Tessin

Affäre um Tessiner Staatsrat Zali: Erste Ergebnisse der Obduktion von toter Whistleblowerin

Wenige Wochen, nachdem sie kompromittierende Aufnahmen eines Gesprächs mit einem mächtigen Politiker veröffentlicht hatte, wurde eine Frau tot im Luganersee gefunden. Nun verriet die Polizei neue Details.

Die 52-jährige Frau, die mit heimlichen Tonaufnahmen den Skandal um den Tessiner Regierungsrat Claudio Zali ins Rollen gebracht hatte, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit ertrunken. Zu diesem Schluss kommt der vorläufige Obduktionsbericht, wie die Tessiner Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei am Freitag mitteilen. Hinweise auf eine Beteiligung Dritter am Tod der Frau hätten die bisherigen Ermittlungen nicht ergeben.

Auch eine andere offensichtliche Todesursache infolge einer Verletzung oder Erkrankung habe die Obduktion nicht ergeben. Noch ausstehend sind allerdings die Resultate der toxikologischen und Gewebe-Untersuchungen. Erst danach dürften sich genauere Aussagen zur Todesursache machen lassen. Die Ermittlungen laufen weiter, gesicherte Spuren werden untersucht und Zeugen befragt.

Die Schweizerin war am 18. August leblos im Luganersee gefunden worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Fall sorgte auch deshalb für Aufsehen, weil die Frau wenige Wochen zuvor auf Instagram heimlich aufgezeichnete Telefongespräche mit dem inzwischen zurückgetretenen Tessiner Regierungsrat Claudio Zali (Lega) veröffentlicht hatte.

«Verprügle sie!»

In einem dieser Gespräche bat die Frau Zali um Rat, weil sie sich von einer anderen Frau verfolgt fühlte. Zalis Antwort fiel unmissverständlich aus: «Verprügle sie!» In einem zweiten Gespräch sagte Zali, er könne einen Freund in Mailand anrufen, der ihn niemals verraten würde und das Problem über Drittpersonen lösen könne.

Dabei erzählte Zali auch, selbst schon gegenüber einer Frau gewalttätig geworden zu sein. Später relativierte er seine Aussagen: Bei der Frau habe es sich um eine Stalkerin gehandelt, die ihn über längere Zeit verfolgt habe. Er habe sie lediglich am Arm gepackt und von seinem Grundstück verwiesen.

Zali hat ein Strafverfahren am Hals

Die Tonaufnahmen belasteten Zali zusätzlich. Schon zuvor war bekannt geworden, dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs und der versuchten Nötigung läuft. Zali soll sich für einen inhaftierten 14-Jährigen eingesetzt haben, dessen Mutter er persönlich kennt. Der Jugendliche soll an der Freiheitsberaubung eines anderen Minderjährigen beteiligt gewesen sein.

Im Juni berief Zali eine Sitzung mit mehreren Verantwortlichen aus Justiz, Strafvollzug und medizinischer Betreuung ein, bei der es um die Unterbringung des Jugendlichen ging. Zali bestreitet, sich unzulässig in das Verfahren eingemischt zu haben.

Aufgrund des laufenden Strafverfahrens gab Zali am 23. Juli die Zuständigkeiten für Justiz und Kantonspolizei innerhalb seines Departements ab.

Später wurde zudem bekannt, dass sich Zali beim Tessiner Spitalverbund EOC für die Anstellung einer Bekannten eingesetzt haben soll. Ende Juli zog der 64-Jährige die Konsequenzen und kündigte seinen Rücktritt aus der Kantonsregierung per Ende September an.

Angriff auf die Frau bleibt ungeklärt

Eine weitere Frage bleibt derweil offen: Die nun tot aufgefundene Frau hatte angegeben, nach der Veröffentlichung der Tonaufnahmen angegriffen worden zu sein. Der Vorfall soll sich am 8. August ereignet haben. Die Frau erstattete Anzeige und wurde nach Angaben ihrer Anwältin in einer Notaufnahme behandelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter schwerer sowie einfacher Körperverletzung gegen Unbekannt. Diese Ermittlungen laufen weiter.

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