Zur 50. Ausgabe von «Late Night Switzerland» gibt es Kuchen. Und, erfreulicherweise, auch ein paar gute Pointen. Stefan Büsser ist diesmal besser als auch schon. Vielleicht hat Murat Yakin nicht nur die Schweiz verzaubert, sondern auch ihn. Der Nationaltrainer versteht offenbar nicht nur etwas von Aufstellungen, sondern auch davon, eine Vorlage zu verwerten.
Die witzigste Pointe
Die SVP liefert Büssi das Material praktisch frei Haus. Bei der Suche nach möglichen Bundesratskandidaturen weiss der eine noch nichts von seinem Glück, bei der anderen redet der Ehemann entscheidend mit, und eine dritte ruft betrunken während einer Polizeibefragung Guy Parmelin an. Büssi bündelt das zu einer ziemlich treffenden Beobachtung über die Partei, die so gerne von Selbstbestimmung spricht.
Das ist gut aufgebaut und tatsächlich lustig. Auch wenn man sich bei solchen Vorlagen fragt, wie viel die Redaktion noch dazuschreiben musste. Die SVP hat den ersten Entwurf offenbar selbst geliefert. Auch die Verbindung von Klimawandel und SVP gelingt: Wenn die Seen weiter austrocknen und die Schweiz plötzlich mit Deutschland zusammenwächst, müsste sich doch auch diese Partei für Gegenmassnahmen begeistern lassen. Gut gemacht, Herr Büsser.
Der Fail
Dass im neuen Haus von Roger Federer Licht brennt, war den Medien mehr als eine Nachricht wert. Büssi macht sich zu Recht über die aufgeregte Berichterstattung lustig. Der Lichtschalter des berühmtesten Schweizers hat vermutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten als so manches politische Geschäft. Als Einstieg funktioniert das. Dann mietet sich die Sendung aber selbst ein imaginäres Beobachtungsboot und schaltet via Drone immer wieder zur animierten Federer-Villa. Da blinkt etwas, da bewegt sich jemand, da schaut Roger Fernsehen. Und wir schauen Roger beim Fernsehen zu. Wie schon ein Nachbar Federers im Interview sagt: «Interessiert niemanden.»
Der Gast
Mehr zu erfahren gäbe es dafür bei Murat Yakin. Dass er gut aussieht, wissen wir inzwischen. Dass er auch schlagfertig ist, macht ihn für diesen Abend interessanter. Der Nationaltrainer hat einen trockenen Humor und lässt Büssis Vorlagen gelegentlich ganz woanders landen als vorgesehen. Als Büssi über die Langeweile von Schach und Schweizer Fussball spottet, erklärt Yakin, er habe noch keinen guten Gegner gehabt. Im Schach oder im Fussball, will Büssi wissen. Im Schach, präzisiert Yakin. Endlich einmal ein Austausch, bei dem eine Antwort mehr ist als die Wartezeit bis zur nächsten vorbereiteten Frage. Auch Büssi wirkt dabei wacher. Die beiden können miteinander, und das Publikum kann offenbar sehr gut mit Yakin. Seine trockenen Antworten helfen der Sendung mehr als jede weitere Dronenfahrt zu Federer. Trotzdem arbeitet sich Büssi auffällig durch seine Fragen: Frau und Yoga, Golf und Trainingslager, Führungsstil und Zukunft. Man hört beinahe das Häkchen nach jedem Thema. Yakin liefert mehrfach eine Gelegenheit, etwas länger bei ihm zu bleiben, doch Büssi geht weiter.
Dabei hätte dieser Jubiläumsabend durchaus ein gemütlicheres Gespräch vertragen. Kuchen ist da. Ein Gast, der etwas zu erzählen hat, auch, obwohl er den Kuchen ablehnt. Man müsste ihm nur gelegentlich folgen, statt bereits die nächste Frage abzulesen.
Bligg ist auch da. Er feiert seinen 50. Geburtstag und 30 Jahre Musik. Er performt und kündigte eine grosse Show an. Das reicht hier fürs Erste.
Die Jubiläumsausgabe hat ihre Längen. Aber sie zeigt, dass Büsser einen Abend tragen kann, wenn die Pointen sitzen und ein Gast zurückspielt. Yakin sollte man dafür vielleicht öfter einladen. Federer könnte derweil einfach in Ruhe das Licht einschalten.






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