Es war bloss ein Satz eines Interviews, doch er hat das Leben von Devyn Dalton für immer verändert. Nichts ist für die Stuntfrau aus Vancouver seitdem so wie vorher: Dalton (34) ist das Gesprächsthema der Fans von «The Odyssey» und der Entertainment-Branche.
Seit dem Filmstart vor gut drei Wochen wird kaum über die materialreichen, heldenhaften Schlachten von Odysseus gesprochen oder geschrieben. Kaum ein Wort über Actionszenen, Filmeffekte oder einzelne Schauspielerleistungen. Das läge nahe, denn Christopher Nolan veranstaltet ein Schaulaufen nahezu aller weiblichen Top Shots von Hollywood. Von A wie Anne Hathaway über Charlize Theron bis Z wie Zendaya.
Weibliche Muckis sind Heldenmuckis
Doch nichts von alledem. Von öffentlichem Interesse ist eine bis dahin Unbekannte. Diskutiert darüber wird, was eine Frau von 137 Zentimeter Körpergrösse zu Christopher Nolans Heldenepos beitrug: Die Muckis.
Devyn Dalton ist das Stärkste, was «The Odyssey» hervorgebracht hat: Sie war das Stuntdouble von Matt Damon, dessen Arme Teigtaschen ähneln. Im Kampf gegen die riesenhaften «Laistrygonen», verkörpert von besonders grossgewachsenen Stuntmännern, führte Dalton als Odysseus das Schwert.
Diese Leistung wäre keine Schlagzeile wert, hätte Damon in einem Interview nicht grosszügigerweise darauf hingewiesen – und mehr. Er lobte sein Double mit den Worten: «Devyn hat die beeindruckendsten Arme, die ich je gesehen habe». Der Kommentar ging viral. Seitdem ist Dalton nicht mehr die stille Zuarbeiterin Hollywoods, sondern selbst ein Promi.
Ihr Handy soll ununterbrochen läuten und Rollenangebote flattern ins Haus. Fans teilen auf den sozialen Medien ihre Trainingsbilder und gründeten für sie einen «Bizeps Fan Club». Filmjournalistinnen bezeichnen sie bereits als Hollywoods stärkste Geheimwaffe.
Blockbuster sind ihr Ding
Wer ist diese Frau, die seit Jahrzehnten im Filmgeschäft arbeitet, aber in der Öffentlichkeit weder Name noch Gesicht besass – und schon gar keine Arme? Dalton hat in der Vergangenheit bereits andere Blockbuster zum Leben erweckt, beispielsweise mehrere Sequels aus der Reihe «Planet of The Apes».
Devyn Dalton ist der Star, der aus dem Fitnessstudio kommt. Doch ohne eisernen Willen und persönliche Disziplin hätte die Frau von der Grösse eines Kindes niemals ihren Weg gemacht. Im Laufe ihrer Karriere habe es oft Momente gegeben, in denen Menschen zuerst skeptisch auf ihre Körpergrösse sahen und erst dann danach fragten, was sie leiste. Das erzählt sie «Yahoo» in einem sehr persönlichen Interview.
Ihre Äusserungen sind ein Statement gegen das Star-System. Ein Plädoyer für mehr Respekt und Anerkennung der Menschen, die nicht zu den Normschönen von Hollywood zählen. Und sie sind ein Bekenntnis zum Teamspirit eines Films als ein Gemeinschaftswerk: «Wenn Menschen einen Film sehen, sehen sie die Stars. Was sie nicht sehen, sind die Hunderten Künstler, Fachkräfte, Crewmitglieder, die gemeinsam daran arbeiten, diesen Moment möglich zu machen. Jede einzelne Person zählt.»
Daltons Motiv ist emanzipatorisch: Sie will Empowerment. Frauen sollen an ihr ein Vorbild haben, dass Stärke keine Frage der Körpergrösse ist. Wenn sie nun durch Matt Damons freundliches Lob plötzlich im Mittelpunkt stehe, sei das wohl genau das, was sie beabsichtigt habe – «ich wollte auftauchen und Matt Damon mit meinen Armen beeindrucken». Doch dem Erfolg vorangegangen sei jahrzehntelange harte Arbeit.
An sieben von sieben Tagen heisst das: Krafttraining, Yoga, Boxen und Waffenchoreografie. Als Stuntfrau muss sie jederzeit auch kurzfristig für grosse Filmproduktionen einsatzbereit sein.
Mehr als denkwürdige Bizepse
Dalton arbeitet seit ihrer Kindheit in der Filmindustrie. Übers Tanzen kam sie zum Theater, dann wurde sie Kinderdarstellerin in Werbespots und übernahm kleine Fernsehauftritte. Als Stuntfrau fand sie zu ihrer Berufung, jeder Film eine Herausforderung, noch stärker, athletischer und kraftvoller zu werden.
In ihrer Rolle als Odysseus sind allerdings nicht nur ihre Bizepse denkwürdig. Es ist auch die Art, wie sie Matt Damons Gang imitiert und seine Körperenergie übernimmt. Kraftvoll und selbstbewusst, und dabei ganz und gar selbstverständlich. Denn das kann eine Frau auf jeden Fall: Sie passt sich allen Lebenslagen formschön an, bis sie in ihrer Umgebung schliesslich vollständig aufgeht.








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