Ende der Nati-Pause

Endlich wird wieder Fussball gespielt!

Drei Wochen Pause für Länderspiele sind viel zu lange. Umso mehr kann man sich jetzt wieder auf das Gekicke in der heimischen Liga freuen. Ohne Weltstars. Dafür mit vielen Emotionen.

Und dann jammert er tatsächlich noch über den Rasen. Zu lang seien die Grashalme in Skopje, «sicher nicht optimal» auch der Untergrund in Luzern, von einem «Acker» war die Rede. Für die feinen Füsschen der auserlesenen Superstars, so die unausgesprochene Quintessenz von Murat Yakins Gras-Gejammer, ist selbst nach einem Hitzesommer nur ein Golfrasen gut genug. Und das für Halb-Freundschaftsspiele gegen Fussball-Mittelgrössen wie Nordmazedonien.

Noch länger als der Rasen in Skopje war nur die Nati-Pause. Sie wollte gefühlt nie enden. Fast unglaublich lange drei Wochen dauerte die Unterbrechung der nationalen Meisterschaften. Vier ganze Spiele mussten erduldet werden, bis endlich wieder der Normalbetrieb aufgenommen werden konnte. Gegen wen wir da warum und wie hoch gewonnen haben? Längst wieder vergessen. Geblieben sind dagegen die Covid-Kapriolen von Embolo und Xhaka.

Ab diesem Wochenende wird wieder Fussball gespielt. Nicht in einem Marketing-Konstrukt wie der «Nations League», die hauptsächlich dafür erfunden wurde, um mit dem Fussball noch mehr Geld zu verdienen und dessen Modus selbst Hardcore-Fans kaum verstehen. Gespielt wird in Ligen, die zwar häufig sponsorenverseuchte Namen tragen und in Stadien mit sponsorenverseuchten Namen spielen, in denen Siege aber manchmal mehr bedeuten als an einer Weltmeisterschaft. Wenn etwa der grosse Rivale besiegt wird, bei dem man im Idealfall noch jemanden aus dem Fanlager kennt, der sich sicher tierisch über ein hämisches SMS aufregt.

Niederlagen wirken über das Wochenende hinaus, können auch am Mittwoch noch betrüben. Siege beflügeln dafür mindestens ebenso lange. Clubfussball ist eine dauerhafte Beziehung. Mit allen Höhen und Tiefen. Die Nationalmannschaft ist der lässige Ferienflirt. Alle zwei Jahre – hoffentlich – an einem grossen Turnier im Sommer mit der eigenen Ländermannschaft mitzufiebern, ist aufregend. Danach trennen sich die Wege wieder. Im Idealfall mit guten Erinnerungen aneinander. Und sonst ist es auch egal. Versuchen wir es halt beim nächsten Mal wieder. Wie hiess der rechte Aussenverteidiger schon wieder?

Beim Clubfussball geht das nicht, dieses Abschalten. Manchmal zum Glück. Und manchmal leider. Wenn es richtig himmeltraurig läuft, kann nicht darauf gesetzt werden, dass dann in vier Jahren wieder irgendwo eine Weltmeisterschaft stattfindet und dort schon der Achtelfinaleinzug gegen Pakistan in langen Hupkonzerten mündet. Im Gegenteil: Bei seinem Lieblingsverein kann man sich noch so fest vornehmen, das nächste Spiel «ganz sicher» nicht zu schauen, und sitzt am Ende doch wieder vor dem Fernseher oder im Stadion.

Es ist komplett irrational und für Aussenstehende nicht zu erklären. Und genau deswegen so wunderschön. Es braucht keine offizielle «Nations League-Hymne» (die gibt es tatsächlich), es braucht keine hochauflösenden Kameras, die auf die Brille des Trainers fokussieren, und es braucht keine Fan Villages vor den Stadien. Es braucht Grätschen. Es braucht Schüsse. Es braucht Fussball. Mindestens einmal soll auch dem holzfüssigsten Innenverteidiger mehr aus Versehen ein Traumtor gelingen. Und wenn dann das ganze Stadion seinen Namen skandiert, dann ist das beinahe mehr wert als jede von Gianni Infantino umgehängte Medaille.

Jene, die den Fussball mit immer mehr Spielen und immer grösseren Turnieren noch grösser machen wollen, vergessen, dass er dort am grössten ist, wo all dieser Gigantismus weit weg ist. Dort, wo es nach Bratwurst, Pommes und Bier duftet. Dort, wo der ehemalige Junior des Dorfvereins plötzlich in der ersten Mannschaft spielt. Dort, wo das Poster des Vereins über dem Bett im Kinderzimmer hängt.

Vielleicht war das Beste an dieser ewigen Nati-Pause, dass man sich wieder sehnsüchtig auf die kleinen grossen Dramen in den Super Leagues dieser Welt freut. Dort, wo längst nicht nur Superstars spielen. Dort, wo vielleicht auch einmal das Gras zu lang oder der Rasen halt ein Acker ist.

Es ist ja für alle gleich.

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