Wäre sie am 4. August 1962 nicht gestorben, würde Marilyn Monroe am 1. Juni 100 Jahre alt werden: Bis heute ist die Ikone das Synonym für den Machismo von Hollywood im letzten Jahrhundert und für die Emanzipation einer Frau, die das System für sich genutzt hat. Der Underdog Norma Jeane erzog sich selbst zur öffentlich verfügbaren Monroe. Eine Männerfantasie gemacht von ihr selbst.
Eine als Naturgewalt angekündigte Ausstellung in Zürich – sie wandert später weiter nach Los Angeles, Paris, London - verkauft diese Leistung als Spektakel. Als «immersives» Spektakel sogar. Doch «Becoming Marilyn Monroe», so heisst die Show, ist eine Mogelpackung. Denn mehr als Kopftheater, Hörspiel, Kindheitsfotos, Zitate an der flachen Wand und ein paar Filmplakate gibt es nicht.
Fair enough: Es gibt die Möglichkeit, auf einem nachgebauten Set ein Selfie mit Ex-Filmpartner Cary Grant zu schiessen. Oder in einem Tonstudio die Geräusche zu einem Monroe-Film selbst herzustellen. Doch die meiste Zeit des 60-minütigen Rundgangs steht man sich die Beine in den Bauch. «Becoming Marilyn Monroe» ist ein MM-Lehrgang für Dummies.
Das wäre nicht schlimm, erzählte die Show ihr Leben nicht auf eine derart verfälschende, oberflächliche Weise, die an Rufmord denken lässt. Kaum ein Wort über Krisen, Fehlgeburten, männlichen Hetzkampagnen, kein Ton zu ihrem angekündigten Suizid. «Becoming Marilyn Monroe», gut gemeint, schlecht gemacht, ist, als würde die MM ein zweites Mal mundtot gemacht. Zu ihrem 100. Geburtstag sogar mit voller Absicht.


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