Fragen und Antworten

Trumps Kniefall vor Diktator Kim: Die Gründe für Nordkoreas Höhenflug

Nordkorea boomt trotz UNO-Sanktionen, Russland und China bekräftigen ihre engen Beziehungen. Nun kommt auch Donald Trump Machthaber Kim Jong-un entgegen.
Wieder dickste Kumpel: Kim Jong-un und Donald Trump bei ihrem Gipfel Ende Juni 2019 in Panmunjom.
Bild: KCNA/AP

Besser kann es für Nordkorea gar nicht laufen: Trump, Putin und Xi überschütten die durch schwere UNO-Handelssanktionen gebrandmarkte Diktatur mit Ehrerbietung. Ökonomen analysieren den wirtschaftlichen Aufschwung. Selbst Südkorea bietet Friedensgespräche an, obschon Kim Jong-un mit Raketentests provoziert und seine Patrouillen Grenzverletzungen begehen. Eine Übersicht über die aktuelle Entwicklung:

Warum steht Nordkorea derzeit so gut da?

Machthaber Kim Jong-un profitiert von einer geopolitischen Konstellation, wie sie für sein sonst isoliertes Regime seit Jahren nicht günstiger war. Russland braucht nordkoreanische Waffen, Soldaten und Arbeitskräfte für den Krieg gegen die Ukraine. Dafür revanchiert sich der Kreml mit Devisen, Rohstoffen, Nahrungsmitteln und technischem Know-how. China wiederum demonstriert vor dem Hintergrund des Taiwan-Konflikts enge Verbundenheit: Staatschef Xi Jinping forderte im Juli eine Vertiefung der strategischen Zusammenarbeit «zur Fortsetzung des sozialistischen Wegs».

Und jetzt kommt auch Donald Trump entgegen. Der US-Präsident ordnete an, künftig gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea «substanziell» zu reduzieren. Zur Begründung verwies er auf sein «sehr gutes Verhältnis» zu Kim und bezeichnete die Übungen als ein gegenüber Nordkorea «völlig unangemessenes und feindseliges» Signal. Das 11-tägige Manöver «Ulchi Freedom Shield» hat zwar wie geplant am Montag mit rund 20'000 Soldaten begonnen, spätere Manöver sollen aber viel kleiner ausfallen.

Trumps Ankündigung hat nicht nur in weiten Kreisen Südkoreas, sondern auch in der Ukraine für Entsetzen gesorgt. Selbst Trump-Unterstützer wie die Influencerin Laura Loomer kritisieren den Kniefall vor Kims Diktatur.

Was verspricht sich Trump davon?

Offenbar hofft der durch den Iran-Krieg geschwächte US-Präsident auf ein Erfolgserlebnis: die Wiederaufnahme seiner persönlichen Diplomatie mit dem einst als «Rocket Man» verspotteten Kim Jong-un. Zugleich bestraft er Südkorea für angeblich fehlende Unterstützung bei der «Denuklearisierung» des Irans im Nahen Osten.

Für Pjöngjang ist die Reduktion der Manöver ein unverhofftes Geschenk. Das Regime kritisiert die US-südkoreanischen Militärübungen schon lange. Erst am Freitag drohte es mit Gegenmassnahmen. Nun macht ausgerechnet Washington einen Schritt auf Kim zu – ohne dass Nordkorea erkennbare Zugeständnisse bei seinem Atomwaffenprogramm gemacht hätte.

Südkoreas Präsident Lee Jae Myung hatte zuvor Verhandlungen zur offiziellen Beendigung des seit 1950 andauernden Kriegszustands angeboten. Nach Trumps jüngster Ankündigung hiess es in Seoul offiziell, man müsse die Situation analysieren. Wie Zweckoptimismus klang das Statement von Lees Präsidialamt, «gute Beziehungen zwischen Trump und Kim» könnten sich positiv auf die angestrebten Friedensgespräche auswirken.

Ist Putin jetzt der lachende Dritte?

Zweifellos. Von jedem Erfolg Nordkoreas profitiert Moskau unmittelbar. Zum koreanischen Befreiungstag bekräftigten Kim und Wladimir Putin am Sonntag ihre engen Beziehungen. Putin kündigte eine weitere Zusammenarbeit «in allen Bereichen» an. Grundlage ist das 2024 geschlossene strategische Partnerschaftsabkommen mit gegenseitiger Beistandsklausel.

