
Während die «Arena» pausierte, schwitzte die Schweiz bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad. In Basel einmal gar zwei Wochen in Serie. Bisher rechneten Schweizer Meteorologinnen und Meteorologen für einen ganzen Sommer mit 14 solcher Hitzetage. Regen fiel kaum.
In der ersten «Arena» seit zwei Monaten kamen Menschen zu Wort, die besonders von Hitze und Trockenheit betroffen waren. Es waren dies:
- Martin Flury, Landwirt und Präsident des Verbands Schweizer Zuckerrübenpflanzer
- Monika Rellstab, Rentnerin
- Thomas Kuhn, Förster und Präsident Zürcher Forstpersonal
- David Bittner, Geschäftsführer Schweizerischer Fischereiverband
Ebenfalls in der «Arena», für eine Analyse des bundesrätlichen Umgangs mit dem Hitzesommer und eine Diskussion über politische Konsequenzen daraus:
- Lisa Mazzone, Präsidentin Grüne
- Ernst Wandfluh, Nationalrat SVP/BE
- Corina Gredig, Fraktionspräsidentin GLP und Nationalrätin GLP/ZH
- Hanspeter Hilfiker, Präsident Schweizerischer Städteverband und Stadtpräsident Aarau/FDP
Würden diese Gäste dem Sommer entsprechend die Diskussion im Studio Acht so richtig anheizen?
Wie Frau Rellstab bei über 30 Grad im Altersheim litt
Es waren jene ohne Amt in Bundesbern, die in dieser «Arena» besonders Eindruck hinterliessen. Denn ihre Erlebnisse zeigen, wie allumfassend die Folgen von Hitze und Trockenheit sind. Niemand blieb verschont.
Da war etwa Rentnerin Monika Rellstab. Sie sei froh, regne es wieder, sagte sie gleich zu Sendungsbeginn. Im unklimatisierten Altersheim am Zürichsee, da hätten sie diesen Sommer wirklich gelitten: «Es war schlimm».
Für Zuckerrübenpflanzer Martin Flury war der Sommer gleich «doppelt» zum Vergessen. Er sagte:
Doch nicht nur die Menschen, sondern auch Pflanzen und Tiere ächzten unter Hitze und Trockenheit. Deutlich machten das Förster Thomas Kuhn und David Bittner, der Geschäftsführer des Schweizerischen Fischereiverbands.
Die Bäume hätten bereits Mitte Juli das Verdunsten eingestellt und damit viel von ihrer kühlenden Wirkung eingebüsst, sagte Kuhn. Und wenn er heute in den Wald gehe, dann höre er kein Gezwitscher. «Die Wildtiere haben Probleme. Vermutlich ist die Mortalität bei ihnen höher, das sehen wir aber erst nächstes Jahr.»

Bittner hingegen präsentierte bereits eine erste, traurige Bilanz. Die ausgetrockneten Bäche und Flüsse hätten wohl für Millionen von Fischen und Krebsen den Tod bedeutet. Obwohl viele Fischerinnen und Fischer mit Notumsiedlungen vielerorts Schlimmeres verhindert hätten. «Das tut extrem weh», sagte er.
Wandfluh kontert Mazzone-Angriff auf Rösti
«Die Klimakrise ist voll angekommen in der Schweiz», konstatierte Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone nach rund einer Viertelstunde Sendezeit. Ebenso deutlich fiel ihr Urteil zur Reaktion des Bundesrats auf den Hitzesommer aus: Der habe zu wenig unternommen, gar klimapolitische Rückschritte gemacht.
Zum Beispiel störte sie sich daran, dass Bundesrat Albert Rösti vom Parlament gesprochene Gelder für den klimatauglichen Umgang mit dem Klimawandel gestrichen hat.
Die Genferin blieb in ihrer Kritik aber zurückhaltend und bezog sie vor allem auf den Gesamtbundesrat. Noch vor einem Monat attackierte sie UVEK-Vorsteher Albert Rösti frontal. Mazzone liess da mit der Forderung aufhorchen, ihm das Eidgenössische Departement für Umwelt (Uvek) zu entziehen.
