzwerken geplant worden. Evangelikale Gruppen wie Fussball mit Vision hätten gezielt Kampagnen gestartet, um ihre Botschaften vor einem Millionenpublikum zu platzieren.
Die in Deutschland gegründete Vereinigung von aktiven und ehemaligen Profikickern will den Fussball zur Bühne für ihren Glauben machen. Kurz vor der WM 2026 ging das Netzwerk mit einer Kampagne in die Offensive: «Jesus my Goal», Jesus mein Ziel. Fussballspieler sollen mit ihrem Jubel ihren Glauben in die Welt tragen. Als prominente Köpfe der Aktion treten Rubén Vargas und der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha auf. In einem Video erklären sie: «Stell dir vor, du triffst, aber dein Jubel ist ganz anders! Wir wollen diesen Jubel auf den Fussballplatz bringen.»
Dafür haben die Fussballer eine eigene Jubelgeste aus vier Handzeichen kreiert. Das wachsende Netzwerk ist auch neben dem Platz aktiv. Es sucht gezielt Kontakt zu jungen Menschen in Schulen, Kirchen und Sportvereinen. Über einen Shop verkauft Fussball mit Vision Sportkleider mit dem Logo von «Jesus my Goal». Als Model posiert laut SonntagsBlick auch Nati-Star Vargas.
Medienminister Albert Rösti gegen Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche
Medienminister Albert Rösti spricht sich gegen ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche aus. «Verbote finde ich schwierig – junge Menschen finden Wege, Verbote zu umgehen. Ausserdem sollen sie einen kritischen Umgang mit Social Media lernen. Aber es kann nicht sein, dass Teenager plötzlich nackte Deepfakes über sich selbst im Netz finden oder gestalkt werden. Wir überlegen, was die richtigen Instrumente sind», sagt Rösti im SonntagsBlick-Interview.
«Wir sind mitten in der Auswertung der Vernehmlassung. Wir haben ein relativ schlankes Gesetz präsentiert – entsprechend umstritten ist es zwischen jenen, die gar nichts verschärfen wollen, und jenen, die alles regeln möchten. Wichtig ist, dass Plattformen eine Ansprechperson haben, an die man sich wenden kann. Es kann nicht sein, dass ein Account gesperrt wird, und man nicht weiss, wie man sich dagegen wehren kann. Und wir werden den Jugendschutz höher gewichten.»






