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Jahresabschluss

UBS zeigt sich stark und trittsicher – auch im neuen Streit um Holocaust-Vermögen

Ein Milliardengewinn erlaubt weitere Aktienrückkäufe – trotz politischer Kapitaldebatte. Ermotti zum UBS-Auftritt vor dem US-Senat: «Ich bin sehr zufrieden und stolz».
UBS-Chef Sergio Ermotti.
Bild: GIAN EHRENZELLER

UBS-Chef Sergio Ermotti sprach am Mittwoch von einer «exzellenten» Leistung, die seine Bank 2025 abgeliefert habe. Der Gewinn von 7,8 Milliarden Dollar fiel 53 Prozent höher aus als im Vorjahr, und im letzten Dreimonatsabschnitt des Berichtsjahres übertraf UBS die Erwartungen der Finanzanalysten und Marktbeobachter bei weitem.

Bei der Credit-Suisse-Integration, einer der «komplexesten Transaktionen in der Bankengeschichte», wie Ermotti sagte, habe man «grosse Fortschritte» erzielt. Die Integration dürfte 2026 endgültig abgeschlossen werden. Die ursprünglich genannten Kostensparziele sollten nach der Prognose der Bank erreicht werden.

Ganz ungetrübt ging die Feier der UBS trotzdem nicht über die Bühne. Trotz einer kräftigen Dividendenerhöhung und der Ankündigung eines weiteren grossen Aktienrückkaufs sank der Aktienkurs an der Schweizer Börse um mehr als 5 Prozent auf rund 35 Franken.

Andreas Venditti, Finanzanalyst und Bankenspezialist bei der Zürcher Vermögensverwalterin Vontobel, nennt auf Anfrage mehrere Gründe: Der grösste Gewinntreiber im Schlussquartal sei die Investmentbank gewesen, deren Erträge gelten im Markt als nicht sehr verlässlich und deshalb als qualitativ minderwertig. Auch hätten manche Beobachter auf einen grösseren Aktienrückkauf gehofft. UBS will auf diese indirekte Weise auch heuer wieder 3 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurückführen, obschon der Bundesrat der Bank eine deutliche Ausweitung des Kapitalkleides verordnen möchte.

Möglicherweise habe aber auch das Schweizer Geschäft hier und dort für etwas Enttäuschung gesorgt, mutmasst Venditti. Im Schweizer Geschäft waren Erträge, Gewinn und Rendite 2025 leicht rückläufig, was allerdings viel mit der Nullzinspolitik der Nationalbank und weniger mit der operativen Leistung der UBS zu tun haben dürfte. Nicht zuletzt lasse sich der gesunkene Aktienkurs aber auch als Reaktion auf den starken Kursanstieg im Dezember lesen, als die UBS-Titel um rund 8 Franken zugelegt hatten, gab der Finanzanalyst zu bedenken.

Wahrheitsfindung bei CS

Keinen kursrelevanten Einfluss hatte im Urteil Vendittis das Hearing vom Dienstag vor einem Ausschuss des US-Senats. Zwei UBS-Manager, Vermögensverwaltungschef Robert Karofsky und Rechtschefin Barbara Levi, mussten dem Ausschuss über neuere Erkenntnisse zu mutmasslichen Geschäften der vormaligen Credit Suisse mit Nazis vor und nach dem Zweiten Weltkrieg Rede und Antwort stehen.

Die Aufarbeitung jenes Kapitels der CS-Geschichte findet offensichtlich schon seit einiger Zeit hinter den Kulissen statt. Nun aber sind die Differenzen zwischen der Bank und einigen jüdischen Organisationen, allen voran dem Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, eskaliert. Auf die Frage, wie er das Hearing in Washington bewerte, sagte Sergio Ermotti am Mittwoch auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten: «Ich bin sehr zufrieden und stolz zu sehen, wie Barbara und Robert dieses Hearing gemeistert haben».  Es gehe darum, ein Problem zu lösen, das man von der Credit Suisse geerbt habe. Die UBS sei selbst an der Wahrheit interessiert, was sie mit dem Auftritt ihrer Manager an dem Hearing beweise, sagte Ermotti. Was man aber nicht wolle, sei, das Settlement von 1999 neu zu verhandeln.

1999 hatten sich die Schweizer Banken im Streit mit dem Jüdischen Weltkongress um den Verbleib von nachrichtenlos gewordenen Vermögen von Holocaust-Opfern auf eine pauschale Zahlung von 1,25 Milliarden Dollar geeinigt. Der Vergleich wurde von Richter Edward Korman abgesegnet. UBS möchte, dass Korman die Gültigkeit des seinerzeitigen Vergleichs erneut bestätigt. Anscheinend eskalierte der aktuelle Streit über Dokumente, welche die Bank nicht offenlegt. Ermotti sagte, für die Offenlegung von Dokumenten gegenüber Drittparteien sei eine Gesetzesänderung in der Schweiz nötig. Offenbar unterliegen die Dokumente dem schweizerischen Bankgeheimnis.

Der grosse Stellenabbau folgt im zweiten Halbjahr

Das gute Geschäftsergebnis von 2025 verdankte die UBS nicht zuletzt dem Schlussquartal, in dem der Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar 56 Prozent über dem Vorjahr zu liegen kam. UBS profitierte von einem hervorragenden Geschäftsumfeld. Ein global kräftiger Anstieg der Aktienkurse, ein relativ stabiles Zinsniveau und eine nach wie vor robuste Weltkonjunktur motivierten die Kunden der Bank zum Investieren. Die UBS profitierte mit höheren Gebührenerträgen, aber auch mit guten Ergebnissen im Handelsgeschäft sowie in der Finanzierung und Beratung von Unternehmen.

Auch der im Vergleich zur UBS-Rechnungswährung Dollar deutlich erstarkte Franken hat die Ergebnisse der Bank positiv beeinflusst, wie Finanzchef Todd Tuckner in der Telefonkonferenz einräumte. Nebst dem erwähnten Aktienrückkauf sollen die Aktionäre mit einer von 90 US-Cents auf 1,1 Dollar pro Aktie erhöhten Dividende am guten Jahresergebnis partizipieren.

Keine Angaben machte UBS zum erwarteten Stellenabbau nach Abschluss der CS-Integration in der Schweiz. Der Stellenabbau werde grossteils in der zweiten Jahreshälfte erfolgen, sagte Ermotti. In einer früheren Schätzung sprach die Bank von bis zu 3000 Kündigungen in der Schweiz. 2025 hat UBS weltweit rund 5500 Vollzeitstellen abgebaut. Der Abbau belief sich unter Einschluss von externen Mitarbeitenden sogar auf 9000 Stellen.

Die CS-Integration hat gemäss UBS bislang 13,4 Milliarden Dollar gekostet und jährliche Einsparungen von 10,7 Milliarden Dollar gebracht. 2026 sollen die jährlichen Einsparungen auf 13,5 Milliarden Dollar und die Integrationskosten auf 15 Milliarden Dollar steigen.

UBS-Chef Sergio Ermotti hat den Gewinn verdoppelt.
Bild: MICHAEL BUHOLZER

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