
Vier grosse Telekommunikationsanbieter wollen an einem Strang ziehen. Die Deutsche Telekom, der britische Anbieter Vodafone, Telefónica aus Spanien und Orange aus Frankreich geben bekannt, dass sie sich gemeinsam um Funkfrequenzen bewerben wollen, die Mobilfunk-Verbindungen über den Weltraum ermöglichen. Eine entsprechende Absichtserklärung habe man unterschrieben. Es geht um Frequenzen, die wohl 2029 frei werden und bislang etwa für Internetverbindungen im Flugzeug genutzt werden.
Die EU-Kommission hatte im Sommer bekannt gegeben, künftig nichteuropäische Anbieter von Satelliten-Mobilfunkdiensten von Teilen des 2-Gigahertz-Frequenzbandes ausschliessen zu wollen. Der Frequenzbereich soll gedrittelt werden: Ein Drittel wird der Empfehlung zufolge für die staatliche Nutzung reserviert, etwa für kritische Kommunikation, Sicherheit und Militär – betrieben von einer EU-Firma.
Die zwei anderen Drittel sollen für die kommerzielle Nutzung freigegeben werden, also für Smartphones, Fitness-Tracker und andere Devices (Direct-to-Device). Eins der Drittel soll an EU-Anbieter vergeben werden – dieses Drittel nehmen nun die Telekom & Co. in den Fokus – und das andere Drittel an EU-Betreiber und Betreiber ausserhalb der EU.
Das wird jedoch nicht gerne gesehen von der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Vergangene Woche folgte eine harsche Reaktion. Zur «Financial Times» sagte der US-Botschafter bei der EU, europäischen Unternehmen würden «verheerende» Vergeltungsmassnahmen drohen, sollte die EU ihren Vorschlag nicht abändern. Laut dem Botschafter benachteiligt der EU-Vorschlag amerikanische Unternehmen wie den Internetdienst Starlink von Elon Musk.
Wie die «Financial Times» weiter berichtete, warnte Starlink selbst, das europäische Vorgehen könne zu einer Verschlechterung der Konnektivität in der Ukraine führen. Dort ist Starlink zu einer Grundlage für die militärische Kommunikation geworden. Starlink geriet in dieser Rolle kürzlich auch in politische Kontroversen hinein.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski warf dem Unternehmen vor, seine Dienste absichtlich über der Ukraine gedrosselt zu haben. Damit habe es die ukrainische Verteidigung gegenüber dem russischen Angriffskrieg geschwächt.
Funklöcher sollen geschlossen werden
Fern solcher geopolitischer Konflikte könnten europäischen Handykunden durch das gemeinsame Vorgehen der europäischen Telekombranche bald Direct-to-Device-Dienste (D2D) angeboten werden. Das Smartphone wird also da, wo bislang kein Handynetz ist, direkt mit Satelliten im Weltraum verbunden. Die meisten Smartphones haben diese D2D-Funktion bislang nicht integriert, in den kommenden Jahren dürfte sie aber im Massenmarkt ankommen.
Es geht um Funklöcher - also um Gegenden, wo Stand jetzt nicht mal das veraltete 2G-Netz verfügbar ist. Bei der Deutschen Telekom waren das im Juni laut Bundesnetzagentur 1,2 Prozent der Fläche Deutschlands. Auch auf Reisen im europäischen Ausland landen Handynutzer immer mal wieder in Funklöchern. In der Schweiz arbeitet der Telekom-Anbieter Salt bereits mit Starlink an der Lancierung eines solchen Services.
In solchen Gegenden sollen die Handynutzer künftig mit Satelliten im Weltraum verbunden werden. Bekommt man mit seinem Handy keine Verbindung zum nächstgelegenen Funkmasten, so switcht das Gerät um und stellt eine Verbindung mit dem Internet über einen Weltraum-Satelliten her. (dpa/nav)


