
Der «Man of the Match» beim Schweiz-Spiel in Vancouver sass im Publikum: Guy Parmelin. Der Bundespräsident begrüsste nicht nur die Mannschaft am Spielfeldrand vor der Partie gegen Algerien, er flankte via Dächlimütze auch noch eine Botschaft an die Welt (und vor allem ihren selbsterklärten Anführer aus den USA): «Switzerland great since 1291» war weiss auf MAGA-Rot gestickt.
Die Schweiz muss gar nicht great «again» werden, sie ist es schon seit 1291, seit dem Rütlischwur (vielleicht) und dem Bundesbrief (sicher). Dann haben Uri, Schwyz und Unterwalden «im Hinblick auf die Arglist der Zeit zu ihrem besseren Schutz und zu ihrer Erhaltung einander Beistand, Rat und Förderung mit Leib und Gut innerhalb ihrer Täler und ausserhalb nach ihrem ganzen Vermögen zugesagt gegen alle und jeden, die ihnen oder jemand aus ihnen Gewalt oder Unrecht an Leib oder Gut antun».
Ein Satz, der sowohl als Reaktion auf die trumpschen Zollfantasien als auch zur Fussball-WM passt. Wir passen aufeinander auf und wir passen zueinander - idealerweise im Doppelpass. Ein einig Volk von Weltmeisterinnen und Weltmeistern. Vielleicht.
Kontinuität statt ständiges Gegeneinander
Vielleicht ist genau dieses«since 1291» auf Parmelins Mütze, was die Schweiz im Innersten auszeichnet. Es steht für Kontinuität, für Beharrlichkeit, fürs Dranbleiben und Dranglauben. Und es steht auch für ein Miteinander. Das «Great again» hingegen zielt aufs Gegeneinander. Das «great» der einen ist nicht zwangsläufig das «great» der anderen. Irgendwer verliert da immer.
Und jenen, die gewinnen, ist es wichtig, zu betonen, dass sie gewonnen haben. Das eigene «great» leitet sich auch daher ab, dass der andere eben nicht mehr «great» ist. Die Schweiz ist anders. Einiger. Das mag zuweilen etwas bieder wirken, ist aber am Ende ziemlich grossartig.

Vielleicht war das Käppi aber auch nur Tarnung und Ablenkungsmanöver. Das Spiel verfolgte Parmelin dann nämlich neben Fifa-Präsident Gianni Infantino in der Loge. Dem Sonnenkönig der Sonnenkönige. Da hat Parmelin die Kappe abgelegt. Vielleicht, weil neben so viel Grössenwahnsinn Bescheidenheit immer wie Schrumpfsucht wirkt.
Algerien wurde besiegt. Zwei zu Null. Embolo und Dan Ndoye haben getroffen. Aber gewonnen hat die Nati vor allem dank starker Teamleistung. Oder wie es im Bundesbrief heisst: «Und auf jeden Fall hat jede Gemeinde der andern Beistand auf eigene Kosten zur Abwehr und Vergeltung von böswilligem Angriff und Unrecht eidlich gelobt in Erneuerung des alten, eidlich bekräftigten Bundes.»
Wie gesagt: «Great since 1291».