Wenig überraschend fand SVP-Bergbauer Ernst Wandfluh das «total daneben». Es brauche jetzt Lösungen und keine Konfrontation, sagte er auf eine Frage von Moderator Sandro Brotz.
Aber wie sehen sie denn aus, die Lösungen?
Wandfluhs Vorschläge für den Umgang mit dem Klimawandel lassen sich unter einem Begriff zusammenfassen: Anpassung. Besonders in der Landwirtschaft.
Wie kürzlich im Interview mit watson forderte er neue Strassen zu Alpbetrieben, die Wasserlieferungen erleichtern sollen. Ausserdem brauche es höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte, dies würde die Bauern langfristig entlasten — Zuckerrübenpflanzer Flury pflichtete bei.
Den Vorwurf, die Landwirtschaft unternehme zu wenig fürs Klima, wollte er nicht gelten lassen.
Für Mazzone und Gredig von der GLP gehört zu Klimapolitik neben Anpassen auch Vorbeugen. Nur so liesse sich eine noch weitere Aufwärmung des Klimas verhindern, von der die Schweiz überproportional betroffen wäre. «Wir müssen schauen, was sofort machbar ist, zum Beispiel um mehr Wasser im Boden zu halten. Doch den Klimaschutz braucht es auch», sagte Gredig.
Klar sei es frustrierend, wenn sich Donald Trump und Wladimir Putin ums Klima foutieren. Doch die Schweiz könne trotzdem etwas bewegen. Zum Beispiel, indem sie auf den Verbrennermotor verzichtet und eine Vorbildfunktion einnimmt.
Städteverbandspräsident Hanspeter Hilfiker betonte derweil, dass nicht nur die einzelnen Massnahmen, sondern auch deren Abstimmung aufeinander entscheidend sei. Er hatte zuletzt einen nationalen Aktionsplan zur Anpassung an den Klimawandel gefordert. «Wir müssen schneller vorwärtskommen. Wir können nicht mit der normalen Erneuerungsrate von 50 bis 80 Jahren bei Häusern weitermachen», sagte er.
Nur mit einem koordinierten Vorgehen gelängen klimataugliche Anpassungen an städtischen Infrastrukturen schnell genug. Dazu zählt Hilfiker etwa die Installation von Klimaanlagen. In Spitälern oder in Altersheimen wie jenem, in dem Frau Rellstab lebt.
Eine unheilige Allianz für den Wald
Ganz so rot wie an manchem Hitzetag und vergangenen «Arena»-Runden wurden die Köpfe an diesem Freitagabend nicht. Doch oft schwang Dringlichkeit in den Worten mit, auf allen politischen Seiten. Immer wieder hiess es, man müsse jetzt «zusammenarbeiten» und «gemeinsam» nach Lösungen suchen.
Gemeinsames Vorgehen heisst in der Schweiz oft auch: eine Mehrheit finden. Entsprechend versuchte Moderator Brotz zu eruieren, bei welchen Themen seine Gäste wirklich gemeinsame Sache machen könnten.
Er habe sogar beim Vorstoss von GLP-Präsident Jürg Grossen für einen gesetzlichen Anspruch auf E-Ladestationen mitunterschrieben, sagte Ernst Wandfluh in Richtung von Corina Gredig. Und er stellte in Aussicht, bei den gestrichenen Millionen für den Wald «gucken» zu wollen, als Waldbesitzer sei er auch nicht ganz zufrieden mit dem Entscheid von Parteikollege Rösti.
Mazzone auf der anderen Seite wolle dafür die Landwirtschaft im Kampf um höhere Preise «begleiten» und sprach den Import von «Billigfleisch aus Brasilien» an, den es zu verhindern gelte.
Den Worten müssen nun Taten folgen.
Zumindest lässt sich die Aussage einer jungen Frau im Publikum so interpretieren, die kurz vor Ende der Sendung zu Wort kam. Ob sie daran glaube, dass die Politik ihrem Wunsch nach mehr Natur- und Klimaschutz nachkommen werde, lautete die Frage an sie. Die Antwort: «Es wird viel geredet, aber ich sehe nicht, dass genug gemacht wird.»

