Sam Altman

«Geil und einsam»: Ein pikanter Chat wird für ChatGPT-Boss zur Falle

Sam Altman, der Chef von OpenAI, wird im Internet vorgeführt. Dabei geht es nicht nur um ihn, sondern um grundlegende Fragen im KI-Zeitalter.
Hoops! Hat Sam Altman nun gechatet oder nicht?
Bild: Aurelien/Morissard/AP

Egal wie viel ein CEO arbeitet, er hat immer auch ein Privatleben. Er isst, schläft, verliebt sich – oder ist auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer. Das gilt auch für Sam Altman, jenen Mann, der ChatGPT gross gemacht hat. Einen Einblick in sein Liebesleben gibt ein Chatverlauf, der derzeit durchs Internet gereicht wird.

Der Chef von OpenAI schreibt einem jungen Mann auf Grindr, einer Dating-App für Homosexuelle. «Ich bin geil und einsam.» Und dann: «Möchtest du zu mir kommen?» Der Mann weist ihn freundlich zurück, auffallend freundlich sogar. Darauf stellt Altman eine Frage, die kaum besser zu ihm passen könnte: ob er ChatGPT benutzt habe, um diese Absage zu formulieren.

Natürlich geht diese Geschichte viral. Sie wirkt stimmig, weil jedes Detail so sauber an seinem öffentlichen Bild andockt: der mächtige Tech-CEO, privat bedürftig, der Erfinder von ChatGPT, der selbst in einem intimen Moment seiner eigenen Maschine begegnet. Das Internet ist entzückt.

KI-Fakes sind die neuen Digtalfotos

Doch es ist alles erlogen. Der US-Comedian und Musiker Jake Schroeder hat sie erfunden und als eine Folge gefälschter Screenshots ins (digitale) Leben gerufen. Alles wirkt echt, alles ist fake. Und die Story hat ein juristisches Nachspiel.

Die Rechtsabteilung von OpenAI meldet sich bei Schroeder. Er soll die Posts wieder löschen. Nachdem er der Aufforderung nicht Folge leistet, werden ihm dafür 500 Dollar angeboten. Nun ahnt man es: Auch dieser Teil der Story, den der Comedian mit Screenshots belegt, ist erfunden. US-Medien haben bei OpenAI nachgefragt. Es fand nie ein Austausch zwischen Schroeder und Altman oder Mitarbeitenden seiner Firma statt.

Der Vorfall wirft Fragen auf. Etwa diese: Kann man einem Screenshot heute noch trauen? Die Antwort fällt leicht: Nein. Im KI-Zeitalter lässt sich so gut wie alles mit wenig Aufwand fälschen – ein Prompt, und Wahrheit wird zur Lüge. Natürlich ist das Spiel mit Fälschungen bei Comedians beliebt. Man denke etwa an den Stinkefinger, den Jan Böhmermann 2015 angeblich in ein Video des damaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis montiert haben soll. Und natürlich ist Satire in gewissem Sinne immer eine Lüge, weil sie die Realität nicht akkurat abbildet.

Doch nun ist etwas anders. Es schert sich kaum mehr jemand darum, ob etwas real ist oder nicht. Das liegt einerseits daran, dass die Realität immer absurder wird – einen Präsidenten wie Trump hätten sich Satiriker vor Kurzem noch nicht ausgedacht, weil er zu absurd gewesen wäre. Andererseits liegt es auch daran, dass die Absurdität immer realer wird – KI-Fakes sind so einfach zu erstellen wie ein Digitalfoto.

Weshalb das eine Falle war

Jüngst machten Kulturschaffende aus der Schweiz auf diesen Missstand aufmerksam. Sie stellten sich hinter die Internet-Initiative, die im März lanciert wurde und den Bundesrat in die Pflicht nimmt, strenger gegen Tech-Firmen bei Fake News vorzugehen. Denn derzeit ist die juristische Situation unklar. Bundesrätin Karin Keller-Sutter weiss das aus eigener Erfahrung. Ein Internet-User nutzte den Chatbot Grok von Elon Musk, um sie zu beleidigen. Die Bundesrätin reichte Strafanzeige ein. Doch wer ist schuld? Der Nutzer oder der Betreiber des Chatbots?

Bei den diffamierenden Posts gegen Sam Altman kam es bisher zu keiner Strafanzeige. OpenAI verlangte offenbar nicht einmal, dass die gefälschten Screenshots, die den Chef der Firma beleidigen, gelöscht werden. Man hat erkannt: Das ist eine Falle. Denn würde man eine Löschung beantragen, öffnete das Tür und Tor für eine Regulierung von KI-Fakes. Daran hat Sam Altman kein Interesse. Lieber wilder Westen.

Privat könnte es aber durchaus rumort haben. Sam Altman ist verheiratet und hat mit seinem Partner einen einjährigen Sohn.

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