Die Genferin Ella Maillart (1903-1997) reiste dorthin, wo noch keine Frau je einen Fuss hinsetzte. 1932 nach Russisch-Turkmenistan. 1935 von Peking nach Kaschmir durch verbotene Regionen Zentralasiens. 1939 mit Annemarie Schwarzenbach von der chinesischen Küste ins mongolische Indien, 6000 beschwerlichste Kilometer auf Pferden, Kamelen und zu Fuss. Die drogensüchtige Annemarie brach vorzeitig ab und kehrte in die Schweiz zurück – Ella Maillart reiste alleine weiter, sie blieb in Indien, sechs Jahre lang.
Auf all ihren Reisen fotografierte sie, schrieb Reiseberichte für internationale Zeitungen und schuf mit ihren Dokumenten einen immensen Kulturschatz über eine entscheidende Epoche der Weltgeschichte.
Letztes Jahr wurde Maillarts Gesamtwerk von der UNESCO ins Register des Weltdokumentenerbes aufgenommen. Doch anders als Schwarzenbach hat die multipel Talentierte im öffentlichen Bewusstsein kaum einen festen Platz.
Das kann sich ändern, soll sich ändern, eine Fotostellung in Lausanne ist die Gelegenheit. Ella Maillarts Bilder sehen und Geschichte verstehen: Die Sowjetisierung von Zentralasien genauso wie den Wandel von China nach dem Sturz des Kaisers. Maillart interessierte sich auf ihren Reisen vor allem für Menschen, besonders für eine Gruppe, der die Wissenschaft bis dahin kaum Aufmerksamkeit schenkte: Frauen. Ihre Bücher «Verbotene Reise» und «Turkmenistan Solo» sind Klassiker der Reiseliteratur. Ihre Bilder haben einen ähnlichen Rang.
Fotografische Erzählungen. Photo Elysée, Lausanne, bis 1.11.2026



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