
Donald Trump läuft die Zeit davon. In drei Wochen wählen Amerikanerinnen und Amerikaner das Parlament neu. Noch kontrollieren seine Republikaner sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus. Das könnte sich bald ändern. Den Demokraten werden gute Chancen zugeschrieben, beide Kammern des Kongresses zurückzugewinnen.
Um das zu verhindern, zieht der Präsident kurz vor den Wahlen noch einmal alle Register. Hausdurchsuchungen, neue Wahlkreisgrenzen, Millionen für Werbespots und sogar Geldversprechen an die Wähler: Mit diesen fünf Taktiken versucht Trump, die «Midterms» doch noch zu seinen Gunsten zu drehen.
Einschüchterung
Am Montag wurde das Haus der demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar durchsucht. Gegenüber der «Washington Post» bestätigte ein Regierungsvertreter, dies sei im Rahmen von Ermittlungen wegen eines möglichen strafbaren Einwanderungsbetrugs passiert. Ihr wird angeblich vorgeworfen, bei ihrer Einwanderung in die USA falsche Angaben gemacht und damit möglicherweise Einwanderungsbetrug begangen zu haben – Beweise dafür wurden bislang nicht vorgelegt. Omar floh als Kind mit ihrer Familie aus Somalia und kam mit zwölf Jahren in die USA. Im Jahr 2000 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Die Abgeordnete sieht hinter der Aktion politische Motive. «Machen wir uns nichts vor: Hier wird versucht, politische Gegner ins Visier zu nehmen und die Bundesstrafverfolgungsbehörden als Waffe einzusetzen», schrieb sie auf X. Omar gehört zum linken Flügel der Demokraten und ist seit Jahren eine der schärfsten Kritikerinnen Trumps. Auch wegen ihrer israelkritischen Äusserungen, die ihr Antisemitismusvorwürfe einbrachten, ist sie umstritten. 2023 wurde sie deshalb aus dem Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses ausgeschlossen.
Brisant ist vor allem der Zeitpunkt. Die 60 Tage vor einer Wahl gelten im US-Justizministerium traditionell als «Blackout»-Phase. Hausdurchsuchungen, Anklagen und andere öffentlich wahrnehmbare Schritte in politisch heiklen Verfahren werden dann in der Regel vermieden, damit sie den Wahlausgang nicht beeinflussen. Rechtlich bindend ist diese Praxis allerdings nicht.
Trump, der Omar schon mehrfach als «schreckliche Person» bezeichnet hat, versicherte Anfang Woche: «Ich habe damit nichts zu tun.» Die Durchsuchung der Ermittlungsabteilung des Sicherheitsministeriums sei «Sache des Justizministeriums». An dessen Spitze steht mit Todd Blanche ausgerechnet Trumps ehemaliger persönlicher Anwalt.
Neue Wahlkreise
Den Kampf um die Mehrheit begann Trump nicht erst in den letzten Wochen. Bereits 2025 drängte er republikanisch regierte Bundesstaaten dazu, ihre Kongresswahlkreise neu zu ziehen. Eigentlich geschieht das regulär nur alle zehn Jahre nach der Volkszählung. Die letzte fand 2020 statt.
Dennoch wurden unter anderem in Texas, Alabama und Tennessee die Grenzen verändert. Das Ziel: möglichst viele Wahlkreise schaffen, in denen Republikaner gute Chancen auf einen Sieg haben. Demokratisch regierte Staaten reagierten. Kalifornien zog seinerseits neue Grenzen, die den Demokraten zusätzliche Sitze ermöglichen könnten.
Rund jeder zehnte potenzielle Wähler befindet sich bei diesen Midterms in einem anderen Kongresswahlkreis als noch 2024. Doch Trumps Offensive funktionierte nicht überall. In Missouri scheiterte die neue republikanische Karte vor Gericht.
Werbespots
Auch die Staatskasse wurde zum Schauplatz des Wahlkampfs. Für 20 Millionen Dollar liess das Ministerium für innere Sicherheit Videos ausstrahlen, in denen Trump unter anderem vor «Kommunisten, Marxisten und Faschisten» warnt. Einer der Spots erinnert stark an seinen Präsidentschaftswahlkampf von 2024.
Eine Richterin in New York zog nun vorerst die Notbremse. Die Regierung darf kein weiteres Geld des Ministeriums für die Kampagne ausgeben. Die Kläger werfen ihr vor, Steuergelder für politische Propaganda verwendet zu haben. Trump kündigte an, die umstrittenen Botschaften künftig selbst zu bezahlen.
Briefwahl
Jahrelang wetterte Trump gegen die Briefwahl. Noch im Juli nannte er sie «von Natur aus korrupt». Vor den Midterms wollte er die Regeln verschärfen. Doch auch hier machten ihm die Richter einen Strich durch die Rechnung: Der Supreme Court stoppte das Vorhaben.
Also änderte Trump kurzerhand die Strategie. «Wählt früh, wählt per Brief oder wählt persönlich am Wahltag», ruft er seinen Anhängern nun plötzlich zu.
Geldzahlungen
Und dann wäre da noch das Geld. Trump verspricht jedem erwachsenen US-Bürger eine Direktzahlung von 5000 Dollar sollten die Republikaner bei den Midterms ihre Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses verteidigen.
«Wenn die Republikaner gewinnen, gewinnt ihr mit uns», verkündete er auf einem Parteitag in Texas. Das Geld soll aus der Staatskasse kommen. Grob gerechnet würde die Aktion mehr als eine Billion Dollar kosten – ungefähr so viel wie der gesamte amerikanische Verteidigungshaushalt. Ob der Kongress eine solche Summe jemals bewilligen würde, ist höchst fraglich. Schon 2025 stellte er vielen Amerikanern 2000 Dollar aus den Zolleinnahmen des Staates in Aussicht. Das Geld kam nie.
Seine wichtigste Wahlkampfwaffe sieht der Präsident allerdings in sich selbst: «Tut einfach so, als wäre mein Name auf dem Wahlzettel», sagte er bereits im Sommer. In den letzten Wochen vor den Zwischenwahlen reist der Präsident von Bundesstaat zu Bundesstaat, um Republikaner bei ihren Wahlen zu unterstützen. Allein diese Woche hat Trump Auftritte in Ohio, Alaska, Arizona, Montana, Georgia und Ohio.
