
Das israelische Unternehmen Elbit ergatterte vor längerem zwei Grossaufträge der Schweizer Armee. Bis vor Kurzem standen aber beide auf der roten Liste der Topprojekte des Verteidigungsdepartements (VBS). Das bedeutet: Sie hatten grosse Probleme.
Das betrifft in erster Linie die Beschaffung von sechs Aufklärungsdrohnen des Typs Hermes. Das Parlament bewilligte den Kredit 2015. Im Jahr 2019 hätten die Drohnen fliegen sollen. Es kam zu jahrelangen Verzögerungen.
Auch das Teilprojekt «Ersatz mobile Kommunikation» im Rahmen des Projekts «Telekommunikation der Armee» sorgte für grosse Probleme. 2019 erhielt Elbit den Beschaffungsauftrag über 377 Millionen Franken. Gekauft werden sollten Funkgeräte, Bordverständigungsanlagen und Sprechgarnituren, um rund 1800 militärische Fahrzeuge auszurüsten.
Beide Elbit-Projekte haben inzwischen den Sprung aus dem roten Bereich geschafft. Die Aufklärungsdrohne Hermes schon per Ende Jahr. «Sie befindet sich in der operationellen Erprobung», sagte Luftwaffenchef Christian Oppliger dieses Wochenende im «SonntagsBlick». «Wir werden sie am G7‑Gipfel in Evian nutzen, um unter realen Bedingungen Erfahrungen zu sammeln.»
Entspannt hat sich nun auch die Lage um die Elbit-Funkgeräte. Hier waren es Qualität und Hardware, die für Probleme sorgten. Dank der Mithilfe von Schweizer Unternehmen konnten sie beseitigt werden.
Die taktischen Funkgeräte haben den Reifetest im März 2026 «erfolgreich abgeschlossen», wie das VBS in einer Mitteilung schreibt. «Im Vergleich zu früher wurde die Systemqualität deutlich verbessert, insbesondere hinsichtlich Stabilität, Benutzerfreundlichkeit und operationellem Nutzen.»
Ebenfalls aus der roten Zone schaffte es das Programm Nepro, mit dem Bundesamt für Landestopografie Swisstopo seine Produktionsplattform für Geodaten modernisiert. Nepro wird wegen Sparvorgaben des Bundes und gestiegener Betriebskosten auf seine Kernelemente konzentriert.
Damit begrenzen sich die Probleme bei den Topprojekten des VBS neu auf das Programm «Air 2030» zum Schutz des Luftraums. Ende 2025 Jahr standen zwei Vorhaben daraus auf der roten Liste. Einerseits das Projekt RLE@NDP, mit dem das Führungs- und Einsatzleitsystem ersetzt werden soll. Und andererseits die F-35. Hier sorgte die Unklarheit für die Farbe rot, wie viele F-35 die Schweiz tatsächlich kaufen kann. Denn die Kampfjets kosten deutlich mehr als erwartet.
Das ganz grosse Sorgenkind
Im März gab der Bundesrat bekannt, dass er nur 30 statt 36 F-35 beschaffen will. Damit löste er die Finanzierungsfrage. Die F-35 stehen ab Juli nicht mehr auf der roten Liste. Das Projekt RLE@NDP hingegen bleibt potenziell rot bis Ende Jahr. Hier ist das Zusammenspiel zwischen Plattform-Betreiberin Swisscom und Applikations-Herstellerin Thales LAS ein Problem.
Dunkelrot sind hingegen die fünf Patriot-Luftabwehrsysteme auf lange Distanz, welche die Schweiz in den USA bestellt hat. Sie hätten von 2026 bis 2028 ausgeliefert werden sollen. Die USA stellten die Lieferung zurück. Wann sie geliefert werden, ist völlig unklar. «Das hat mit der Verschärfung der geopolitischen Lage zu tun», sagt Robert Scheidegger, der Chef Controlling im VBS. «Alle Golfstaaten wollen Patriot-Systeme haben. Der Markt ist völlig trocken.»


