Trump verhängt 50‑Prozent-Zölle auf kanadische Waren – Kanada schlägt zurück

Kanada reagiert auf US-Zölle mit Gegenmassnahmen.  Doch Trump legt nach. Lässt sich die Eskalation noch stoppen?

Mit der Eskalation des Zollkonflikts zwischen den USA und Kanada wächst die Sorge vor einem Handelskrieg. Wirtschaftsverbände auf beiden Seiten warnen vor schweren Folgen und dringen auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Der kanadische Premierminister Mark Carney und Präsident Donald Trump 2025 im Weissen Haus in Washington.
Bild: AP

Neue Zölle könnten die Kosten für US-Unternehmen und Verbraucher erhöhen, Lieferketten stören und die Wirtschaftsbeziehungen belasten, erklärte Joshua Bolten von der US-Managervereinigung Business Roundtable. Auch der Chef des kanadischen Industrieverbandes, Dennis Darby, forderte neue Gespräche, rechnet aber nicht mit einer schnellen Lösung. Besonders die anhaltende Unsicherheit schade der Investitionsbereitschaft von Unternehmen.

Verhandlungen gescheitert, Zölle in Kraft

Unterhändler beider Länder hatten bis in die Nacht zum Samstag über eine Vereinbarung beraten. Nach dem Scheitern traten US-Zölle von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Güter in Kraft. Betroffen sind Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar, etwa fünf Prozent der Einfuhren insgesamt, darunter Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein.

Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte Gegenmassnahmen an, die im September greifen sollen. «Wir sind Herr im eigenen Haus», sagte er. Auf die Frage, ob es sich um einen Handelskrieg handle, erklärte Carney: «Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg – wir wurden angegriffen.»

Trump legt verbal nach

Trump schrieb am Sonntag auf Truth Social: «Kanada will die Vorteile eines Bundesstaates, ohne einer zu sein!!!» Zudem warf er dem Nachbarland vor, US-Landwirte seit Jahren mit hohen Zöllen zu belasten.

Der Leiter des Center for a New American Security, Richard Fontaine, warnte vor einer «kostspieligen und schädlichen Spirale» gegenseitiger Vergeltungsmassnahmen. Kanada habe offenbar den Schluss gezogen, dass ein Nachgeben gegenüber der Trump-Regierung nur weitere Forderungen nach sich ziehe.

Kritik an Trump

Ontarios Regierungschef Doug Ford begrüsste, dass Carney eine aus seiner Sicht schlechte Vereinbarung abgelehnt habe. Alberta-Premier Danielle Smith unterstützte den Abbruch der Gespräche, zeigte sich aber zurückhaltender gegenüber Gegenzöllen und hoffte auf neue Verhandlungen.

Auch die Gouverneurin des US-Bundesstaates New York, Kathy Hochul, nannte den Zollstreit unnötig und warnte vor steigenden Preisen für US-Verbraucher.

Politische Folgen möglich

Ein Handelskrieg könnte auch die US-Zwischenwahlen am 3. November beeinflussen. Wegen der Energiekrise und hoher Preise steht die Bevölkerung bereits unter Druck. Weitere Preissteigerungen durch den Konflikt mit Kanada könnten Trumps Republikaner zusätzlich belasten. (dpa)