
Die UBS steht unmittelbar vor dem Abschluss der Credit-Suisse-Integration. Das Riesenprojekt, dem zum Zeitpunkt der Ankündigung im März 2023 erhebliche Unsicherheiten innewohnten, kommt Ende Jahr pünktlich zum Ende.
Schon jetzt sei etwa 90 Prozent der technischen Infrastruktur der Credit Suisse nicht mehr in Betrieb, schreibt die UBS in ihrem am Mittwoch vorgelegten Bericht zur Geschäftsentwicklung im 3. Quartal. Bis Ende Dezember werden die letzten Systeme abgeschaltet. Dann ist von der ewigen Rivalin der nurmehr letzten Schweizer Grossbank nichts mehr übrig – ausser Geschichte.
Noch einmal fallen in den kommenden zwei Monaten Kosteinsparungen an. UBS nennt einen Betrag von 600 Millionen Dollar für das laufende, 4. Quartal, die danach nie mehr in der Erfolgsrechnung auftauchen sollen. In Summe wird die UBS bis Ende Jahr die kombinierten Betriebskosten der beiden Banken um 13,7 Milliarden Dollar gesenkt haben.
Diese Zahl entspricht rund 60 Prozent der Kosten, die Credit Suisse in ihrem letzten und überaus verlustreichen Jahr als selbständiges Unternehmen (2022) für den eigenen Betrieb erzeugt hatte. Und die Zahl ist mehr als ein Drittel höher als jene 10 Milliarden Dollar, die CEO Sergio Ermotti unmittelbar nach der Übernahme als Kostensenkungsziel genannt hatte.
30'000 Stellen weg
Der enorme Kostenrückbau war selbstredend nicht ohne einen ebenso spektakulären Personalabbau möglich. 2022 zählten die beiden Banken zusammen noch rund 124'000 Vollzeitangestellte. Ende September 2026 betrug die von UBS ausgewiesene Anzahl Mitarbeitende auf Vollzeitbasis noch 97'593. Allein im Berichtsquartal schrumpfte die Zahl der Angestellten um 1'492.
Nimmt man die externen Mitarbeitenden hinzu, hat sich UBS innerhalb von nur drei Monaten von 3'890 Personen getrennt, die bei der Bank ein Auskommen hatten. Im Zwölfmonatsvergleich beträgt der Stellenabbau 6'834 bei den Internen und 5'557 bei den Externen.
Trotz dieser eindrücklichen Dimensionen verlief die Schrumpfung und Integration der Credit Suisse bislang ziemlich geschmeidig. Ein Grund dafür ist, dass UBS ein Teil des Gewinns, den sie mit der zum Mini-Preis erworbenen Credit Suisse einstreichen konnte, als Schmiermittel für die Restrukturierung verwendet hat.
Ermotti und sein Management haben sich damit in der Öffentlichkeit, aber auch in der Politik und nicht zuletzt auch in der Investorenschaft Anerkennung verdient. Doch ohne die ständig zunehmenden Kosteneinsparungen wird das Leben an der Spitze der UBS anstrengender. Das ist bereits bei der Vorlage der aktuellen Quartalszahlen zu sichtbar geworden.

Gewisse Finanzanalysten monierten, die Bank habe ihre Ertragsschätzungen zum ersten Mal seit zwei Jahren lediglich erfüllt und nicht übertroffen. Postwendend kam der Aktienkurs unter Druck. Bei einem Kurs von derzeit gut 38 Franken pro Aktie bewertet die Börse UBS mit knapp 120 Milliarden Franken.
Diese Bewertung lässt sich mit den rund 5,5 Milliarden Franken vergleichen, die UBS aus dem Geschäftsjahr 2025 für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe verwendet hatte. Die davon ableitbare Rendite von 4,5 Prozent mag Investoren in der Schweiz genügen, zumal das Zinsniveau hierzulande viel tiefer liegt. In anderen Ländern dürften die Erwartungen der Anleger aber höher liegen. Diese weiter zu erfüllen, wird anspruchsvoller.
Hohe Erwartungen
Im Berichtsquartal hat UBS 3 Prozent weniger Ertrag und 4 Prozent weniger Gewinn erzielt als im Vorquartal und das letzte Quartal im Jahr fällt erfahrungsgemäss schwächer aus als das vorletzte. Zwar dürfte UBS 2026 dennoch mit einem Gewinn von über 10 Milliarden Dollar abschliessen (nach 9 Monaten waren es 8,5 Milliarden).
Aber nicht nur die Aktionäre warten auf grosszügigere Ausschüttungen. Auch die Schweizer Regierung pocht auf zusätzliche Rückstellungen zur Stärkung des Eigenkapitals und die UBS selbst möchte allzu gern mehr Geld für ihre eigene Expansion in den USA ausgeben.
Ob und wie das alles zusammenkommen soll, wird sich in den nächsten Monaten weisen, wenn sich auch der Nationalrat zum Thema Eigenmittelunterlegung der UBS äussern wird. Der Ständerat hat den Vorschlag des Bundesrates, sehr zum Missfallen der UBS-Führung, bereits zu 90 Prozent gutgeheissen. Seither kommen immer wieder Gerüchte über einen möglichen Umzug der UBS ins Ausland hoch. Zu Fragen über Chancen, Risiken und Kosten eines solchen Umzuges wollte sich Ermotti auf einer Telefonkonferenz mit Analysten nicht äussern.




