Late Night Switzerland

Zwischen Bundeshaus und Lasagne bleibt bei Büsser der Biss auf der Strecke

Bei einem Pärchen wird Lasagne gestohlen, in den USA sorgt ein prominentes «Füdli» für Wahlkampf. Stefan Büsser hat dankbare Vorlagen – aber nur wenige verwandelt er in gute Pointen.

Vom Bundeshaus über den amerikanischen Wahlkampf bis in fremde Küchen: Stefan Büsser hangelt sich wieder durch die Schlagzeilen der Woche. Auch das neue SRF-«Guetnachtgschichtli» kommt kurz zur Sprache. Als Referenz passt es trotzdem erstaunlich gut zu diesem Fernsehabend: Denn bisweilen ist die Sendung eher Gute-Nacht-Unterhaltung als bissiges «Late Night».

Das «Gschichtli» vom Polizistenringer

Gleich zu Beginn erinnert Büsser daran, dass er bissig durchaus kann: Er erzählt von Thomas Aeschi (SVP). Dieser habe mit sich gerungen, ob er wirklich für den Bundesrat kandidieren solle – obwohl er erst vor gut zwei Jahren Vater geworden sei. Schliesslich habe er sein Interesse für das Amt nun bekundet. «Normalerweise ringt er ja lieber mit Polizisten auf der Bundeshaustreppe», ergänzt Büsser trocken und zeigt Aufnahmen der Überwachungskameras von damals. Das sitzt.

Auch die erwartete Rochade bei den Departementen nimmt er aufs Korn: Positiv sei, dass die neue Bundesrätin oder der neue Bundesrat beim VBS anfangen müsse. Dort könne man schliesslich kaum mehr etwas kaputt machen.

Das «Gschichtli» von den «Shitterms»

Die US-Zwischenwahlen werden von Büsser als «Shitterms» bezeichnet. Er zeigt Clips von Donald Trump, in denen «der orangene Mann» das kräftige «Füdli» eines seiner republikanischen Kandidaten kommentiert und zum Wahlargument macht. Das ist wunderbar absurd. Danach greift Büsser einen Satz des inzwischen gewählten Demokraten Abdul El-Sayed auf. Im Wahlkampf hatte Trump den muslimischen Politiker als «Jihadisten» bezeichnet und ihm eine Nähe zu Terroristen unterstellt. Auch die Bemerkung, El-Sayed müsse vor seinem Einzug in den Senat durch einen Metalldetektor, war Teil dieses islamfeindlichen Angriffs. El-Sayed konterte in einem Clip: «Ich gehe durch einen Metalldetektor, wenn du dich einem Lügendetektor stellst.»

Die allermeisten Gags bleiben jedoch beim erwartbaren Trump-Bashing stehen. Zum Schluss wischt Büsser die Bühne, während eine Montage zeigt, wie Trump immer wieder betont, er stehe selbst «on the ballot» (auf dem Wahlzettel). Das ist nett, aber schnell auserzählt. Für etwas Würze sorgt höchstens der scharfe Burger, den Büsser zum Schluss isst – so scharf, dass er kurz selbst ins Schwitzen kommt.

Das «Gschichtli» vom kochenden Einbrecher

Mitten in der Einbruchssaison entdeckt Büsser eine neue Spezies von Tätern: Einbrecher, die nicht nur klauen, sondern auch noch in fremden Küchen kochen. In Dietlikon ZH soll ein Eindringling zum Beispiel mehrmals unbemerkt in einem Restaurant gekocht haben. Einem Paar, so berichtet «Blick», wurde eine Lasagne aus dem Kühlschrank gestohlen. Es vermutet, die habe einfach zu gut gerochen. Auch ein Mann, der in ein Restaurant einbrach, um dort zu «töggele», gehört in diese skurrile Verbrechenschronik. Hier findet Büsser seinen Rhythmus: Die Geschichten sind köstlich absurd, die Lacher kommen fast von selbst. Tatsächlich ist er hier in Höchstform.

Das «Gschichtli» des schläfrigen Gastes

Für Musik sorgt Veronica Fusaro, deren Auftritt Bewegung ins Studio bringt. Comedian Sven Ivanić präsentiert einen Ausschnitt aus seinem Programm «Was weiss ich scho?». Sein Lied «Tour de Schwiiz», bei dem das Publikum zu jedem beliebigen Kanton eine Strophe zur Melodie des «Vogellisi» wünschen darf, bedient vor allem bekannte Klischees. Überraschendes kommt dabei kaum heraus.

Schliesslich tritt noch der «grosse» Gast des Abends auf die Bühne: Der FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, der 2027 für den Zürcher Regierungsrat kandidiert. Sympathisch: Seine Kinder schlafen zu Ueli Schmetzer ein – obwohl der bei der SP politisiert. Vielleicht werden sie dadurch aber noch zu Jungsozialisten, befürchtet Silberschmidt. Danach erzählt er: Als er das letzte Mal im Kaufleuten war, habe er unter dem Tisch statt auf dem Sofa gelegen. Er versucht, sich selbstironisch und locker zu zeigen.

Selbstironie gelingt ihm allerdings nicht durchgehend: Auf die Frage, weshalb man ihm eine kantonale Direktion anvertrauen sollte, antwortet er knapp: Es gebe definitiv schlechtere Kandidaten. Büsser hakt nicht nach, sondern erkundigt sich lieber nach seinen besonderen Fähigkeiten: Silberschmidt könne sehr schnell einschlafen, sogar im Ausgang. Nach diesem Auftritt überrascht das kaum.

«Late Night Switzerland» ist an diesem Sonntagabend zwischendurch ganz nett – vor allem, wenn Einbrecher Lasagne stehlen oder zum «Töggele» in Restaurants einsteigen. Dazwischen bleibt vieles vorhersehbar: vertraute Trump-Witze, alte Zürich-Klischees und Gäste, die blass bleiben. Das SRF-«Guetnachtgschichtli» war nur eine Randnotiz des Abends. Als Etikett für diese Ausgabe passt es trotzdem: mehr zum Wegdämmern als zum Wachbleiben.

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