Anne Marie Schärer

Schon immer kreativ: Werkschau einer lebenslang künstlerisch tätigen Luzernerin

Öffentlich in Erscheinung getreten ist Anne Marie Schärer aus Kriens mit ihrem künstlerischen Schaffen erst spät. Nun folgt ein Blick auf ein ganzes schöpferisches Leben.

Wie sehen Emotionen aus? 100 menschliche Gefühlslagen, von Abscheu bis Zorn, hat die pensionierte Krienser Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin Anne Marie Schärer als Charakterköpfe gezeichnet. Bei jedem Bild stehen eine kurze Begriffserklärung, ein passender Sinnspruch und ein Zitat. Vor acht Jahren erschienen die Charakterköpfe in Buchform – das erforderte Mut. «Das Zeichnen ist mir gleichzeitig Verarbeitung und Erholung und gibt mir tiefe Befriedigung», sagte Schärer im Porträt von Pro Senectute Luzern.

Schon lange davor zeichnete und malte Anne Marie Schärer. Sie arbeitete mit Stoff und Stein, aber auch mit Zementmörtel und später mit Fundmaterial und Computerschrott. Über Jahrzehnte hat sie sich parallel zu ihrem Berufs- und Familienleben künstlerisch betätigt, obwohl die Zeit dafür knapp war. Schon als Kind war die gebürtige Glarnerin kreativ – und ist es ein Leben lang geblieben.

Das Psychologische und die Beschäftigung mit Menschen ziehen sich dabei deutlich durch ihr Werk. Davon zeugen nicht nur die «Charakterköpfe»: mit Tusche cartoonartig im Profil gezeichnet, ein Begriff – etwa auch «Lust» oder «Trotz» – direkt in die Physiognomie oder das Haar der Figur integriert. Wie lassen sich innere Vorgänge durch Gesicht, Körperhaltung, Gestalt und Sprache sichtbar machen?

Diese Frage liegt auch der Luzerner Ausstellung «lebenslang kreativ» zugrunde, die Skulpturen, Zeichnungen, Objekte, Bilder und Texte von Anne Marie Schärer zeigt – von der Kindheit bis heute. Beim Betrachten ihrer Werke werden die angepriesenen «persönliche Erfahrung, genaue Beobachtung und Freude am Gestalten» offensichtlich. Es macht Freude und ist erhellend, oft bringt es einen zum Schmunzeln.

«Willi Wildschwein» und «PC-Schrott mit Knochen»

Es gibt Menschen- und Tierfiguren aus Mörtel, Wort- und Spiegelarbeiten, Installationen und Objekte aus Alltagsmaterialien und Elektronikschrott zu entdecken. Etwa das lebensgrosse Wildschwein aus Beton, das sie ihrem Mann zur Pensionierung geschenkt hat. Es trägt die Wünsche «wild sein» und «Schwein haben» um den Hals. Oder «PC-Schrott mit Knochen» – ein Hündchen, das zu einem grossen Knochen aufschaut und in dem sich der angekündigte Humor und die Melancholie, die Lebensfreude und die Nachdenklichkeit in einem zeigen.

Den Gang an die Öffentlichkeit musste sie erst lernen. Damit ist jetzt definitiv Schluss, und das ist gut so. Anne Marie Schärers enorm vielseitiges Werk verdient Beachtung. Ein Werk, das weitgehend ausserhalb des professionellen Kunstbetriebs entstanden ist. (reg)

13. bis 25. Oktober, Sim Galerie, Brünigstrasse 5, Luzern; www.simgalerie.ch.

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