Sprachkonflikt

Lake America: Auch die Schweiz hat einen See verloren

Territoriale Wortgefechte in Amerika? Das können wir weit besser.

Kürzlich hiess er noch Lake Ontario, dann griff der amerikanische Triumphator ein. Seit ein paar Tagen heisst das Gewässer in der offiziellen Bezeichnung der US-amerikanischen Bundesverwaltung «Lake America»: Der Präsident aller Präsidenten hat eine nächste Ecke Welt dem Maga-Sprech zugeschlagen. Er hat ein Stück Sprache und Symbolik benutzt, um amerikanische Macht und nationale Identität zu demonstrieren.

Der Kartendienst von Google lief präsidial und überraschungslos bei Fuss: Wer in der Schweiz nach «Lake Ontario» sucht, wird in der Klammer die amerikanisierte Benamsung finden.

Steht der Einfall in Grönland bevor?

Als Schweizerin kratzt man sich angesichts der Zustände den Kopf und sucht nach Beweggründen. Ficht Trump mit der Seetaufe tatsächlich bloss einen Handelsstreit mit dem kanadischen Nachbarn aus? Steckt womöglich doch mehr dahinter: Bereitete er nun final seinen Grönland-Feldzug vor?

Hoch lebe der Föderalismus, in der Schweiz sind wir von ähnlicher Barbarei verschont. Hier haben die Alten das Wort, es herrscht die gewachsene Tradition. Das schönste Beispiel findet sich typischerweise in der Zentralschweiz. Stolz kann man sein auf so viel Konsensbildung.

Der Vierwaldstättersee ist das Schulbuchbeispiel. Er ist nach den vier historischen Waldstätten benannt. Die Namensfindung war Teambuilding. In Luzern käme man heute nicht einmal am 1. April auf die Idee, die Kolonialistin zu geben und auf einen «Luzerner See» zu pochen.

Ähnlich steht es um den Walensee. Die genaue Erklärung des Namens ist in der Forschung zwar umstritten. Wahrscheinlich ist es, dass am «See der Welschen» einmal die alemannisch-romanische Sprachgrenze verlief. Glarus und St. Gallen jedenfalls schluckten die Bezeichnung brüderlich.

Der Hallwilersee wiederum erinnert daran, dass die Grafschaft Hallwyl in der Gegend einmal den Ton angab. Das ist lange her, doch weder der Aargau noch der Kanton Luzern erheben seitdem Besitzansprüche. Und das, obwohl das Gewässer, finde ich, zu den reizvollsten der Deutschschweiz zählt.

Zürich muss einen See haben

Das Gegenbeispiel des Zürichsees bestätigt die Vermutung. Wir Schweizer sind ein Volk ohne Territorialansprüche. Mit einer Ausnahme. Klar haben am klaren Zürcher Wasser auch die Kantone St.Gallen und Schwyz ihren Anteil. Doch bloss mit ein paar unbeutende Badebuchten, nicht wahr? Die Vernunft soll obsiegen und Zürich bekommen, was Zürich gebührt.

Nun gibt es bei uns aber doch eine politische Analogie zum Lake America. Für die Trumpisierung eines Gewässers sorgt seit alters her – Deutschland. Keiner will’s gewesen sein, und doch: Der Name des schönen Bodensees, der auf den historischen Weiler Bodman zurückführt, heisst im englischen Lake Constance.

Konstanzer See! Wie kann das ein Land wie die Schweiz akzeptieren, da wir gefühlt flächenmässig denselben Anteil am Territorium halten? Man darf sich ruhig überlegen, ob es nicht an der Zeit ist, den grossen Bruder Deutschland rhetorisch zur Räson zu bringen. Vielleicht mit ein bisschen Trump-Vibes - und dem neuen Namen «Lake Freedom»?

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