Kunstraub

Nach dem Louvre-Klau inszeniert Netflix den perfekten Kunstraub

Die Serie «Haus des Geldes» geht in die nächste Runde. Mit «Berlin und die Dame mit dem Hermelin» meldet sich eine der erfolgreichsten Netflix-Produktionen überhaupt zurück. Das taugt sie.
Kunstraubdrama zwischen Sex und Waffen. «Das Haus des Geldes» weiss, wie es punkten kann.
Bild: Netflix

Die Serie schiesst direkt auf Platz eins der Streamingcharts und weiss ziemlich genau, was sie sein will: «Berlin und die Dame mit dem Hermelin» ist ein Mix aus raffiniertem Heist-Thriller, übertriebenem Gefühlskino und einer Gruppe krimineller Superhirne.

Im Zentrum steht der Dieb Berlin. Dieser tut ständig so, als würden die Caster für den neuen James Bond ihn beobachten. Exzentrisch, betont cool und vollkommen überzeugt von seiner eigenen Genialität sieht man ihn, meistens neben Waffen, Frauen oder ganz viel Geld.

In der Serie verschlägt es ihn nach Sevilla, wo er im Auftrag eines mächtigen Herzogs den Diebstahl von Leonardo da Vincis berühmtem Gemälde «Die Dame mit dem Hermelin» umsetzen soll.

Der Kunstraub dient aber nur als Tarnung für ein grösseres Spiel aus Erpressung, Manipulation und persönlicher Rache. Berlin und seine Crew wollen nicht bloss ein Bild stehlen, sondern die gesamte Schatzkammer des Herzogs leerräumen.

Von Rembrandt bis Da Vinci

Dass die Serie kurz nach den Schlagzeilen um den spektakulären Kunstdiebstahl im Louvre erscheint, verleiht ihr einen besonderen Reiz. «Berlin und die Dame mit dem Hermelin» nimmt aber auf weitere Ereignisse Bezug, etwa den grossen Bostoner Kunstraub von 1990. Dieser gilt mit einer Ausbeute von rund 500 Millionen Dollar als einer der teuersten der Geschichte. Die Täter entwendeten unter anderem Rembrandts berühmtes Gemälde «Christus im Sturm auf dem See Genezareth». Das in der Serie zur Dekoration in einem unterirdischen Gewölbe dient.

Denn der Strippenzieher soll bei diesem, wie allen anderen grossen Coups der jüngeren Geschichte derselbe Mann sein – der Herzog, der mit dem Da Vinci sein persönliches Juwel ergattern will.

Man sieht schnell, dass hier nichts subtil ist. Alles ist permanent maximal aufgedreht: die Musik, die Emotionen und die (viel zu vielen) dramatischen Kunstpausen.

Jede Szene wirkt, als hätte sie jemand mit den Worten «noch ein bisschen cooler» nachbearbeitet. Berlin selbst ist das beste Beispiel dafür. Einerseits ist er ein brillanter Manipulator mit messerscharfem Instinkt, andererseits benimmt er sich regelmässig wie eine Karikatur seiner selbst – etwa wenn er nackt auf dem Boden historischer Bauwerke liegt, um deren «Energie aufzunehmen». Das ist absurd, oft unfreiwillig komisch und manchmal peinlich. Aber eben auch wahnsinnig unterhaltsam.

Auch die Actionszenen sind unverkennbar aus Hollywoodfilmen entnommen. Explosionen, Verfolgungsjagden und Berlin, der ganz lässig «Rock and Roll» in die Kamera sagt. Die Serie interessiert sich oft weniger für den eigentlichen Coup als für die Menschen, die ihn durchführen – und vor allem dafür, mit wem sie gerade schlafen oder streiten.

Eifersuchtsdrama statt Heist-Geschichte

Dabei wird der eigentliche Heist denn auch fast zur Nebensache. Statt minutiöser Planung und genialer Wendungen dominieren stellenweise Romanzen, Eifersucht und emotionale Ausbrüche.

Besonders auffällig ist die beinahe obsessive Beschäftigung mit fremdgehenden Frauen. Jede weibliche Figur hadert mit der Treue. Und überhaupt stecken alle Protagonisten in irgendeiner Form von Liebeschaos, Affären oder Dreiecksbeziehungen. Besonders prominent wird das bei der Technik-Expertin Keila verhandelt, die sich zwischen ihren Liebhabern nicht entscheiden kann und bei jeder sexuellen Annäherung einfach aufhört zu denken. Für sie scheint die Liebe viel komplizierter als der Jahrhundertcoup. Und viel wichtiger.

Trotzdem entwickelt die Serie einen eigentümlichen Sog. Gerade weil sie sich so kompromisslos dem Kitsch hingibt, entsteht eine merkwürdige Mischung aus Ironie und echtem Drama. Diese Mischung ist laut, überzogen, kitschig und manchmal komplett absurd. Aber sie unterhält.

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