Wer momentan eine Reise nach Madrid buchen will, dürfte über die Preise staunen. Die durchschnittliche Tagesrate für ein Hotelzimmer liegt bei 339 Euro. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr waren es 283 Euro. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Zug- und Flugreisen in die spanische Hauptstadt deutlich.
Was ist los in Madrid? Ein Grund dafür trägt einen bekannten Namen: Shakira. Im Rahmen ihrer «Las Mujeres Ya No Lloran World Tour», zu Deutsch «Frauen weinen nicht mehr», gibt die Kolumbianerin in diesen Wochen nicht ein oder zwei Konzerte in der Stadt, sondern gleich zwölf.
Im Tourbus von Stadt zu Stadt, quer durch Europa? Nicht diese Mal. Normalerweise reist der Star zu seinen Fans, begleitet von Lastwagen voller Technik: Die Bühne wird abgebaut, die Crew zieht weiter. Zürich, Paris, London, Berlin, Madrid. Bei Shakira läuft es in diesmal anders: Sie kommt zwar nach Europa, bleibt aber in Madrid – der Rest von Europa kommt zu ihr. Ganz neu ist das Modell nicht. Adele spielte 2024 zehn Konzerte in München, ebenfalls in einer eigens errichteten Arena. Mehr als 730'000 Menschen besuchten die Shows. Céline Dion spielt diesen Herbst eine Konzertserie in Paris.
Bis zum 11. Oktober bleibt die Kolumbianerin in Madrid und tritt an vier Wochenenden auf. Dafür wurde eigens ein temporäres Stadion für mehr als 50'000 Menschen pro Abend errichtet. «Vielen Dank an alle meine Fans, die aus so vielen verschiedenen Orten angereist sind um diese Show zu sehen!!», schrieb Shakira auf Instagram. Tatsächlich reisen Fans aus ganz Europa und darüber hinaus an: aus Frankreich, Deutschland, Grossbritannien oder Italien, einzelne sogar aus Chicago oder Dublin. Auch deshalb habe sie für sie gleich «eine ganze Stadt» geschaffen: Rund um das Stadion entstand mit dem Macondo-Park eine Erlebniswelt mit Gastronomie, Ausstellungen und Workshops. Aus einem Konzertabend soll so ein ganzer Shakira-Tag werden.
Aus dem Konzert wird eine Reise
Und die Fans nehmen dafür einiges an Weg auf sich, das zeigen die Verkehrsdaten. Am ersten Konzertwochenende stieg die Nachfrage nach Zugreisen deutlich. Auf der Strecke von Barcelona nach Madrid verzeichente die Reiseplattform «Trainline» 110 Prozent mehr Nachfrage als am Wochenende davor.
Auch in der Luft zeigt sich der Effekt. Nach Daten von «Amadeus Travel Intelligence» lagen die Buchungen für Inlandsflüge nach Madrid zwischen dem 18. September und dem 4. Oktober 35 Prozent über dem Vorjahresniveau, bei internationalen Flügen betrug das Plus 5 Prozent. Aus Schweizer Sicht fällt eine weitere Zahl auf: Beim Flugportal «Kiwi» stiegen die Suchanfragen aus der Schweiz nach Madrid für den Zeitraum der Residency um 149,8 Prozent.
Die Unterkunftsplattform Booking.com registrierte für die Konzertwochen 56 Prozent mehr Suchanfragen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch die Preise stiegen an.
Die Stadt Madrid verdient mit
Von diesen Reisen profitiert die Stadt. Der Ökonom Albert Guivernau schätzt gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE, dass die zwölf Konzerte direkte Ausgaben von 150 bis 200 Millionen Euro auslösen könnten. Für einen eigens angereisten Besucher veranschlagt er 500 bis 700 Euro für Ticket, Unterkunft, Gastronomie, Verkehr und Freizeit, bei internationalen Gästen teils mehr als 800 Euro.
Allein für den Eintritt zahlen die Fans einiges: Reguläre Tickets kosten laut Live Nation zwischen 73,50 und 181,50 Euro, VIP-Pakete bis zu 725 Euro. Hinzu kommen Zug oder Flug, Hotel und Verpflegung. Was Madrid zusätzliche Einnahmen bringt, macht aus dem Konzertbesuch für die Fans schnell eine kostspielige Städtereise.
Grossveranstaltungen als Tourismusmagnet sind in Madrid durchaus gewollt. Im Tourismusplan 2024 bis 2027, auf den das Tourismusbüro der Stadt verweist, spielen strategische Events ausdrücklich eine Rolle. Sie sollen Besucher anziehen und die touristischen Ausgaben erhöhen.
Rechnet sich das auch für Shakira?
Auf der Produktionsseite könnte die Residency Kosten sparen: Transporte zwischen den Konzertstätten und wiederholte Auf- und Abbauten entfallen zumindest teilweise. Dem stehen Investitionen in die eigens errichtete Infrastruktur gegenüber. Ob Shakira und der Veranstalter «Live Nation» damit tatsächlich günstiger fahren, lässt sich nicht sagen. Wie viel die Residency kostet und wie sich die Rechnung im Vergleich zu einer klassischen Europatournee präsentiert, legt Live Nation nicht offen.
Ob solche Residenzen die klassische Tournee ersetzen werden? Das Modell setzt jedenfalls Stars voraus, für die Fans nicht nur ein Ticket kaufen, sondern gleich eine Reise buchen.






Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.