Klassik

Mutter und Tochter im Duett

Ein Schweizer Klavier-Harfe-Duo überrascht immer wieder mit tollen Raritäten für ihre seltene Besetzung.

Als weltberühmtes Geigen-Klavier-Duo schafft man es nach 30 Jahren vielleicht in einen Nebensaal der Carnegie Hall. Als Harfen-Klavier-Duo hingegen braucht man dafür Lichtjahre. Nichtsdestotrotz bleibt das Schweizer Duo Praxedis – Praxedis Hug-Rütti (Harfe) und Praxedis Geneviève Hug (Klavier) – auf dem Weg. Man gibt Konzerte in kleineren Sälen und Kirchen, präsentiert sich munter auf Social Media und spielt CD um CD ein. Um die Leute bei Laune zu halten, ist es mal eine mit populären Werken, die man selbst bearbeitet. Dazwischen aber immer wieder Alben mit hohem Anspruch: Dann spielt das Duo rare Originalkompositionen, die es bisweilen überhaupt erst wiederzuentdecken gilt.

Nun hat man sich mit Joseph Woelfl (1773–1812) beschäftigt: Das ist eine faszinierende Figur der Musikgeschichte – ein Mann, der mit Beethoven einen Klavierwettstreit bestritt und heute fast vergessen ist.

Der in Salzburg geborene Pianist und Komponist war Schüler von Leopold Mozart und stand auch mit dessen Sohn Wolfgang Amadeus in Verbindung. Er machte eine erstaunliche internationale Karriere: Seine Stationen waren Wien, Warschau, Paris und London, wo er 1812 mit nur 38 Jahren starb. Er schrieb Klavierkonzerte, Sonaten, Sinfonien, Kammermusik und Opern.

Schon auf einem älteren Album hat das Duo Woelfls Grand Duo B-Dur op. 37 veröffentlicht. Nun also ein ganzes Album, nun alle Duos Woelfls für Harfe und Klavier: (türkische) Märsche, Walzer, Polonaisen und andere Überraschungen. Das ist schöne Musik, in den besten Momenten grosse, in den schwächeren bloss gefällige. Aber wenn sie so munter und mit so viel Herzblut gespielt wird, taucht der Hörer ein in eine Musikwelt, die neben jener Beethovens den Beginn des 19. Jahrhunderts mitprägte.

Joseph Woelfl, Complete Duos for Harp an Pianio, Toccata Classcis

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)