Kurz nach Erscheinen Ihres Buches «EVA.», in dem Elon Musk die Hauptfigur ist, wurde dieser zum ersten Billionär der Menschheit. Sahen Sie das kommen?
Matthias Ackeret: Sie meinen wie Jules Verne, der alles vorausgesehen hat? Nicht direkt, aber in meinem Roman wird er schon als reichster Mann der Welt bezeichnet.
Ihr letzter Roman «Der Magier von Hiva Oa» handelte von Immobilientycoon René Benko, der danach noch tiefer fiel. Sie scheinen sich besonders für Extrem-Unternehmer zu interessieren.
Sie haben recht, gefallene Engel haben mich immer fasziniert. Im aktuellen Roman flüchtet Musk vor den Rache- und Eifersuchtsgelüsten des amerikanischen Präsidenten ins leerstehende Hotel Belvédère am Furkapass, diesen faszinierenden Lost Place am Rhonegletscher, wo er auf die bekannte TV-Moderatorin Eva trifft. Dies ist durchaus im Bereich des Möglichen; der mächtigste Mensch der Welt verträgt – wie wir mittlerweile wissen – langfristig keine Konkurrenz in seinem Umfeld, vor allem nicht im monetären Bereich.
Sie halten die Handlung nicht für völlig abwegig?
Ich versuche in meinen Romanen immer eine Option der Wirklichkeit aufzuzeigen, also eine Art fiktionalisierte Realität. «Mein» René Benko, der im Roman Remo Blanko heisst, flüchtet vor allem Ungemach, das ihn momentan begleitet, auf eine weit entfernte Südseeinsel. Eine österreichische Zeitung hat anschliessend geschrieben: Hätte sich Benko nur an diesen Ratschlag gehalten.
Verkörpert Musk für Sie Genie oder Wahnsinn?
Beides. Jedenfalls handelt es sich bei Elon Musk bereits heute um eine literarische Figur, ebenso wie beim amerikanischen Präsidenten. Hätte jemand vor zwanzig Jahren gesagt, dass Trump zum mächtigsten Mann der Welt und Musk zum reichsten Menschen und Marseroberer wird, hätte man dies als reine Science-Fiction abgetan. So gesehen ist «mein» Musk viel realistischer, als es momentan noch scheinen mag.
Auch Sie sind Unternehmer. Gibt es etwas, das Sie als kleiner Verleger vom grossen Musk lernen können?
Ja, im Mikrobereich, in dem ich mich bewege, sicher. Alles ist möglich. Oder zumindest: Alles ist zumindest einmal denkbar.
Was bedeutet Ihnen Geld?
Ganz unoriginell: der Treibstoff für ein materiell sorgenfreies Leben.
Ferienzeit ist Lesezeit. Was sind – nebst «EVA.» – Ihre Buchtipps für diesen Sommer?
Ich war kürzlich mit Benedikt Weibel und Peter Rothenbühler am Bielersee wandern. Anschliessend habe ich nach vielen Jahrzehnten wieder einmal Dürrenmatts «Der Richter und sein Henker» gelesen, der in dieser Region spielt. Grossartige und zeitlose Literatur.
Was lesen Sie in den nächsten Ferien?
«Freiwürfe mit einem Diktator» von Tom Kummer, «Das Beret des Comandante» von Matthias Wipf und «Rosenkrieg» von Sibylle Kappeler.
Sie sind ein News-Junkie. Warum ist für Sie Literatur neben dem schnellen Lesen überlebenswichtig?
Weil Literatur manchmal realistischer ist als die vermeintliche Realität.
Welches Buch hat Sie am stärksten geprägt?
«Ein fliehendes Pferd» von Martin Walser.


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