Handelskonflikt

«Trump kann meinen Hintern küssen!» Kanada teilt aus – und wie

Der Streit um Strafzölle und Einfuhrbeschränkungen zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarn hat sich verbal auf eine neue Eskalationsstufe hochgeschaukelt.
Nimmt kein Blatt vor den Mund: Ontarios Premierminister Doug Ford.
Bild: Keystone

Der Tenor in den sozialen Medien lautet: Wieso hört man so etwas nie von US-Demokraten?

In den vergangenen 24 Stunden hat der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada merklich an Schärfe zugenommen. Insbesondere von kanadischer Seite aus. Aktuell sorgt eine Pressekonferenz für Furore, die Ontarios Premierminister Doug Ford am Rande einer Aufrichtefeier in Hamilton gegeben hat.

«Glaubt Ihr wirklich, dass eine Beleidigung von ihm mich treffen kann? Nur zu, Kumpel, nur zu!» Ford reagierte auf eine Reporterinnenfrage zu Trumps persönlichen Angriffen auf seine Person. «Mit Typen wie ihm habe ich mich mein ganzes Leben herumgeschlagen. Und wisst Ihr was? Alle endeten als Verlierer. Du bist ein Verlierer!», wetterte Ford in Richtung des US-Präsidenten.

Doch nach dieser Aufwärmrunde kam der 61-jährige Konservative erst richtig in Fahrt. Ein Videozusammenschnitt seiner Aussagen des Nachrichtensenders CBC ist inzwischen zu Hunderttausenden geklickt und speziell in den USA weiterverbreitet worden.

Vom «König der Insolvenzen» und «Diktator» nehme er keine Ratschläge an: «Er ist der Typ von Schulhaustyrann, der dir an einem Tag dein Pausengeld abknöpft, dir am nächsten Tag die Mütze vom Kopf reisst und dann deine Laufschuhe klaut.» Und weiter in direkter Anrede: «Präsident Trump, nicht einmal ihre eigenen Leute mögen Sie. Und diese werden bei den Zwischenwahlen laut und deutlich sprechen.»

Wenn er dürfte, würde er persönlich «dort unten von Haustür zu Haustür» gehen, um Wahlkampf gegen Trump zu machen. So und ähnlich redete sich Ford unbeirrt weiter in Rage.

Zum Finale konnten selbst die Bauarbeiter im Hintergrund ihr Lachen nicht mehr verkneifen: «Ich habe eine Menge Grundbesitz auf meinem Hintern, also viel Platz, damit Trump mir den Hintern küssen kann.»

Manche Stimmen mahnen zur Vorsicht

Der Premier der industriellen Kernprovinz Ontario gilt schon länger als Hardliner, der die liberale Regierung in Ottawa dazu auffordert, sich nicht von Trumps Drohungen einschüchtern zu lassen. Das ist dem Weissen Haus nicht verborgen geblieben. Am Montag bezeichnete Trump ihn auf seinem Nachrichtendienst Truth Social als «Lakaien» in den Handelsgesprächen, der bloss «grosse Töne» spucke.

Die USA werden immer «viel grösser, reicher und stärker als Kanada sein», erinnerte Trump und drohte: «Jemand sollte die Clowns zurechtstutzen, sonst werden die Konsequenzen für Kanada weitaus schlimmer sein.» In einem weiteren Post kündigte Trump an, «nicht mehr viele Geschäfte mit Ontario» machen zu wollen. Ausserdem überlege man «ernsthaft», den Lake Ontario in «Lake America» umzubenennen.

Natürlich unterliess es der US-Präsident nicht, Kanadas Premier Mark Carney ein weiteres Mal als «Gouverneur» herabzuwürdigen. An einem Wahlkampfauftritt am Montag in Maine bezeichnete US‑Vizepräsident JD Vance Kanada ebenfalls als (51. US-)«Staat» und entschuldigte sich danach scheinheilig für den «Freud'schen Versprecher».

Allerdings mischen sich nach Fords Rundumschlag in die vielen begeisterten Kommentare aus Kanada und von amerikanischen Trump-Gegnern auch vorsichtige Stimmen. Es sei kontraproduktiv, wenn sich die kanadische Seite auf das gleiche Niveau wie Trump herablasse.

Der US-australische Ökonom Justin Wolfers analysierte anschliessend in einem CNN-Interview die Befindlichkeiten. Kanadas Regierung könne es sich gar nicht leisten, im laufenden Konflikt mit Trump nachzugeben. Obschon der nördliche Nachbar wirtschaftlich am viel kürzeren Hebel sitze, gehe es in den Augen der Bevölkerung buchstäblich um die Zukunft des Landes:

«Wenn Amerikaner vom ‹51. Staat› hören, empfinden sie das als Trumps Sprücheklopferei. Kanadier dagegen hören es als existenzielle Bedrohung ihrer Souveränität.» Längst sei der Konflikt zwischen den USA und Kanada «nicht mehr bloss ein Handelskrieg», folgert der Volkswirtschaftsprofessor.

Südlich der Niagarafälle befürchtet man wegen Trumps Vorgehen entscheidende Stimmverluste bei den US‑Zwischenwahlen. So warnte die republikanische Senatorin Susan Collins, die in Maine um ihre Wiederwahl bangen muss: «Neue Zölle gegen Kanada zu verhängen, ist ein Fehler.» Die 73-Jährige verwies auf den berühmten Maine-Hummer, der in grossen Mengen über die Grenze exportiert wird – eine Einnahmequelle, die aufgrund kanadischer Gegenzölle bald versiegen könnte.

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