Was ist passiert?
In der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana brach nach Mitternacht ein verheerender Brand aus. 40 Menschen starben nach aktuellem Stand. 119 wurden verletzt, viele davon schwer. Die Behörden betonten an einer Medienkonferenz am Freitagnachmittag, dass sich diese Zahlen noch verändern können, da sich einzelne Betroffene erst verzögert in medizinische Behandlung begeben haben.
Wann und wo ereignete sich das Unglück?
Die ersten Notrufe gingen gegen 1.30 Uhr ein. Betroffen war ein zweistöckiges Lokal mit Bar- und Clubbereich. Der mutmassliche Brandherd lag im Untergeschoss, das nur über eine einzige Treppe erreichbar ist.
Wie verlief der Brand, und was war mit der Explosion?
Laut Behörden kam es zu einem sogenannten «Flashover». Dabei entzünden sich in einem stark erhitzten Raum schlagartig brennbare Gase. Innerhalb von Sekunden entwickelte sich ein Vollbrand mit extremen Temperaturen und mindestens einer Explosion.
Die Strafuntersuchung läuft in alle Richtungen. Laut Generalstaatsanwaltschaft erhärtet sich der Verdacht, dass Wunderkerzen, die auf Champagnerflaschen oder in Gläsern montiert waren, den Brand ausgelöst haben könnten. Sie sollen zu nahe an die Decke geraten sein. Diese Hypothese stützt sich auch auf Videoaufnahmen aus sozialen Medien.

Wer sind die Betroffenen?
Die Behörden bestätigen, dass es sich bei vielen Opfern um Jugendliche oder junge Erwachsene handelt. Unter den Betroffenen sind auch ausländische Touristen.
Die formelle Identifikation der Todesopfer läuft auf Hochtouren. Bei zehn der 40 Toten ist sie noch nicht abgeschlossen. Zum Einsatz kommen unter anderem DNA-Analysen, Zahnvergleiche sowie persönliche Gegenstände. Die Kriminalpolizei spricht von einem komplexen und zeitintensiven Prozess, bei dem Fehler unbedingt vermieden werden müssen.
Von den 119 Verletzten konnten 113 identifiziert werden. 71 stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, vier aus Serbien. Weitere Verletzte kommen aus Bosnien, Belgien, Luxemburg, Polen und Portugal. Bei 14 Personen ist die Nationalität noch unklar. Sechs Verletzte gelten formell weiterhin als nicht identifiziert.
Wie lief der Rettungseinsatz ab?
Feuerwehr, Sanität und Polizei rückten mit einem Grossaufgebot aus. Rund 40 Ambulanzen, 13 Helikopter und etwa 150 Rettungskräfte standen im Einsatz. Verletzte wurden unter anderem nach Sion, Lausanne, Genf und Zürich geflogen. Auch das Ausland leistete Hilfe.
Drei Personen werden in Baden-Württemberg behandelt, darunter eine in einer Stuttgarter Fachklinik und zwei in Tübingen. Insgesamt sind bis zu 50 Verlegungen in andere Schweizer Spitäler und ins Ausland vorgesehen, da die Behandlung schwerer Brandverletzungen sehr ressourcenintensiv ist.
Wie ist die Lage in den Spitälern?
Die Spitäler in der Westschweiz sind stark ausgelastet. Spezialisierte Betten für Schwerbrandverletzte sind knapp. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, vorübergehend auf risikoreiche Aktivitäten zu verzichten. Psychologische Betreuung wurde organisiert.
Was berichten Augenzeugen?
Zeugen schildern eine Eskalation innerhalb von Sekunden. Ein 19-Jähriger sagte gegenüber «24 Heures», Feuerwerkskörper an Flaschen hätten die Decke entzündet, «dann brach Panik aus». Eine junge Französin berichtete von einer «funkelnden Kerze in einer Champagnerflasche». «Wir haben nicht realisiert, dass es gefährlich war. In einem Bruchteil einer Sekunde stand alles in Flammen.» Mehrere Augenzeugen sprechen von dichtem schwarzem Rauch, schreienden Menschen und einer chaotischen Flucht über die enge Treppe.
Was weiss man über die Brandursache?
Die Ursache ist weiterhin unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehrere Richtungen. Ein Anschlag wird ausgeschlossen. Laut Generalstaatsanwaltschaft erhärtet sich der Verdacht, dass Wunderkerzen, die auf Champagnerflaschen oder in Gläsern montiert waren, den Brand ausgelöst haben könnten. Sie sollen zu nahe an die Decke geraten sein. Diese Hypothese stützt sich auch auf Videoaufnahmen aus sozialen Medien.
Untersucht wird insbesondere, ob der in der Decke verbaute Schaumstoff bewilligt und brandschutzkonform war. Ebenso klären die Ermittler, ob die vorgeschriebenen Brandschutzkontrollen durchgeführt wurden und welche Ergebnisse sie hatten. Zuständig dafür war die Gemeinde. Wann die letzte Kontrolle stattfand, ist derzeit offen.
Werden die Verantwortlichen bestraft?
Noch ist unklar, ob es zu strafrechtlichen Verfahren gegen Verantwortliche kommen wird. Auch eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung ist Gegenstand der laufenden Abklärungen. Für Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud hat derzeit die Identifikation der Opfer Priorität. Erst danach sollen weitere rechtliche Schritte geprüft werden.
Wie reagieren Politik und Öffentlichkeit?
Die Anteilnahme ist gross. Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der schlimmsten Tragödien der Schweizer Geschichte. Die Flaggen am Bundeshaus wehen fünf Tage lang auf halbmast, mehrere Städte, darunter Luzern, sagten Feuerwerke ab. Für Angehörige wurde eine Helpline eingerichtet. Aus vielen Ländern erhielt die Schweiz Beleidsbekundungen. (chm/pmü/mg/daw)






