Kaffeekette

Starbucks schliesst 250 Filialen in Nordamerika – und schwächelt auch in der Schweiz

Der US-Konzern hat seit längerem finanzielle Schwierigkeiten. Das hat mit dem hohen Preis seiner Getränke zu tun – aber nicht nur.

Starbucks schliesst 250 Cafés in Nordamerika. Das entspricht etwas mehr als 1 Prozent aller Filialen auf dem Kontinent. Konkret zählte die Kaffeehauskette Ende Juni in Nordamerika insgesamt 18'371 Filialen, davon 16'933 in den USA. Weltweit gibt es über 41'000 Starbucks-Kaffeehäuser. Welche Standorte konkret vom Schliessungsentscheid betroffen sind und wie viele sich davon in den USA befinden, wollte Starbucks nicht mitteilen.

Die Filialen, die dichtgemacht werden, erzielten entweder keine akzeptablen finanziellen Ergebnisse oder könnten Kunden nicht das gewünschte Erlebnis bieten, erklärte der operative Geschäftsführer Mike Grams in einem Schreiben an die Belegschaft. Beschäftigte sollen nach Möglichkeit in andere Filialen wechseln können oder eine Abfindung erhalten.

Es ist die zweite grosse Schliessungswelle unter Konzernchef Brian Niccol. Bereits im vergangenen Jahr hatte Starbucks 627 Filialen in Nordamerika und Europa geschlossen, darunter auch solche in der Schweiz. Für die jetzt beschlossenen 250 Schliessungen, die bis Ende Jahr umgesetzt sein sollen, rechnet der Konzern mit Belastungen von 300 Millionen Dollar oder umgerechnet rund 250 Millionen Franken.

Starbucks hat sich verzettelt

Zurückgestutzt werden auch die Expansionspläne. Eigentlich wollte der Konzern im Geschäftsjahr 2026 weltweit zwischen 600 und 650 neuen Filialen eröffnen, inzwischen rechnet er nur noch mit etwa 440 Neueröffnungen eigener und lizenzierter Standorte.

Starbucks leidet seit längerem unter finanziellen Problemen. Mit ein Grund ist laut Fachleuten, dass die Wartezeiten zu lang sind und der Konzern sich mit zu vielen Optionen auf dem Menü verzettelt hat. Zudem wurde Starbucks gross mit dem Konzept des sogenannten «third place». Darunter wird ein Raum zwischen dem Zuhause und dem Arbeitsplatz verstanden, in dem sich die Gäste wohlfühlen, lange aufhalten und dementsprechend auch viel konsumieren sollen. Starbucks machte dieses populär.

In den vergangenen Jahren wechselte der Konzern aus Seattle allerdings seinen Fokus und setzte stärker auf Bestellungen zum Mitnehmen und Käufe über die App. Diese Veränderung ging offenbar kommerziell nicht auf und soll nun teilweise rückgängig gemacht werden, etwa indem wieder mehr Fokus auf die Aufenthaltsqualität in den Filialen gelegt wird. Als weiteres Problem von Starbucks gilt die unklare Positionierung. Die Kette ist relativ teuer, aber ihre Getränke sind auch kein wirkliches Luxusprodukt.

Kleine Ketten bedrängen Starbucks

In der Schweiz betreibt Starbucks derzeit 54 Filialen, weniger als auf dem Höhepunkt vor einigen Jahren, als es noch über 60 waren. Geschlossen wurden zuletzt Standorte etwa in Zürich, Basel und Bern. Hierzulande spürt Starbucks auch die Konkurrenz von unabhängigen, kleineren Anbietern von Kaffee für unterwegs. Zu ihnen gehört die Zürcher Kette Vicafe mit mittlerweile 19 Standorten.

Im Interview mit «Schweiz heute» sagte deren Chef Ramon Schalch vor kurzem, Starbucks sei in vielen Ländern durch unabhängige Anbieter unter Druck geraten. «Wir alleine sind nicht der Grund für die geschlossenen Starbucks-Filialen, aber zusammen mit all den anderen kleineren Anbietern entsteht in der Summe eine signifikante Grösse.» Anders als Starbucks setzen Mitbewerber wie Vicafe und Miró meistens auf Standorte ohne Sitzgelegenheiten mit dementsprechend tieferen Mietkosten.

Zu den grössten Kaffee-Anbietern hierzulande gehören neben Starbucks und Vicafe der US-Fastfood-Konzern McDonald’s mit seinem McCafé-Angebot sowie der Händler Valora, der Filialen des Formats Spettacolo betreibt. Auch Migros und Coop gehören im Ausser-Haus-Geschäft mit ihren Take-Aways und Restaurants zu den wichtigen Kaffee-Verkäufern.

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