Kunstausstellung

Sie malt ihre innere Wirklichkeit

Die Arbeiten von Christina Gähler kreisen um Erinnerung und Identität. Und darum, wie sich das ständig verändert.

Auch das, was im Innern weiterlebt, verändert sich ständig. Aber wie funktioniert Erinnerung, und wie verändert sie sich – nicht nur als Erzählung, sondern auf psychischer und emotionaler Ebene?

Christina Gähler aus Zofingen malt sozusagen diesen inneren Prozess, macht ihn in ihren Bildern sichtbar. Dabei greift sie bei ihren neueren Arbeiten nicht auf konkrete Bildvorlagen zurück. Sie verbindet dabei figurative mit abstrakten, atmosphärisch verdichteten Elementen. Die «171 Gallery» in Luzern zeigt solche «rätselhaften Bildwelten zwischen inneren Zuständen, traumartigen Szenarien und gesellschaftlichen Fragestellungen» und vereint neue und ausgewählte Arbeiten der Künstlerin aus den vergangenen Jahren.

Das Rätselhafte entsteht aus dem Malprozess heraus

Christina Gähler, Jahrgang 1988, begreift Identität als etwas, «das sich fortwährend zwischen Herkunft, Erinnerung, Erfahrung und Gegenwart formt». «Persönliches Erleben und die Welt, die uns umgibt, lassen sich dabei nicht voneinander trennen», heisst es im Text zur Ausstellung. Das Äussere hinterlasse Spuren im Inneren, und das Innere wiederum präge, wie wir unserer Umgebung begegneten. Der Ausstellungstitel «Inner» bezeichne deshalb keinen Rückzug aus der Gegenwart.

In den Bildern finden auch das Unbestimmte und Gefühle Platz, manifestieren sich in Atmosphäre. Die Galerie bezeichnet es als «unterschwellige Wahrnehmungen einer Gegenwart, deren gesellschaftliche und ökologische Veränderungen, Unsicherheiten und Verletzlichkeiten sich in unser Erleben einschreiben».

Technisch bedeutet das: Farbe wird geschichtet, überarbeitet, freigelegt und erneut verdichtet. Das Bild hat gewissermassen selbst ein Gedächtnis. Das Rätselhafte entsteht aus dem Malprozess heraus.

Wie eine Landschaft aus einem Traum

Wirklich Prägendes verschwindet nie ganz. Gählers kroatische Wurzeln bilden eine wiederkehrende biografische Spur. Im Werk «Velebit» werden sie allein schon durch den Titel offenbart. Der Velebit ist ein Gebirgszug an der Küstenregion Kroatiens. Man sieht Wasser, Berge, Felsen, Tannengerüste, aber auch eine helle, runde «Insel». Man meint, Köpfe von Gestalten zu erkennen, die ineinander verschwimmen, und vieles mehr, das man nicht eindeutig zuordnen kann.

Für ihre künstlerische Arbeit wurde Christina Gähler 2021 vom Aargauer Kuratorium mit einem Werkbeitrag ausgezeichnet. Sie nutze das Medium «gekonnt und in eigenständiger Weise» und schaffe Bilder, die Interpretationsräume öffnen, begründete die Jury. (reg)

Christina Gähler: «Inner», bis 7. November, «171 Gallery», Pfistergasse 15, Luzern.

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