Satire

Macht sich Gabriel Vetter über die Jugendproteste lustig?

Gabriel Vetters Sketch über einen vermummten Zürcher Krawallmacher polarisiert – weil er linke und bürgerliche Rhetorik vermischt. Über was lachen wir da eigentlich?

2.20 Franken pro Liter Benzin? Also bitte, so kann man doch nicht mehr anständig Krawall machen!

In einem aktuellen Videoclip spielt Satiriker Gabriel Vetter, 43, einen vermummten Zürcher aus dem Schwarzen Block. Die Teuerung hat ihn hart getroffen. Molotowcocktails kann er sich kaum noch leisten, Pflastersteine kosten bei der Landi 1.40 Franken pro Stück. «Da bist du an einem Morgen bei 400 Stutz», rechnet Pirmin G. vor laufender Kamera.

Der Clip wurde erstmals am 25. Oktober in der SRF-Satiresendung «Die Sendung des Monats» ausgestrahlt. Er ist im Stil eines Regio-News-Beitrags erzählt – mit dem feinen Unterschied, dass der Bürger, an dem exemplarisch gezeigt werden soll, wo es im Land klemmt, ein vermummter Krawallmacher ist.

Auf dem Instagram-Kanal von SRF 3 wurde die Satire bereits 450'000 Mal aufgerufen und rund 30'000 Mal geteilt. Dabei dürfte das Timing geholfen haben. «Der Clip ging raus genau eine Woche nach den grossen Ausschreitungen in Frankreich und eine Woche vor den Ausschreitungen in der Schweiz», sagt Vetter. Heute wäre der Kontext ein anderer. Vor wenigen Tagen brannten auch in Zürich und Basel die Barrikaden.

So krawallig wie ein KMU'ler

Was Pirmin G. so besonders macht: Er vereint politische Argumentationslinien, die sich normalerweise feindlich gegenüberstehen. Mal klingt er wie ein verärgerter KMUler: Er beklagt hohe Benzinpreise und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz – «in Mailand und in Paris» mache man es eben besser. Auch die Suva erschwere ihm mit der Schutzbrillenpflicht die Arbeit.

Dann spricht er wieder wie ein Linker: «Wir vom Schwarzen Block leisten so viel unbezahlte Care-Arbeit für unsere Jugendlichen. Dank uns kommen die Jugendlichen endlich mal von den Bildschirmen weg an die frische Luft und erleben miteinander was.» Nur um gleich wieder ins Wirtschaftsregister zu wechseln: Man schaffe mit dem Krawall schliesslich Arbeitsplätze bei der Polizei–  Bundesbern würdige das zu wenig.

Dieser Pirmin G. ist damit eine ziemlich zeitgeistige Figur. Nicht weil links und rechts plötzlich dasselbe wären, sondern weil politische Rhetoriken wandern: Klagen über Bevormundung, Kritik am Staat oder das Gefühl mangelnder Anerkennung lassen sich nicht mehr immer sauber einem Lager zuordnen.

Genau daran scheiden sich im Netz die Geister: Die einen finden, Vetter verharmlose Gewalt. Andere werfen ihm vor, die Anliegen junger Demonstrierender lächerlich zu machen und nach unten zu treten. Bürgerliche wiederum freuen sich, dass auf einem SRF-Kanal einmal die Linke zur Zielscheibe wird.

«Als Zuschauer weiss man nie genau, was man von dem Gesagten halten soll, weil entweder das Gesagte einem widerspricht oder die Person, die es sagt», sagt Vetter. Bis zum Schluss bleibe unklar, «auf welcher Seite» man  eigentlich stehen solle. Dass es «keine Packungsbeilage zu diesem Sketch» gebe, mache die Leute «hässig».

Und Pirmin G.? Der tritt aus Perspektivlosigkeit seines Berufsstandes im Clip schliesslich der FDP bei und wechselt vom Untergrund in die Politik. Schliesslich hat ihm die rot-grüne Zürcher Stadtregierung all die Autos, die sich noch mit dem Baseballschläger bearbeiten liessen, aus der Innenstadt entfernt. Warum also nicht weiter oben ein paar IT-Projekte ruinieren?

Wer einen Staatsapparat zerlegen will, braucht dafür womöglich ohnehin weder Baseballschläger noch Molotow-Cocktail. Elon Musk schrieb im Februar 2025, als DOGE eine zentrale Rolle bei den massiven Einschnitten bei USAID spielte: «Wir haben das Wochenende damit verbracht, USAID durch den Häcksler zu jagen.»

Die letzte «Sendung des Monats» wird am 29.11., 21:35 Uhr auf SRF1 ausgestrahlt.

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