Wer ein Taxi braucht und keine Lust auf Small Talk hat, könnte in Zürich bald die Qual der Wahl haben. Noch dieses Jahr sollen die ersten Robotaxis von Uber starten, gab das Unternehmen im Juni bekannt. Kurz danach wurde publik, dass auch Waymo eine Niederlassung in Zürich eröffnet hat. Ein Startdatum nannte die Google-Tochter für ihren Dienst noch nicht. Darüber berichtete zuerst die «NZZ am Sonntag».
Die Technologie für die Uber-Robotaxis in Zürich soll vom chinesischen Anbieter Weride kommen, die Schweizer Firma Rydera soll das Flottenmanagement übernehmen. Selbstfahrende Uber-Taxis sind in 15 Städten weltweit unterwegs, jene von Konkurrent Waymo in elf US-Städten. Als nächste könnten London und Tokio folgen.
Doch verbessern die Robotaxis die Situation auf den Strassen? Einer neuen Studie zufolge ist das Gegenteil der Fall.
Robotaxis fahren mehr Kilometer ohne Passagiere
Die Mobilitäts-Initiative Open Plans und ein Institut der City University of New York haben sich die Frage gestellt, welche Folgen die Einführung von Robotaxis auf den Verkehr in New York hätte. Unter anderem haben die Autoren Daten aus Kalifornien ausgewertet, wo bereits hunderte Robotaxis unterwegs sind.
Ihr Fazit: Die Einführung von Robotaxis würde zu mehr zurückgelegten Kilometern führen und damit zu mehr Stau. Das liegt daran, dass die mit menschlichen Fahrerinnen und Fahrern operierenden Taxis effizienter sind. Sie fahren in New York in 33 Prozent der Zeit leer, während die Robotaxis von Waymo in Kalifornien auf einen Wert von 41,6 Prozent kommen. Die Waymo-Taxis legen aber nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr Kilometer ohne Passagiere zurück.
«Jeder gefahrene leere Kilometer bedeutet Stau, Emissionen und Unfallrisiko, ohne dass ein Fahrgast befördert wird», schreiben die Autoren. Die Effekte von Robotaxis seien selbst dann negativ, wenn jedes selbstfahrendes Taxi ein bestehendes Fahrzeug ersetzen würde. Die Fachleute verweisen zudem auf ein weiteres Problem: Die Autos von Waymo sind länger parkiert als herkömmliche Taxis. In einer Stadt mit einem beschränkten Parkplatzangebot wie New York könnten sie aber gar keinen Parkplatz finden und stattdessen leer herumfahren.
Robotaxis finden keine Parkplätze
Die Studie ist nicht ohne Mängel. So lassen sich die Einsatzgebiete eigentlich nicht direkt vergleichen. New York ist dichter besiedelt als das kalifornische Einsatzgebiet von Waymo. Robotaxis könnten in New York möglicherweise effizienter unterwegs sein. Auch lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf hiesige Städte übertragen.
Doch die Studie legt den Finger auf einen wunden Punkt: Robotaxi-Anbieter wollen ihre Dienste dort anbieten, wo viele potenzielle Kundinnen und Kunden unterwegs sind, also in dicht besiedelten Grossräumen und Städten. Dort aber sind die Strassen oft bereits voll und die Parkplätze knapp. Zusätzliche Fahrzeuge verschärfen Probleme. Gleichzeitig schaffen die Firmen in Regionen eine Alternative, in denen bereits ein dichtes Angebot des öffentlichen Verkehrs vorhanden ist. Dieser schneidet in Sachen Flächennutzung, Sicherheit und Emissionen aber besser ab.
Hiesige Transportunternehmen setzen deshalb vor allem in Randregionen auf Versuche mit Robotaxis. In dünn besiedelten Gegenden, in denen ein reguläres Angebot des öffentlichen Verkehrs zu teuer wäre, könnten selbstfahrende Fahrzeuge künftig etwa den Transport von und bis zum nächsten Bahnhof übernehmen.
Schweiz gilt als fortschrittlich
Derzeit sind zwei grössere Pilotprojekte am Laufen. Im Zürcher Furttal haben das Swiss Transit Lab, die SBB und die Kantone Zürich und Aargau das Projekt «Iamo» lanciert. Zum Einsatz kommen Autos von Nissan. Die Technologie für das automatisierte Fahren stellt wie bei Uber die Firma Weride (siehe Box).
Ähnlich funktioniert das Projekt «Amigo» von Postauto, das von den Bundesämtern für Verkehr (BAV) und Strassen (Astra) sowie dem TCS und Ostschweizer Kantonen unterstützt wird. Dort sollen 25 Fahrzeuge des chinesischen Herstellers Jiangling Motors zum Einsatz kommen, die Technologie fürs automatisierte Fahren stellt der chinesische Anbieter Baidu Apollo. Voraussichtlich im nächsten Jahr soll der reguläre Betrieb starten.
Den rechtlichen Rahmen für Robotaxis hat die Schweiz mit einer Gesetzesrevision geschaffen, die im März 2025 in Kraft trat. Seither dürfen führerlose Fahrzeuge auf vom Astra genehmigten Strecken ohne Personal unterwegs sein, müssen aber von einer Zentrale beaufsichtigt werden. Zudem müssen Anbieter zuvor umfangreiche Testfahrten durchführen und Dokumentationen einreichen.
Die Schweiz gilt dank dieser neuen gesetzlichen Grundlage als eines der fortschrittlichsten Länder in Bezug auf automatisierte Fahrzeuge.
So fährt es sich im Robotaxi
Im Rahmen des Projekts «Iamo» können seit wenigen Tagen erstmals in der Schweiz Passagiere in einem selbstfahrenden Taxi mitfahren. «Schweiz heute» hat in Otelfingen ZH den Test auf einer Strecke mit ruhigen Quartierstrassen, einer vielbefahrenen Hauptstrasse, Kreiseln und Baustellen gemacht. Die App zur Bestellung des Fahrzeugs ist intuitiv und ähnlich zu bedienen wie jene von Uber. Der Standort des Fahrzeugs kann vor der Ankunft live auf dem Handy-Bildschirm verfolgt werden. Es hält automatisch an, fährt aber erst los, wenn man in einem Tablet im Auto den Auftrag gegeben hat und zusätzlich in der Handy-App bestätigt, dass man angeschnallt ist. Bei der Fahrt zeigen sich noch kleinere Kinderkrankheiten der Technologie fürs automatische Fahren - etwa ein exzessives Blinken bei Richtungswechseln, langsame Fortbewegung auf Parkplätzen und ein unnötiges Zurücksetzen bei einer Baustelle. Doch insgesamt verläuft die Fahrt ohne Zwischenfälle und zügig. Am Ziel sucht das Auto selbst eine Parkmöglichkeit und hält an. Die Preise sind ähnlich wie jene des öffentlichen Verkehrs. Zurzeit handelt es sich um einen geschlossenen Test. Es ist jeweils noch eine Sicherheitsperson an Bord. Die Fahrzeuge können in einigen Furttaler Gemeinden zwischen 13 und 17 Uhr via App gebucht werden, später soll der Test ausgeweitet werden. (ehs)







