Preisschock

Heizöl wird noch teurer – doch wer jetzt wartet, riskiert ein grosses Problem

Die Heizölpreise in der Schweiz steigen rasant. Wer seinen Tank jetzt auffüllen muss, zahlt deutlich mehr als noch vor wenigen Wochen. Gleichzeitig wächst die Sorge vor Lieferengpässen. Was hinter dem Preissprung steckt und womit Haushalte in den kommenden Wochen rechnen müssen.

Der Preis für Heizöl in der Schweiz steigt und steigt. Im Juni kosteten 100 Liter noch weniger als 110 Franken. Doch seither geht es fast nur noch nach oben. Aktuell liegt der Heizölpreis im Durchschnitt über 160 Franken. Wer 3000 Liter tankt, zahlt bis zu 5000 Franken.

1,5 Millionen Gebäude werden hierzulande noch immer mit Öl geheizt. Wegen der horrenden Preise pokern viele mit Heizölbestellungen. Die Nachfrage sei aktuell weiter unterdurchschnittlich, heisst es auf Anfrage bei grossen Schweizer Öllieferanten.

Und das, obwohl es im Sommer viele Menschen hierzulande versäumt haben, frühzeitig Heizöl zu kaufen: «Die Füllstände sind so tief wie in den letzten fünf Jahren nicht mehr», hält Jan Fehr, Geschäftsführer des Detailhandels Energie bei Volenergy, fest. Die Informationen decken sich mit jenen von Agrola und der Migrol.

Eine tiefe Nachfrage trotz geringer Füllstände bedeutet: Es kommt zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Nachfrage-Explosion – die wiederum Probleme verursacht: «Wenn viele Kundinnen und Kunden ihre Bestellung erst kurz vor oder während der Heizsaison aufgeben, kann dies zu Engpässen in der Auslieferungslogistik und entsprechend längeren Lieferfristen führen», sagt Migrol-Pressesprecherin Diana Eisenberg.

Dass der Poker finanziell aufgeht, ist angesichts der geopolitischen Unsicherheiten unklar: Die Huthi-Miliz kontrolliert bis auf Weiteres die Meerenge Bab el-Mandab. Die Strasse von Hormus ist noch immer zu. Das unberechenbare Verhalten des US-Präsidenten lässt keine Prognose zu und jetzt liegt auch noch die Schifffahrt auf dem Rhein brach.

Hinzu kommen die tiefen Pegelstände: Um Waren zu transportieren, führt der Rhein aktuell zu wenig Wasser. Normalerweise werden 30 bis 50 Prozent aller hierzulande verbrannten Mineralölprodukte über den Rhein importiert. Nun muss auf Tanklastwagen und die Schiene ausgewichen werden. Das treibt den Preis nach oben.

Für die Rheinschifffahrt auf dem Mittelrhein ist der Pegelstand bei Kaub zwischen Mainz und Koblenz entscheidend. Damit Frachtschiffe hier voll beladen verkehren können, wird ein Pegel zwischen 150 und 200 Zentimetern benötigt. Aktuell steht er aber bei 2 Zentimeter (Stand 28. September 2026, 14.15 Uhr). Am Wochenende fiel er gar in den Negativbereich. Das ist möglich, weil der Pegelstand die Höhe des Wassers an einem bestimmten Messpunkt angibt und nicht dasselbe ist wie die Wassertiefe. Die Wassertiefe in der Fahrrinne beträgt bei einem Pegel von 2 Zentimetern noch 115 Zentimeter. Das ist viel zu wenig. Frachtschiffe könnten auf Grund laufen. Der Fährbetrieb bei Kaub wurde bereits eingestellt.

Für eine zusätzliche Anspannung der Lage sorgte ein technischer Defekt in der einzigen Raffinerie der Schweiz im neuenburgischen Cressier. Um die Versorgung zu gewährleisten, mussten von den Pflichtlagern jeweils 30’000 Kubikmeter Benzin und Diesel angezapft werden. Auch beim Heizöl hat die Schweiz Pflichtlager.

Zu einem Engpass an Heizöl wird es nicht kommen, die Versorgung sei gesichert, heisst es unisono von den Lieferanten und auch beim Bund. Die Lage werde eng beobachtet, verspricht das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung in seinem jüngsten Lagebericht. Das Problem bleibt die zeitnahe Auslieferung. Es muss mit Wartezeiten von mehreren Wochen gerechnet werden.

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