
Die Folgen der weltweiten Energiekrise sind hierzulande nochmals deutlich schlimmer geworden. Das zeigen die neuen Konsumentenpreise für Oktober, die das Bundesamt für Statistik veröffentlicht hat. Demnach ist das gesamte Preisniveau zum Vorjahr um 1,5 Prozent gestiegen.
Verursacht wurde dieser Preisschub durch den Iran-Krieg. Auf Befehl von Präsident Donald Trump hatten die USA gegen Ende Februar den Iran angegriffen – und damit das globale Energiesystem durchgerüttelt. Davor hatte die Schweiz so gut wie gar keine Inflation. Im Januar lag der Landesindex der Konsumentenpreise verglichen mit dem Vorjahr bloss um 0,1 Prozent höher. Die Schweiz war mehr oder weniger inflationsfrei.
Der Preisanstieg von 1,5 Prozent bedeutet, dass der typische Schweizer Haushalt durchschnittlich so viel mehr zahlen muss für den gleichen Korb von Waren und Dienstleistungen. Oder andersherum betrachtet: Kann er nicht 1,5 Prozent mehr zahlen, dann muss er sich einschränken. Er wird um so viel ärmer.
Die Durchschnittszahl von 1,5 Prozent gibt die Folgen des Ölpreisschocks allerdings nur bedingt wieder. Denn die Haushalte werden davon sehr stark unterschiedlich getroffen. Wer nicht mit einem Benzin- oder Dieselauto zur Arbeit pendelt und sein Heim nicht mit Heizöl wärmt, der hat es mit einer weit tieferen Inflation zu tun.
Wer hingegen tatsächlich einen Benziner in seiner Garage stehen hat, wird von einem Preisaufschlag von 26,5 Prozent getroffen. So viel teurer als im Vorjahr war Benzin im Oktober. Diesel wurde gar 37 Prozent teurer. Und wer seinen Tank mit Heizöl füllen muss, sieht sich zurzeit mit einem Preissprung von 81,4 Prozent konfrontiert.

Eine Rückkehr zu den alten Preisen könnte noch lange dauern, wenn Javier Blas recht behält. Der Energieexperte bei der Nachrichtenagentur «Bloomberg» warnt, die Ölmärkte müssten sich darauf vorbereiten, dass sich weder die USA noch der Iran aus der gegenseitigen Umklammerung befreien können – beiden drohe eine «ewige Pattsituation».
Ein solches Verharren im Status quo wird laut Blas zunehmend erwartet von den Topmanagern aus der globalen Energiebranche. Einen Sieg für die USA gibt es demnach nicht, auch nicht für den Iran – es würde in einem Unentschieden enden. Die Strasse von Hormus, durch die vor dem Krieg rund 20 Prozent des globalen Ölangebots transportiert wurden, bliebe für die Welt weder völlig geschlossen noch völlig offen.
Für Trump sei ein Patt die am wenigsten schlechte Option, meint Blas. Denn liesse Trump den Iran erneut grossflächig bombardieren, würde das Regime zurückschlagen. Dabei träfe es unter anderem Raffinerien in der Region – und die Energiepreise schiessen noch weiter in die Höhe.
Und vielleicht das Beste für Trump an einem ewigen Patt: Er müsste keine Niederlage eingestehen und stünde nicht als Verlierer da.
Das iranische Regime wiederum würde bei einem Patt keine weiteren US-Angriffe riskieren – und einer grossen Gefahr ausweichen: Die Schäden weiterer Bombardements könnten doch noch eine Revolte auslösen und das Regime wegschwemmen. Besser, so das zynische Kalkül: Man wird durch die US-Blockade in eine schwere Rezession gezwungen, hält sich aber an der Macht und versorgt via Schmuggelnetzwerke die Regime-Spitzen mit Cash.
Bei einem solchen Patt käme vielleicht genug Erdöl durch die Strasse von Hormus, sodass der Rohölpreis bei ungefähr 100 Dollar pro Fass bleiben würde, so die Überlegungen von Blas. Denn immerhin würden laut den neuesten Daten derzeit täglich etwa 16,5 Millionen Fässer passieren – etwa 20 Prozent weniger als vor Kriegsbeginn. Und wenn die Angst vor weiteren Eskalationen abklänge, würde das zusätzlich helfen, den Erdölpreis um die 100 Dollar herum zu halten.
Autofahrer wollen sich unabhängig machen
Was aus dem aktuellen Chaos im Nahen Osten tatsächlich entstehen wird, ist schwer abzuschätzen. Viele Autofahrende wollen jedenfalls nicht länger gebannt auf den Krieg schauen und auf tiefere Energiepreise hoffen. Sie wollen ihre Abhängigkeit vom volatilen Ölpreis reduzieren – und wechseln in Scharen zu elektrischen Autos.
«Der Durchbruch ist da», sagte Oliver Blume, Chef von Volkswagen, kürzlich der Financial Times. Für viele Europäer und Europäerinnen sei der Kauf eines elektrischen Autos wie «die Erklärung ihrer persönlichen Unabhängigkeit von den Tankstellen».
Elektroautos verbreiten sich rasend schnell auf Europas Strassen – und auch in der Schweiz. Das zeigen neue Zahlen des Europäischen Automobilverbands zum September 2026. Noch ein Jahr zuvor, im September 2025, übertrafen die Verkäufe von Benzinern jene von Elektroautos deutlich. Seit damals sind jedoch die Elektroauto-Verkäufe um 73 Prozent hochgeschossen, während jene von Benzinern um fast ein Viertel eingebrochen sind. In der Schweiz verkauften sich Elektroautos im September mehr als doppelt so gut wie Benziner.

