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Kino

Dieser Schweizer Film wagt ein faszinierendes Technik-Experiment

Seinen neuen Film «Nacktgeld» hat Regisseur Thomas Imbach ausschliesslich im Studio mithilfe einer speziellen Technologie gedreht. Das Ergebnis verblüfft.
Virtueller Hotelkorridor, Schauspielerin aus Fleisch und Blut: Deleila Piasko in ihrer Rolle als Lili.
Bild: Okofilm Productions

Das Spannendste am Film «Nacktgeld» ist sein Hintergrund. Klingt wie eine Kritik, ist hier aber ein Kompliment. Regie geführt hat der Schweizer Filmemacher Thomas Imbach, den man für seine technischen Experimente kennt. Und ein solches wagt er auch diesmal, indem er für «Nacktgeld» eine Technologie namens «Virtual Production» einsetzt.

Einzelne Hollywood-Filme nutzen «Virtual Production» schon länger; «Nacktgeld» ist der erste Schweizer Kinofilm, der das Verfahren durchgehend anwendet. Dabei werden Schauplätze digital nachgebaut und live auf eine Studioleinwand projiziert, vor der dann die Schauspieler agieren. Im Gegensatz zum Greenscreen fühlt sich das Schauspiel so natürlicher an, während sich teure Reisen an spezielle Drehorte erübrigen.

In «Nacktgeld» erfüllt die Technologie aber auch eine inhaltliche Funktion. Denn Imbach erzählt darin die Geschichte aus Arthur Schnitzlers Novelle «Fräulein Else» (1924), die Schnitzler als inneren Monolog gestaltet hat. Die junge weibliche Hauptfigur erhält das unmoralische Angebot, sich für eine hohe Summe auszuziehen. Darüber denkt sie panisch nach, bis sie sich in einen regelrechten Wahn hineinsteigert.

Dadurch, dass Imbach seine Hauptfigur Lili (Deleila Piasko) vor absichtlich grob animierte Digital-Schauplätze pflanzt, kann er ihre Entfremdung abbilden. Und weil der virtuelle Hintergrund zwar dreidimensional gestaltet ist, aber wegen der Leinwand manchmal doch flach wirkt, erhält Lilis Auftritt etwas Bühnenhaftes, Ausgestelltes. Eine einnehmend irritierende Seherfahrung.

Nacktgeld: Im Kino.

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