Iran-Krieg

Trump bekommt Benzin nicht billiger – jetzt droht der nächste Preisschock

Rätsel: Durch die Strasse von Hormus fliesst mehr Öl wie vor dem Krieg – Benzin und Diesel bleiben teuer. Ein anderer Durchbruch gelingt.

Donald Trump hat es eigentlich geschafft – und doch nicht.

Geschafft hat Trump: Durch die Strasse von Hormus fliesst mehr Erdöl als vor dem Iran-Krieg. Dank nächtlicher Transporte, bei denen das Erdöl im Schutz der Dunkelheit von grossen Supertankern auf kleinere Schiffe verladen wird. Dank amerikanischer Militärmacht, welche die Tanker und kleineren Schiffe vor iranischen Angriffen schützt.

Über diesen Erfolg hat das «Wall Street Journal» gross berichtet, gestützt auf Daten des Analyseunternehmens Kpler. Nicht geschafft hat Trump jedoch, was er eigentlich bezweckte: Erdöl und vor allem Erdölprodukte wie Benzin und Diesel wieder billiger zu machen.

Der Preis von Rohöl verharrt seit Wochen hartnäckig bei weit über 100 Dollar pro Fass. Benzin kostet in den USA noch immer fast 40 Prozent mehr als vor dem Krieg und Diesel gar über 70 Prozent mehr.

Trumps Scheitern zeigt sich weltweit an den Energiepreisen, die wie in den USA weit höher sind als vor dem Krieg. So auch in der Schweiz: Benzin kostet laut Zahlen des Mobilitätsclubs TCS rund 50 Rappen mehr pro Liter, Diesel über 65 Rappen und Heizöl rund 80 Rappen.

Auf den ersten Blick wirkt dieser Gegensatz rätselhaft. Rohöl fliesst wie früher durch die Strasse von Hormus – und doch sinken die Preise nicht. Dabei war es doch die iranische Blockade der Meeresenge, welche die Energiepreise hochschiessen liess. Was geht da vor sich?

Die Erklärung: Trump hat ein Problem gelöst, und der Transport gelingt jetzt wieder. Aber damit hat er ein anderes Problem vergrössert. So betragen die Transportkosten jetzt ein Vielfaches mehr als früher.

Es braucht mehr Tanker. Oft nur für langes Warten. Weil die Tanker knapp geworden sind, ist ihre Miete um ein Vielfaches höher. Und die wahren Kosten sind noch viel grösser. Der militärische Schutz verschlingt Unsummen an Steuergeldern. Ein Analyst berichtet von Militärjets, die für viel Geld über der Meeresenge patrouillieren.

Eine weitere Erklärung: Im Nahen Osten sind Raffinerien vom Iran beschossen worden, in Russland von der Ukraine. Jetzt sind Raffinerien weltweit knapp. Deshalb bringt es wenig, wenn das Rohöl wie früher durch die Strasse von Hormus fliesst. Wie daraus mehr Benzin oder Diesel herstellen, wenn die Raffinerien dafür fehlen? Trump blieb machtlos.

Aber: Er wollte zumindest verhindern, dass die Ukraine weiter russische Raffinerien bombardiert. Als deren Präsident, Wolodimir Selenski, ablehnte, drosch Trump verbal auf ihn ein. Er forderte die Ukraine auf, einen neuen Präsidenten zu finden. Und laut der Ukraine drosselten die USA die satellitengestützte Hilfe von SpaceX für das ukrainische Militär – und erschwerten damit das Abfangen russischer Drohnen.

Dass dem so war, bestritten zunächst sowohl Trump als auch Elon Musk, der SpaceX kontrolliert. Dann bestritten beide, dafür verantwortlich gewesen zu sein. Dann titelte das «Wall Street Journal», Musk sei verantwortlich gewesen. In der Ukraine kam das alles nicht gut an. Der britische «Telegraph» schrieb: «Ukrainer wenden sich gegen die USA, nachdem ein russischer Angriff ein Baby im Kinderwagen getötet hat.»

