Wer Andreas Brunners Ausstellung betritt, landet in einer Landschaft, als hätte jemand Zukunft, Ruinen und Flughafenterminal in denselben Raum geworfen. Viel Luft liegt zwischen schwarzen Gebilden, Leuchtröhren glimmen, Bildschirme flackern. Alles beginnt sofort, im Kopf weiterzuarbeiten.
Island als zweiter Lebensmittelpunkt
Brunner, 1988 in Zürich geboren, in Meggen aufgewachsen und 2025 mit dem Publikationspreis «spot on» ausgezeichnet, studierte nach dem Vorkurs Kunst in Luzern. Ein Austausch führte ihn nach Reykjavík, später absolvierte er dort den Master. Aus dem eher zufälligen Island-Abstecher wurde ein zweiter Lebensmittelpunkt. Als 20-Jähriger sei er erstmals dorthin gereist, erzählt er, nach dem Finanzcrash, als das Land plötzlich erschwinglich geworden sei. Heute halten ihn Freundschaften, sein Netzwerk und isländische Werkbeiträge dort. Entwurzelt ist er dennoch nicht: «Mein Herz gehört schon den Alpen.»
Mit «Spot on Andreas Brunner» zeigt das Kunstmuseum Luzern seine erste Einzelausstellung im Haus. Kuratorin Eveline Suter präsentiert Arbeiten, die das Publikum hier noch nicht gesehen hat. Brunners Kunst entwickle sich oft aus früheren Recherchen weiter. Nebenprodukte würden zu neuen Hauptwerken. Diese Transformation sei spannend: Er entdecke etwas, verwandle es und lasse uns nicht recht wissen, was wir sehen. Dafür umso mehr denken.
Die Werbung leuchtet weiter, wirbt aber für nichts mehr
Das gilt vortrefflich für «Compound Fracture». Auf eigens gebauten Sockeln stehen schwarze Formen, die wie futuristische Burgen oder zerbrochene Architekturmodelle wirken. Tatsächlich sind es Stützformen aus Quarzsand, Abfallprodukte eines industriellen 3-D-Druckprozesses. Das Objekt, das sie einst getragen haben, fehlt. Die Krücken werden selbst zu Skulpturen. Brunner reizt der hohe Grad an Abstraktion. Und der Zufall modelliert mit.
Fast körperlos wirkt «Substitute for a Sunset». Brunner hat die Beschriftungen von Leuchtreklamen abgeschliffen und das Acrylglas poliert, bis nur noch das Innenleben übrig bleibt. Die Werbung leuchtet weiter, wirbt aber für nichts mehr. Der Apparat bleibt, der Sinn ist verschwunden. Ein verführerisches Skelett, kühl, schön und unheimlich.
Endloser Rhythmus aus Verschwinden und Wiederkehr
Daneben brennt in «A Leveling Blaze Vol. 2» Hoffnung ab. Zwei Videos, präsentiert wie Anzeigetafeln eines Flughafens, zeigen japanische Zigaretten der Marken «Hope» und «Peace». Während die eine verglüht, läuft die andere rückwärts und baut sich wieder auf. Ein endloser Rhythmus aus Verschwinden und Wiederkehr, Einatmen und Ausatmen. Man starrt auf den glühenden Horizont wie auf einen Sonnenuntergang. Nur dass hier nicht die Sonne sinkt, sondern ein Markenversprechen verpufft.
Brunner spricht nicht von Sinnentleerung. Er lenke die Bedeutung in eine andere Richtung. Darin liegt der Reiz dieser mit viel Leere gefüllten und doch mächtigen Ausstellung: Die Dinge haben ihre Funktion verloren. Und gewinnen eine offene Zukunft.
Die Ausstellung «Spot on Andreas Brunner» dauert bis 11. Oktober 2026.







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