Im Juni 2024 besiegelten Wladimir Putin und Kim Jong-un ihren Beistandspakt mit einem Handschlag.
Bild: EPA

Nordkorea hat Russland bereits Tausende Soldaten, Artilleriemunition und ballistische Raketen zur Verfügung gestellt. Eine Entspannung an der Grenze zu Südkorea kann zusätzliche Kräfte für den Ukraine-Krieg freimachen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski behauptete Ende Juli, Russland bereite die Stationierung weiterer 30'000 Nordkoreaner vor.

Schätzungen zufolge wurden seit Ende 2024 bis zu 15'000 nordkoreanische Soldaten nach Russland geschickt; rund 2300 sollen gefallen sein. Gesicherte offizielle Zahlen gibt es allerdings nicht. Klar ist einzig, dass die vom Kreml einst als «Hirngespinst» verleugnete Waffenhilfe nun von Moskau öffentlich als «heilige Mission» gefeiert wird.

Wie wichtig sind nordkoreanische Waffen für Russland?

Vor allem die ballistischen Raketen sind relevant. Russland setzt nordkoreanische KN-23 und KN-24 in seinem Luftkriegsterror gegen ukrainische Städte ein. Selenskis Militärgeheimdienst meldete laut der Agentur Reuters zuletzt sogar die Stationierung einer nordkoreanischen Raketeneinheit in der russischen Region Woronesch, die mit bis zu 120 Raketen ausgerüstet sein könnte.

Für Kim hat der Krieg einen zusätzlichen Nutzen. Nordkorea kann seine Waffen unter realen Gefechtsbedingungen testen und verbessern. Selenski warnt deshalb: Jeder Einsatz liefere Pjöngjang Erkenntnisse, die später auch für Südkorea oder Japan gefährlich werden könnten. Am vergangenen Mittwoch wurde ein in Richtung Japan durchgeführter ballistischer Raketentest international verurteilt.

Pjönjangs ballistischer Rakententest von vergangener Woche wurde in Südkorea und Japan mit Sorge verfolgt.
Bild: EPA

Wie profitiert im Gegenzug Nordkorea von Russland?

Seit Beginn des russischen Grossangriffs auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich der Austausch mit Moskau stark intensiviert. Nach Schätzungen der südkoreanischen Zentralbank nahm Nordkoreas Aussenhandel allein 2025 um 31 Prozent zu. Das Bruttoinlandprodukt soll das dritte Jahr in Folge um mehr als drei Prozent gewachsen sein. Hinzu kommen Geldzuflüsse aus der Cyberkriminalität: Nordkoreanische Hacker haben laut Berichten zuletzt Kryptowährungen im Wert von rund zwei Milliarden Dollar jährlich erbeutet.

Eine weitere Einnahmequelle sind nordkoreanische Arbeitskräfte in Russland, die den dort grassierenden Fachkräftemangel abfedern. Der frühere ukrainische Regierungsberater Anton Gerashchenko verweist auf Schätzungen, wonach Russland 2025 mehr als 36'000 Visa für Nordkoreaner ausgestellt habe, offiziell zu Studienzwecken. Tatsächlich würden viele von ihnen als Fabrikarbeiter eingesetzt, darunter immer mehr Frauen.

Solche Arbeitsverhältnisse verstossen grundsätzlich gegen UNO-Sanktionen. Menschenrechtsorganisationen berichten zudem von Ausbeutung: Neben langen Arbeitszeiten fliessen die Löhne fast in Gänze an den nordkoreanischen Staat. Allerdings profitieren vom neuen Geld längst nicht alle Nordkoreaner, wie Analysten einschränken. Frederic Spohr von der Friedrich-Naumann-Stiftung verweist auf Berichte über hohe Inflation. Der Koreanistikprofessor Vladimir Tikhonov von der Universität Oslo sieht keine überzeugenden Belege dafür, dass die chronische Ernährungsunsicherheit überwunden wäre – insbesondere nicht bei der Landbevölkerung.

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