«Die Liegende», so der knappe Titel des grossen Gemäldes, räkelt sich. Wo? Es könnte im Inneren einer Wohnung sein. Vielleicht auf dem Balkon, vielleicht draussen, vielleicht im eigenen Garten. Sie ist unbekleidet. Oder nicht? Einen Schuh trägt sie jedenfalls. Nur einen. Es macht einen ungezwungenen, spontanen Eindruck. Andere Kleidungsstücke sind höchstens angedeutet. Es ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass sie geniesst.
Bei vielen Gemälden des Luzerner Künstlers Hans Eigenheer ist das Wichtige auf den ersten Blick erkennbar. Und dann kommen spannende Nebenfragen, die zum genaueren Erkunden verleiten. Oft fügen sich die Details stimmig ins Ganze ein, wie hier etwa Flasche und Apfel. Anderes darf rätselhaft bleiben, assoziativ wirken.

In solchen Gemälden, die zum Kern der aktuellen Ausstellung gehören, ist Hans Eigenheer klar der abstrakten, sehr expressiven Malerei verbunden. Doch während diese oft auf Reduktion bedacht ist, fasziniert Eigenheer gerade auch mit dieser Fülle von Details.
Er hat sein Werk einem Schüler anvertraut
Hans Eigenheer hat einen engen Bezug zur Agglomeration Sursee. Er wohnte und arbeitete längere Zeit in Kaltbach, wurde regelmässig in Sursee ausgestellt: im Rathaus, im Sankt Urbanhof und im Kunstforum. Doch er ist im gesamten Zentralschweizer Kunstschaffen seit Jahrzehnten eine feste Grösse: Nicht nur als renommierter Künstler, sondern auch als Ausbildner an der Kunsthochschule Luzern, wo er Akt- und Figurenzeichnen, Anatomie und Radieren gelehrt hat. Und damit zum Wegbereiter für viele andere Kunstschaffende der Zentralschweiz geworden ist.

Der 88-Jährige ist heute nicht mehr in der Lage, aus einem vielfältigen Werk selber eine Ausstellung zusammenzusetzen. Seine Angehörigen haben dies deshalb Stefan Rösli anvertraut. Dieser, übrigens Träger des diesjährigen Surseer Kulturpreises, ist selber einer dieser ehemaligen Schüler von Hans Eigenheer. Mit einer stimmigen Auswahl einem ganzen Lebenswerk gerecht zu werden, ist eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe.
Ein begnadeter Vielzeichner
Eigenheers Werke verbinden mythologische, religiöse, anatomische und zeitgenössische Themen. Zu sehen sind die erwähnten Malereien mit überraschend expressivem Charakter, aber auch Radierungen, Zeichnungen, Lithografien. Denn zur malerischen Ausdrucksweise hat er erst spät in seinem Schaffen gefunden. Davor war er ein begnadeter Vielzeichner. Kisten voller Skizzenbücher lagern in seinem Keller in Knutwil.

Die Ausstellung bietet exklusiv auch eine digitalisierte Fassung seiner legendären Wandtafelzeichnungen aus dem Anatomieunterricht. Für das Kunstforum Sursee ist diese Werkschau nicht nur wegen des Künstlers etwas Besonderes: Sie ist im vierzehnjährigen Bestehen genau die 50. Ausstellung.
Die Ausstellung zu Hans Eigenheer im Kunstforum Sursee läuft noch bis 22. März. Öffnungszeiten: Fr/Sa 15 – 19 Uhr, So 11 – 16 Uhr.






Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.