Medizintechnik

Hunderte Stellen weg: Medtech-Branche fürchtet um Zukunft in der Schweiz

Zimmer Biomet, Hersteller von Gelenkprothesen, plant in Winterthur den Abbau von bis zu 580 Stellen. Das bestätigt Befürchtungen des Medtech-Verbands: Der Standort Schweiz verliert an Attraktivität.

Im schlechtesten Fall gehen in Winterthur 580 von 730 Jobs verloren: Am Mittwoch hat das international tätige Medizintechnikunternehmen Zimmer Biomet einen weitreichenden Stellenabbau am Standort Winterthur angekündigt. Die Firma produziert dort etwa Hüft- und Knieprothesen. «Wir überprüfen unser globales Produktions- und Liefernetzwerk kontinuierlich», wird die zuständige Chefin, Elizabeth Gauthier, in einer Mitteilung zitiert. Unter anderem gehe es darum, das Unternehmen langfristig zu stärken.

Noch ist der Abbau nicht definitiv. Die Gewerkschaften drängen im Konsultationsverfahren darauf, dass die Arbeitsplätze in der Produktion erhalten bleiben. Doch unabhängig vom Ausgang des Verfahrens bekräftigt die Ankündigung, wovor der Verband Swiss Medtech just am Mittwoch in Bern warnte: dass die Zukunft der in der Schweiz traditionell starken Branche akut in Gefahr ist.

Grund für die Besorgnis gibt die neueste Branchenumfrage, die der Verband alle zwei Jahre durchführt. «Die angekündigten Entlassungen erfüllen mich mit grosser Sorge», sagt Verbandspräsident und FDP‑Ständerat Damian Müller. «Sie bestätigen die Warnsignale unserer Branchenstudie: Der Medtech-Standort Schweiz verliert an Attraktivität.»

Gemäss der Umfrage bei den 1400 Firmen der Medizintechnik, die derzeit noch fast 72000 Mitarbeitende beschäftigen, planen 43 Prozent der Unternehmen keine Investitionen. So viele wie noch nie, seit diese Erhebung durchgeführt wird. Die Zurückhaltung betreffe insbesondere Investitionen in Produktion, Forschung und Entwicklung. Sie zeigt sich auch bei den Jobs: «Netto wurden zuletzt lediglich rund 200 neue Arbeitsplätze geschaffen – deutlich weniger als der Zehnjahresdurchschnitt von rund 1 500 Stellen», schreibt der Verband.

Branche fordert Handelsverträge

Dazu äussert sich der wohl prominenteste Vertreter der Branche, Ypsomed-Chef und FDP-Nationalrat Simon Michel: «Unsere Analysen zeigen deutlich, dass Standorte in der EU, aber auch in China und den USA gegenüber der Schweiz an Attraktivität gewonnen haben.»

Laut der Umfrage nehmen die Unternehmen nebst dem Kostendruck die Bürokratie sowie Zölle als grosse Herausforderungen wahr. Präsident Müller fordert deshalb «gezielten Bürokratieabbau und spürbare Entlastungen». Die Branche fordert weiter, «Handelshemmnisse durch internationale Abkommen abzubauen».

Konkret engagieren sich die beiden FDP-Parlamentarier Michel und Müller für Freihandelsabkommen – und das Paket der neuen Verträge mit der EU, die Bilateralen III.

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