Interview

Dolly Parton: «Nicht nur Mädchen, auch Jungs steht es gut, Feministen zu sein»

«Schweiz heute» hat vor drei Jahren ein Interview mit Dolly Parton über Feminismus, Diversität und Politik geführt. Aus Anlass ihres Todes bringen wir die besten Passagen noch einmal.
«Girl-Power? Her damit!» Dolly Parton mit ihrem Patenkind Miley Cyrus 2019.
Bild: Keystone

Dolly Parton, Sie haben viel zur Gleichberechtigung im von Männern dominierten Musikgeschäft beigetragen.

Dolly Parton: Es hat sich eine Menge bewegt seit den 1960er-Jahren. Ich möchte aber nicht das eine Geschlecht gegen das andere ausspielen. Hauptsache ist, dass Frauen überall eine faire Chance haben.

Haben Sie sich als Frau je benachteiligt gefühlt?

Nein. Ich habe mein Geschlecht nie als Hindernis betrachtet. Doch selbstverständlich bin ich überwältigt, was für tolle, einzigartige Frauen heute in der Country- und Popmusik reüssieren. Man kann nie genug haben. Girl-Power? Her damit! (Lacht.) Ich stehe hinter den Frauen – aber ich liebe auch die Männer.

Sie zögern, sich als Feministin zu bezeichnen. Weshalb?

Ich bin keine grosse Freundin solcher Definitionen. Ich bin eine Frau, ich habe Karriere gemacht, ich lebe wohl ein Leben nach den Vorstellungen des Feminismus und zeige der Welt seit vielen Jahren, wozu Frauen fähig sind. Ich hoffe, dass ich ein gutes Vorbild bin. Wenn Sie mich unbedingt zur Feministin erklären möchten, dann ist das okay. Aber: Nicht nur Mädchen, auch Jungs steht es gut, Feministen zu sein.

Für den Film «Transamerica» (2005) mit einer Transfrau in der Hauptrolle haben Sie einen Song geschrieben. Sehen Sie sich als Vorreiterin bei gesellschaftlichen Fragen um das Thema Diversität?

Ich dulde vieles und verurteile nicht gern. Ich tendiere dazu, das Bestehende zu akzeptieren. Wenn ich jedoch die Chance habe, ein Licht auf ein Thema zu werfen, das mir am Herzen liegt, dann knipse ich dieses Licht an. So war es auch bei «Transamerica». Ich mache aber nicht viel Aufhebens um diese Fragen. In meinem Freundeskreis sind die Menschen superdivers, und ich liebe sie so, wie sie sind. Ich weiss, wie schwer es für diese Menschen ist. Nicht alle sind so aufgeschlossen wie ich. Deshalb nutze ich gern meine Möglichkeiten als Künstlerin, um für mehr Akzeptanz zu werben.

Wenn Sie auf die heutige Weltlage schauen. Wie zuversichtlich sind Sie?

Obschon ich eine Optimistin bin, glaube ich nicht, dass wir alles zum Besseren wenden können, hoffe aber, dass es uns gelingt, auf dieser Welt weiterzuleben. Ich wünschte mir eine Welt, in der die politische Stimmung nicht so vergiftet ist. Heute kannst du in der Familie kaum noch zu Abend essen, ohne in eine unschöne politische Auseinandersetzung zu geraten. Manchmal will ich mich schon gar nicht mehr mit Leuten treffen, sondern lieber gleich zu Hause bleiben.

Sie selbst tun viel Gutes.

Gott war sehr gut zu mir, und ich will das Gute weitergeben. Aber ich will niemanden mit einer Predigt nerven oder den Leuten erzählen, sie müssten eine Christin sein wie ich. Oder was auch immer. Glaube an dich, aber glaube bitte auch an irgendetwas, das grösser ist als du selbst.

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