Ein zunächst verspotteter chinesischer Animationsfilm hat sich unerwartet zum Publikumserfolg entwickelt. Viele Zuschauer sehen «Niu Lai» offenbar nicht trotz seiner einfachen Bilder und ungelenken Bewegungen, sondern gerade deshalb. In sozialen Medien werden die Vorstellungen als ausgelassene Gemeinschaftserlebnisse beschrieben. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.
Der niedrig budgetierte Film kam nach Angaben der chinesischen Staatszeitung «Global Times» am 5. August ohne bekannte Darsteller, grosse Werbekampagne oder nennenswerte Aufmerksamkeit in die Kinos. Das kreative Kernteam bestand lediglich aus zwei Personen. Nach der offiziellen Inhaltsangabe erzählt der Film eine Traumgeschichte um das Kalb «Niu Lai».
Vom Flop zum Hype
In den ersten neun Tagen spielte der Film lediglich 7.169 Yuan ein, umgerechnet rund 900 Euro. Weniger als 300 Menschen sahen ihn demnach in diesem Zeitraum.
Dann verbreitete sich die Nachricht über das geringe Einspielergebnis in den sozialen Medien. Nach Angaben der «Global Times» kursierten dort Bezeichnungen wie «Animation auf Katastrophenniveau» und «schlechter als KI-generierte Animationen». Andere Nutzer erklärten, sie wollten herausfinden, wie schlecht der Film tatsächlich sei. Der Spott weckte offenbar erst das Interesse vieler Kinobesucher.
Millionen statt Tausende
Nach Daten der chinesischen Kinoplattform Maoyan lag das Einspielergebnis am Donnerstagnachmittag bereits bei rund 30,7 Millionen Yuan, umgerechnet etwa 3,9 Millionen Euro.
Die «Beijing News» besuchte eine Vorstellung in Peking und sprach anschliessend mit Zuschauern. Ein Besucher war nach eigenen Angaben rund 30 Kilometer gefahren. «Schlechte Filme gibt es überall. Aber wenn einer so schlecht ist, muss man das selbst erlebt haben», sagte er. Der Film erreiche nicht einmal das Niveau von Amateuranimationen, die Internetnutzer bereits vor mehr als 20 Jahren erstellt hätten.
Geld nicht verschwendet
Eine Zuschauerin, die mit ihrer Familie gekommen war, sagte: «Das Geld war nicht verschwendet. Der gesamte Kinobesuch hat Spass gemacht, und der ganze Saal war von fröhlichem Lachen erfüllt.» Ein Kino erklärte der Zeitung, «Niu Lai» habe sich zeitweise sogar besser verkauft als Christopher Nolans «Odyssee».
Der Kulturforscher Zhang Peng von der Pädagogischen Universität Nanjing erklärte der «Global Times», die Zuschauer bezahlten im Grunde für das Gefühl, Teil eines Trends zu sein. Der von sozialen Medien angetriebene Erfolg lasse sich jedoch nicht als Erfolgsrezept auf andere Filme übertragen. (dpa)



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