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Sursee

Das expressive Lebenswerk eines grossen Luzerner Künstlers

Im Kunstforum Sursee sind beeindruckende Werke von Hans Eigenheer zu sehen. Der 88-jährige Künstler war zeitlebens eng mit Sursee verbunden. Die Werkauswahl konnte er altershalber nicht selber treffen. Ein früherer Schüler ist eingesprungen.

«Die Liegende», so der knappe Titel des grossen Gemäldes, räkelt sich. Wo? Es könnte im Inneren einer Wohnung sein. Vielleicht auf dem Balkon, vielleicht draussen, vielleicht im eigenen Garten. Sie ist unbekleidet. Oder nicht? Einen Schuh trägt sie jedenfalls. Nur einen. Es macht einen ungezwungenen, spontanen Eindruck. Andere Kleidungsstücke sind höchstens angedeutet. Es ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass sie geniesst.

Bei vielen Gemälden des Luzerner Künstlers Hans Eigenheer ist das Wichtige auf den ersten Blick erkennbar. Und dann kommen spannende Nebenfragen, die zum genaueren Erkunden verleiten. Oft fügen sich die Details stimmig ins Ganze ein, wie hier etwa Flasche und Apfel. Anderes darf rätselhaft bleiben, assoziativ wirken.

«Die Liegende» von Hans Eigenheer (2001, Öl auf Leinwand, 170 mal 173 cm)
Bild: zvg

In solchen Gemälden, die zum Kern der aktuellen Ausstellung gehören, ist Hans Eigenheer klar der abstrakten, sehr expressiven Malerei verbunden. Doch während diese oft auf Reduktion bedacht ist, fasziniert Eigenheer gerade auch mit dieser Fülle von Details.

Er hat sein Werk einem Schüler anvertraut

Hans Eigenheer hat einen engen Bezug zur Agglomeration Sursee. Er wohnte und arbeitete längere Zeit in Kaltbach, wurde regelmässig in Sursee ausgestellt: im Rathaus, im Sankt Urbanhof und im Kunstforum. Doch er ist im gesamten Zentralschweizer Kunstschaffen seit Jahrzehnten eine feste Grösse: Nicht nur als renommierter Künstler, sondern auch als Ausbildner an der Kunsthochschule Luzern, wo er Akt- und Figurenzeichnen, Anatomie und Radieren gelehrt hat. Und damit zum Wegbereiter für viele andere Kunstschaffende der Zentralschweiz geworden ist.

Hans Eigenheer.
Bild: zvg

Der 88-Jährige ist heute nicht mehr in der Lage, aus einem vielfältigen Werk selber eine Ausstellung zusammenzusetzen. Seine Angehörigen haben dies deshalb Stefan Rösli anvertraut. Dieser, übrigens Träger des diesjährigen Surseer Kulturpreises, ist selber einer dieser ehemaligen Schüler von Hans Eigenheer. Mit einer stimmigen Auswahl einem ganzen Lebenswerk gerecht zu werden, ist eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe.

Ein begnadeter Vielzeichner

Eigenheers Werke verbinden mythologische, religiöse, anatomische und zeitgenössische Themen. Zu sehen sind die erwähnten Malereien mit überraschend expressivem Charakter, aber auch Radierungen, Zeichnungen, Lithografien. Denn zur malerischen Ausdrucksweise hat er erst spät in seinem Schaffen gefunden. Davor war er ein begnadeter Vielzeichner. Kisten voller Skizzenbücher lagern in seinem Keller in Knutwil.

Religion und Anatomie: Die Zeichnung «Lazarus» (1997) von Hans Eigenheer.
Bild: zvg

Die Ausstellung bietet exklusiv auch eine digitalisierte Fassung seiner legendären Wandtafelzeichnungen aus dem Anatomieunterricht. Für das Kunstforum Sursee ist diese Werkschau nicht nur wegen des Künstlers etwas Besonderes: Sie ist im vierzehnjährigen Bestehen genau die 50. Ausstellung.

Die Ausstellung zu Hans Eigenheer im Kunstforum Sursee läuft noch bis 22. März. Öffnungszeiten: Fr/Sa 15 – 19 Uhr, So 11 – 16 Uhr.

Werke von Hans Eigenheer im Kunstforum Sursee.
Bild: zvg

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