Es brachte alles nichts. Der Erdölpreis wollte und wollte nicht fallen. In der vergangenen Woche erhielten US-Medien dann Informationen, wonach die Trump-Regierung einen weiteren grossen Angriff auf den Iran vorbereite. Prompt stieg der Ölpreis auf 117 Dollar pro Fass und damit auf den höchsten Stand seit vier Jahren.

Die Folgen der hohen Benzinpreise breiten sich aus. Trumps Zustimmungswerte fallen tiefer und tiefer. In zwei Wochen droht seinen Republikanern in den Zwischenwahlen eine schwere Niederlage.

Elektroautos verbreiten sich auf den Strassen der Europäischen Union. «Der Durchbruch ist da», wird der Chef von Volkswagen in der «Financial Times» zitiert. Für viele Europäer seien sie angesichts hoher Spritpreise wie «eine persönliche Deklaration der Unabhängigkeit».

Vor einem Jahr, im September 2025, übertrafen die Verkäufe von Benzinern jene von Elektroautos noch bei Weitem. Seit damals sind die Elektroauto-Verkäufe um 73 Prozent hochgeschossen, jene von Benzinern um fast ein Viertel eingebrochen, so Zahlen des Europäischen Automobilverbands. In der Schweiz verkauften sich Elektroautos im September mehr als doppelt so gut wie Benziner. Über Diesel-Fahrzeuge sagt ein hoher Manager der Volvo-Gruppe nur: «Das ist das Ende.»

Noch eine Folge des Iran-Kriegs: Es droht ein weiterer Preisschock, dieses Mal bei Erdgas.

Aus dem Nahen Osten kam lange nicht nur weniger Rohöl auf den Weltmarkt, sondern auch weniger Flüssigerdgas (LNG). Laut der Internationalen Energieagentur sind ungefähr 20 Prozent des sonstigen weltweiten Angebots betroffen. Dadurch kostet Erdgas in der Europäischen Union heute verglichen mit vor dem Krieg fast drei Mal mehr.

Die Preise werden keine Obergrenze kennen

Doch der wahre Härtetest kommt laut dem Magazin «The Economist» erst im Winter. Dann ist die Nachfrage höher. Dann müsste die Europäische Union auf ihre Gaslager zurückgreifen können. Eigentlich.

Doch kurz vor diesem Winter sind diese Lager weit weniger gut gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit. Europa hat abgewartet, als die Preise im Sommer hoch blieben statt wie üblich zu sinken, und kann jetzt nur hoffen, dass der Winter mild bleibt.

Kommt es so, sind die halbleeren Lager nicht weiter schlimm. Wenn der Winter jedoch bitterkalt ist, muss Europa in aller Welt flüssiges Erdgas suchen. Und es muss mehr zahlen, als ebenfalls klamme asiatische Länder. Ein früherer Energiebeamter Singapurs warnt im Magazin «Economist», es werde dann für die Preise «keine Obergrenze mehr geben».

In der Schweiz ist Erdgas wichtig, weil ein Viertel der Haushalte damit heizt. Und weil es im Winter den Strompreis entscheidend beeinflussen kann. Dann kommt es am europäischen Strommarkt häufiger vor, dass alle anderen Energieträger nicht ausreichen und die verbleibende Nachfrage gedeckt werden muss durch Stromproduktion aus Erdgas. Der Erdgas-Preis bestimmt dann den gesamten Strom-Preis. Das kann teuer werden.

Doch die Schweiz hat nicht bloss auf mildes Wetter gehofft – sie hat so gut es geht vorgesorgt: Sie hat schon länger gesetzlich vorgeschriebene Speicherkapazitäten. Neu besitzt sie eine Option zur Nutzung von Gas, das in der Schweiz durch eine Leitung von Frankreich nach Italien fliesst. Und sie hat mit Deutschland und Italien ein Solidaritätsabkommen abgeschlossen, wonach man bei einer Mangellage die privaten Haushalte gemeinsam schützen will.

Sicher ist wohl nur, was das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung so formuliert: «Aufgrund der Unsicherheitsfaktoren muss weiterhin mit eher hohen, volatilen Preisen gerechnet werden.»

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