Bundesrat

Friedli ist raus – für diese SVP-Kandidaten steigen jetzt die Chancen

Esther Friedli galt als Kronfavoritin für die Parmelin-Nachfolge. Nach ihrer Absage ist das Rennen offener denn je. Wer jetzt besonders gute Karten hat – und warum die kommenden Tage entscheidend werden.

Normalerweise suchen Politikerinnen und Politiker die grosse Bühne, wenn sie über grosse Pläne sprechen. Wie etwa eine Bundesratskandidatur. Esther Friedli wählte die Lokalstplattform «Toggenburg24». Die St.Galler Ständerätin verkündete auf der Internetseite «exklusiv», dass sie für eine Kandidatur als Nachfolgerin von Guy Parmelin nicht zur Verfügung steht.

«Es ehrt mich, dass man mich als Kandidatin in Betracht zieht. Doch ich kann mir nicht vorstellen, die Arbeit als Ständerätin bereits nach dreieinhalb Jahren wieder abzugeben», so Friedli gegenüber dem Portal. Damit nimmt sich eine der grössten Favoritinnen vorzeitig aus dem Rennen.

Das nicht nur, weil sie gerne Ständerätin ist, sondern weil das Regierungsamt mit vielen Entbehrungen einhergehen würde. So führt sie etwa ein Restaurant mit über 20 Angestellten, bei dem sie gerne selbst an vorderster Front mithilft. Der Familienbetrieb würde laut Friedli mit dem neuen Amt «ein Stück weit aufs Spiel gesetzt». Das sei für sie undenkbar. Den Betrieb führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Toni Brunner. Der ehemalige Parteipräsident der SVP ist übrigens auch aktueller Präsident des Vereins Churfirsten-Medien. Dieser ist, welch Zufall, Träger der Plattform «Toggenburg24».

Erst eine halboffizielle Kandidatur

Das Kandidatenfeld der SVP für die Nachfolge von Parmelin bleibt damit sehr überschaubar. Mit dem Schwyzer Regierungsrat André Rüegsegger gibt es derzeit nur einen halboffiziellen Kandidaten. Rüegsegger hat sich selbst zwar noch nicht geäussert, seine Kantonalpartei hat ihn aber ins Spiel gebracht und das Vorgehen sei mit ihm abgesprochen gewesen. In der laufenden Woche will sich Rüegsegger besprechen und anschliessend seine Entscheidung kommunizieren.

Sonst gibt es bisher vor allem Verzichtserklärungen. Magdalena Martullo-Blocher will ebenso wenig wie Gregor Rutz und Parteipräsident Marcel Dettling. Auch Nationalratspräsident Pierre-André Page hat abgewunken und auch die Aargauer Bildungsdirektorin Martina Bircher will nicht nach Bern wechseln.

Für die Volkspartei drängt die Zeit aber durchaus: In zwei Wochen ist Eingabeschluss für die Kandidaten – bis am 23. Oktober können die Kantonalparteien ihre Aspiranten bei der Mutterpartei melden. Dann will die Findungskommission der SVP den Anwärtern auf den Zahn fühlen und anschliessend nominiert die Fraktion am 20. November das Ticket.

Fraktionspräsident Thomas Aeschi sagte in der «Samstagsrundschau», dass der Bundesversammlung «mindestens» ein Zweierticket präsentiert werden soll. Ob es sicher eine Frau und sicher eine Kandidatur aus der Romandie auf den Wahlvorschlag schafft, wollte Aeschi nicht sagen. Es sei sicher wichtig, dass sowohl die Geschlechter als auch die Regionen im Bundesrat angemessen vertreten seien. Aber es gebe auch weitere Kriterien. Etwa Führungsqualitäten, Dossierfestigkeit und den viel beschworenen «Gmögigkeitsfaktor».

Wie es damit bei ihnen aussieht, dürften sich nun vor allem die Genferin Céline Amaudruz, der Luzerner Franz Grüter, der Thurgauer Pascal Schmid, der Freiburger Nicolas Kolly und die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli überlegen. Sie gelten alle als valable Kandidaten für das Amt. Dazu kommen noch ambitionierte Aussenseiter wie Benjamin Giezendanner und Christian Imark und auch Aeschi selbst hat sich noch nicht zu einer möglichen Kandidatur geäussert.

Folgt nun eine Woche der Entscheidungen?

Friedlis früher Rückzug dürfte bei diesen Überlegungen durchaus auch eine Rolle spielen. Mit dem Verzicht einer der aussichtsreichsten Anwärterinnen sind die Wahlchancen der restlichen Papabili sicher nicht gesunken.

Denkbar ist, dass jetzt eine Woche der Entscheidungen ansteht. Am kommenden Samstag trifft sich die SVP in Bulle (FR) zur Delegiertenversammlung. Zwar ist die Bundesratswahl nicht auf der Traktandenliste und trotzdem dürfte sie das grosse Thema sein.

Sollte jemand doch noch die grosse Bühne suchen: Das wäre ein idealer Zeitpunkt, um die Kandidatur zu lancieren.

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