Bundesrat

SVP-Chef Dettling sagt ab: Wer für Parmelins Nachfolge noch im Rennen ist

Das Kandidatenkarussell für die Nachfolge des Ende Jahr abtretenden Bundesrats Guy Parmelin dreht sich bereits munter. Wir geben Ihnen den Überblick über den Stand der Dinge.

Drei Frauen werden überall genannt, wenn es um die Nachfolge von SVP-Bundesrat Guy Parmelin geht: die Genferin Céline Amaudruz, die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli und die St. Galler Ständerätin Esther Friedli. Doch auch andere Namen kursieren. Bis zum 23. Oktober müssen die jeweiligen Kantonalparteien ihre Nominationen bei der SVP Schweiz einreichen.

So präsentiert sich das Feld der potenziellen Kandidierenden aktuell:

Sie überlegen es sich

Die Genferin Céline Amuadruz schreibt auf Anfrage: «Le temps est à la réflexion». Sie nehme sich jetzt Zeit, darüber nachzudenken. Amaudruz gilt als extrem interessiert am Amt – als Mutter zweier Kleinkinder fällt ihr der Entscheid aber sicher nicht ganz leicht. Andererseits meinte sie zur «NZZ am Sonntag»: «Die grösste Partei der Schweiz braucht einen Bundesrat aus der Romandie und einen aus der Deutschschweiz.» Da das Kandidatenfeld in der Westschweiz neben ihr dünn ist, lässt sich diese Aussage als Wegbereitung für eine eigene Kandidatur lesen.

Der Luzerner Nationalrat Franz Grüter sagte gegenüber «20 Minuten», er würde sich eine Kandidatur überlegen. Allerdings ist Grüter bereits 63 Jahre alt. Ob er sich ein solches Amt noch antun will, darf angezweifelt werden.

«Prüfen» würde auch der St. Galler Nationalrat Mike Egger, «wenn die Partei das wünscht». Egger ist allerdings vor nicht allzu langer Zeit Vater geworden – ob das in seine Lebensplanung passt?

Auch Fraktionschef Thomas Aeschi sagt auf Anfrage von «20 Minuten» nicht ab – deutet aber auch keine Kandidatur an. Aeschi hat allerdings mehrere Nachteile. So ist er, wie der amtierende Verteidigungsminister Martin Pfister, Zuger. Und er ist selbst in der eigenen Fraktion – von den anderen Parteien ganz zu schweigen – nicht unumstritten. Zudem ist er Mitglied der Findungskommission, die die Kandidaten auf Herz und Nieren prüft. Das ist allerdings kein Hinderungsgrund, wie Findungskommissionspräsident Caspar Baader auf Anfrage von «Schweiz heute» sagt. Aeschi könnte einfach in Ausstand treten, wenn er selbst kandidieren würde.

«Ernsthaft» über eine Kandidatur denkt Nationalrat Nicolas Kolly nach. Gegenüber den «Freiburger Nachrichten» betonte der Freiburger, Politik nie aus persönlichem Ehrgeiz zu betreiben. Er sei jedoch «sozusagen ein Soldat». Komme er zum Schluss, dass er kandidieren sollte, «glaube ich nicht, dass ich mich drücken würde». Bleibt die Frage: Hat der 40-Jährige die nötige Erfahrung für das Amt?

Mit dem Waadtländer Nationalrat Yvan Pahud überlegt sich ein weiterer Romand eine Kandidatur. «Das Amt interessiert mich, aber ich muss natürlich noch darüber nachdenken», sagte Pahud gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er politisiert erst seit drei Jahren in Bern.

Das gilt auch für seinen Ratskollegen Pascal Schmid. Der Thurgauer ist jedoch schnell zum Asylchef der SVP aufgestiegen und verantwortet damit das Kerndossier der Partei. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» teilte er mit, er sei von Parmelins Rücktritt überrascht worden, mache sich nun aber «selbstverständlich Gedanken dazu».

Und dann wären da noch die kantonalen Regierungsräte. Während sich die Zürcherin Natalie Rickli bislang nicht geäussert hat, sagte der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati dieser Zeitung: «Ich überlege mir das und werde eine mögliche Kandidatur mit meinem privaten und politischen Umfeld besprechen.»

Nicht geäussert hat sich bislang die St.Galler-Ständerätin Esther Friedli. Die Frau des früheren SVP-Chefs Toni Brunner gilt vielen als Kronfavoritin – wenn sie denn will.

Sie wollen

Noch hat niemand gesagt, dass er kandidieren will – das ist so kurz nach dem Rücktritt auch unwahrscheinlich: Wer seinen Hut zu schnell in den Ring wirft, wird meist als wenig chancenreich erachtet.

Sie sagen ab

Das ging schnell: Nur wenige Stunden, nachdem Guy Parmelin seinen Rücktritt angekündigt hatte, sagte Magdalena Martullo-Blocher, dass sie nicht interessiert sei, die Nachfolge anzutreten. «Ich bin Unternehmerin und das lässt sich nicht mit dem Bundesratsamt vereinbaren», so die Ems-Chefin am Freitagabend in der SRF-«Arena».

Am Sonntag sorgt gegenüber dieser Zeitung auch Parteipräsident Marcel Dettling für Klarheit. «Meine Aufgabe ist das Führen der Partei», teilt er mit und verweist auf den Kampf gegen die neuen EU-Verträge. «Gerade in der jetzigen Phase, wo sich für die Schweiz entscheidet, ob es eigenständig weitergeht oder in Zukunft Brüssel alles diktiert, braucht es klare Verhältnisse in der SVP.»

Nationalratspräsident Pierre-André Page hat ebenfalls kein Interesse. Beim 66-Jährigen dürfte auch das Alter eine Rolle spielen. Es habe ihn jedoch «berührt», dass sich Parlamentsmitglieder anderer Parteien von ihm eine Kandidatur gewünscht hätten, sagte er gegenüber den «Freiburger Nachrichten».

Keine Wechselabsichten hegt die Aargauer Bildungsdirektorin Martina Bircher. Sie wolle sich auf ihr Amt als Regierungsrätin konzentrieren, teilte sie dieser Zeitung mit. Eine Rückkehr ins Bundeshaus, wo sie bis 2024 im Nationalrat politisierte, ist damit vom Tisch.

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